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»Deutschland ist ein schönes Land – bis auf das«
Vor 25 Jahren kam Herr C. zum Studium aus Pakistan nach Deutschland. Dass er sich dauerhaft niederlassen und die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen würde, hatte er sich damals nicht vorgestellt. Seit Anfang der 1990er Jahre lebt der Dolmetscher mit seiner Frau und zwei Kindern in einem Einfamilienhaus in einem Vorort von Potsdam. Nun will die Familie nach Pakistan auswandern – für die Kinder ein fremdes Land.
»Wer sich in Deutschland nicht anpassen kann, sollte das Land wieder verlassen.« Zustimmung: 84 % (Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes)
Besonders schlimm ist es für meine Kinder. Vor allem der zweite Sohn hat viel Ärger hier gehabt. Er hat gelockte Haare. Die anderen Kinder sagen dann sofort »Du Neger«. Das kann er gar nicht leiden. Es wird nur auf die Hautfarbe geguckt, ob er Deutscher ist, spielt gar keine Rolle. Er hat gelockte Haare und eine andere Hautfarbe, und dann kommt so was. Der Große hatte auch solche Probleme. Jetzt geht er gar nicht mehr raus. Er hat Angst, weil er immer angemacht wurde. Und dann frisst man das in sich hinein, und so ist er dick geworden. Und das ist dann noch ein Nachteil. Und die Lehrer! Heutzutage will ja niemand Ärger haben. Die Lehrer wissen, dass es solche Leute gibt, dass die Ärger machen oder dass die Familie rassistisch ist, aber sie greifen trotzdem nicht ein. Und wenn man sie fragt, dann sagen sie: »Ja, ja, ich wollte ja, aber …«
Wir wollen wegziehen von hier; nach Pakistan, dort ist es nicht so. Ich sage es ganz ehrlich, ich finde Deutschland gut, bis auf das. Ein ganz schönes Land. Aber das ist viel zu viel. Und das ist nur wegen der Hautfarbe, das ärgert mich. Da ist man machtlos, das ist das Problem. In Pakistan gibt es auch Konflikte, mit den Muslimen oder mit anderen, aber hier ist das ausschließlich wegen der Hautfarbe. Du kannst machen, was du willst. Ich versuche ihnen ja auch zu erklären: »Nein, ich habe dir nicht deinen Job weggenommen«, aber sie verstehen das nicht. Die Kinder müssen darunter leiden und dann sage ich, nein, das haut nicht hin. Auch der Mann hier nebenan. Die Kinder streiten sich, und dann heißt es: »Du bist Ausländer, du bist scheiße«. Da wird nicht gefragt. Und wenn unser Kind etwas sagt, dann beschweren sie sich sofort.
Ich will die Kinder nicht zwingen, mit nach Pakistan zu kommen, denn dort gibt es ja auch eine ganz andere Sprache. Und sie kennen ja gar nichts anderes als Potsdam. Meine Verwandten kennen die auch nicht so gut. Hier sind sie zu Hause und ich möchte ihnen nicht ihr Zuhause wegnehmen. Aber für mich ist es nicht so. Innerlich kann ich das nicht akzeptieren: Ich bin hier ein Fremder und bleibe auch einer. Es ist egal, ob ich einen deutschen Pass habe, das spielt gar keine Rolle. Manche wollen keine Deutschen werden, aber die Deutschen lassen auch nicht zu, dass sich die Ausländer hier integrieren. Die Kinder können nur Deutsch, die haben gar nichts Pakistanisches, nur meinen Namen. Wenn die Leute dann sagen, das sind ausländische Kinder, das verstehe ich nicht.
(mabe)


