Chronologie  

CHRONOLOGIE

Haskenkreuz an Dönerimbiss. Quelle: de.indymedia.org

Rechte Gewalt in Brandenburg


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01.09.2010  » Schwedt/Oder / Uckermark
Schwedt Ein Spätaussiedler-Ehepaar wurde beim Einkaufen von zwei Männern rassistisch beleidigt. Die beiden Angreifer, zwei 20 und 21 Jahre alte Brüder, schlugen den Mann nieder und traten auf ihn ein. Das Opfer erlitt Verletzungen im Gesicht und musste sich ambulant im Krankenhaus behandelt lassen. Die Angreifer wurden vorläufig festgenommen.  (Quelle: Polizei)
28.08.2010  » Schwedt/Oder / Uckermark
Schwedt Eine Gruppe Rechter lauerte am Rande des Konzertes »Unsere Stadt hat Nazis satt« einigen Besuchern auf. Ein Jugendlicher wurde zusammengeschlagen, einem anderen wurde Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Schon am Nachmittag war einer Mitorganisatorin mit »Vergasung« gedroht worden.  (Quelle: OPP; Uckermark Kurier, Gegenrede, 30.08.2010)
08.08.2010  » Neuruppin / Ostprignitz-Ruppin
Neuruppin Gegen Mitternacht wurde ein Restaurantbesitzer von zwei Männern zusammengeschlagen und rassistisch beleidigt. Vorher hatten sie vor dem Restaurant randaliert und Mobiliar zerstört. Beide Täter wurden in Gewahrsam genommen.  (Quelle: OPP, MAZ)
08.08.2010  » Spremberg / Spree-Neiße
Spremberg Am Rande des Heimatfestes schlug eine Gruppe Rechter einen Punk mit einem Baseballschläger. Der Betroffene musste sich im Krankenhaus behandeln lassen.  (Quelle: Polizei, OPP)
08.08.2010  » Spremberg / Spree-Neiße
Spremberg Auf dem Heimatfest bedrohte eine Gruppe rechter Jugendlicher linksalternative Festbesucher. Die Angreifer verfolgten die Jugendlichen und prügelte auf zwei von ihnen ein. Einer der Betroffenen wurde durch Schläge mit Quarzsandhandschuhen leicht verletzt, ein anderer erlitt durch einen Schlag mit einem Totschläger ein Schädelhirntrauma.  (Quelle: OPP; Antifa Spremberg; Polizei)
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2008-06-11

Statistik rechter Gewalttaten in Ostdeutschland

Seit 2003 fassen acht Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt die erhobenen Daten über rechte Gewalttaten in Ostdeutschland in einer gemeinsamen Statistik zusammen.

Bei den registrierten Angriffen handelt es sich um Angriffe, von denen die acht Opferberatungsstellen durch verschiedene Quellen Kenntnis erlangten. Die Fälle werden nach einheitlichen Kriterien, die von einem Qualitätszirkel standardisiert wurden, erfasst. Seit 2005 wird dazu eine zentrale Datenbank verwendet.

Hohe Dunkelziffer

Die dokumentierten Fälle lassen indes keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Zahl rechtsmotivierter Gewalttaten zu. Es muss aus verschiedenen Gründen von einer großen Dunkelziffer ausgegangen werden. Den Erfahrungen der Opferberatungsstellen entsprechend vermeiden es viele Gewaltopfer, einen Angriff anzuzeigen oder sich an eine Beratungseinrichtung zu wenden. Diese Zurückhaltung dürfte – insbesondere was das Anzeigenverhalten betrifft – mit der gesellschaftlichen Stellung der Betroffenen verbunden sein, die zu einem großen Teil Gruppen angehören, die von Diskriminierung betroffen sind.

Die erfolgreiche Recherche von rechten Angriffen hängt von der Qualität des Netzwerkes von Kooperationspartnern ab, die den Opferberatungsprojekten Informationen zur Verfügung stellen und ihnen zuarbeiten. In vielen Regionen sind solche Netzwerke noch nicht ausreichend entwickelt. Die Beratungsstellen müssen dort von einer höheren Dunkelziffer unbekannt bleibender Angriffe ausgehen, während in Regionen, in denen ein ausgebildetes Netzwerk aufgebaut werden konnte, mehr Angriffe erfasst werden können.

Die Beratungsstellen arbeiten zudem in sehr unterschiedlichen sozialen Räumen. So wirken die Projekte in Leipzig, Dessau und Berlin in städtischen Milieus, während die Projekte in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen und Brandenburg sich in einer überwiegend ländlich geprägten Umgebung bewegen. Hieraus ergeben sich Unterschiede im politischen und soziokulturellen Umfeld sowie hinsichtlich möglicher Ansprechpartner in der Zivilgesellschaft. Diese Unterschiede haben auch Einfluss auf den Bekanntheitsgrad einer Beratungsstelle innerhalb einer potenziellen Opfergruppe und damit auf die Frage, ob sich Betroffene selbst an die Beratungsstellen wenden oder nicht.

Die statistische Auswertung der Recherchetätigkeit der Opferberatungsstellen kann daher keine vollständige Dokumentation rechter Gewalttaten liefern sondern lediglich Annäherungswerte.

Recherchierte Straf- und Gewalttaten

Im Jahr 2007 haben die Opferberatungsstellen insgesamt 861 rechts motivierte Gewaltdelikte registriert. Das ist deutlich mehr als in den Jahren 2003 bis 2005, aber etwas weniger als 2006, als 904 Vorfälle festgestellt wurden; allerdings wird sich die Zahl für 2007 durch Nachmeldungen erfahrungsgemäß noch erhöhen.

Die meisten Angriffe ereigneten sich in Sachsen (306) sowie in Sachsen-Anhalt (151). Die vergleichsweise geringe Zahl registrierter rechter Gewalttaten in Thüringen ist nicht auf die Entwicklung im Land zurückzuführen, sondern spiegelt in erster Linie die fehlende Unterstützung der Landesregierung für die Beratungsstelle sowie deren unzureichende Personalausstattung wieder.

Von den 861 Gewalttaten waren mindestens 1.869 Personen betroffen. Bei 717 Fällen handelte es sich um Körperverletzungsdelikte. In 495 Fällen richtete sich die Gewalt gegen junge Menschen aus linken und alternativen Milieus. 265 Mal war Rassismus die Tatmotivation.

Land 2003 2004 2005 2006 2007
Berlin 73 73 115 171 122
Brandenburg 116 136 140 140 137
Mecklenburg-Vorpommern 64 58 62 103 78
Sachsen 141 146 168 242 306
Sachsen-Anhalt 78 109 171 200 151
Thüringen 91 48 38 48 67
Alle ostdeutschen Länder 563 551 694 904 861

Stand: 11. Juni 2008

Tatmotivation 2006 2007
Rassismus 311 265
Antisemitismus 13 8
Homophobie 10 12
Behindertenfeindlichkeit 7 3
Gegen sozial Benachteiligte 5 3
Gegen politische Gegner 128 158
Gegen nicht Rechte 362 337
Sonstige 16 8
Unklar 52 67
Gesamt 904 861

Stand: 11. Juni 2008

Statistikberichte

Einmal im Jahr gibt die bei der Opferperspektive angesiedelte Koordination der Beratungsstellen eine Pressemitteilung heraus, in der die statistische Entwicklung rechter Gewalt in Ostdeutschland und die Beratung der Opfer dargestellt und analysiert wird. Auf Grund von hier berücksichtigten Nachmeldungen aus vorangegangenen Jahren weichen die dort veröffentlichten Zahlen etwas ab. Die Koordinationsstelle besteht nicht mehr, da die Fördermittel hierfür gestrichen wurden.

2007: Hohe Zahl rechter Gewalttaten in Ostdeutschland

2006: Zunahme rechtsmotivierter Gewalttaten in Ostdeutschland

2005: Beratungsstellen veröffentlichen Statistik über Opfer rechtsmotivierter Gewalt

2004: Beratungsstellen veröffentlichen Jahresstatistik 2004

2003: Zahl rechtsextremer Gewalttaten bleibt in Ostdeutschland auf hohem Niveau

(OPP)

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links:

external link AMAL Sachsen  [Beratung für Opfer rechter Gewalt]
external link Lobbi Mecklenburg-Vorpommern  [Beratung für Opfer rechter Gewalt]
external link Mobile Opferberatung Sachsen-Anhalt  [Beratung für Opfer rechter Gewalt]
external link Multikulturelles Zentrum Dessau  [Opferberatungsstelle]
external link Opferberatung der RAA Sachsen  [Für Opfer rechter Gewalt in Dresden und Leipzig]
external link Reach Out Berlin  [Beratung für Opfer rechter Gewalt]
external link Thüringer Hilfsdienst für Opfer rechter Gewalt  [Beratung für Opfer rechter Gewalt]