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AUSSTELLUNG

Ausstellung »Opfer rechter Gewalt«

»Opfer rechter Gewalt«

Die Wanderausstellung erinnert an die Todesopfer rechter Gewalt von 1990 bis 2005.

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2009-10-27
Source: OPP

»Die Deutschen wollen keine Afrikaner haben«

Der etwa 50-jährige Sozialarbeiter Herr B. arbeitet in einer Beratungsstelle für deutsche SpätaussiedlerInnen und jüdische ZuwanderInnen aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Herr B. ist selbst Russlanddeutscher und lebt seit Anfang der 1990er Jahre in Potsdam. Seine Tochter ist hier zur Schule gegangen und studiert inzwischen.

»Ich glaube nicht an die Integration von Ausländern, denn wir verstehen ihre Welt nicht und sie verstehen unsere nicht.« Zustimmung: 55 % (Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes)

Ich erlebe es, wenn ich russisch spreche, dass die Einheimischen mich so komisch angucken und fragen: »Warum sprichst du russisch?« Erst vorherige Woche habe ich ein Gespräch mit einer einheimischen Frau gehabt, die hat mir gesagt, wir seien hier nicht in Russland. Da habe ich mich beleidigt gefühlt. Ich habe ihr gesagt, dass ich einen deutschen Pass habe. Wenn ich mit Akzent spreche, dann kann man nicht einfach sagen, wir seien nicht in Russland. Ich habe sie gefragt, »Was haben Sie gegen Russland?« Darauf hat sie mir nicht geantwortet. So etwas passiert auf der Straße oder in der Straßenbahn. Wenn wir zum Beispiel in einem Warteraum sitzen, beim Arzt oder bei Behörden, und wir unterhalten uns auf Russisch, dann gucke ich ab und zu herum und spüre dann, dass die Einheimischen das nicht gerne hören wollen. Das sind nicht alle, die Mehrheit ist schon freundlich, aber es sind schon immer welche dazwischen, die das nicht wollen.

Es gibt auch Probleme in den Wohnungen. Ich habe viele Nachfragen von den Wohnungsverwaltungen gehabt, die haben mich angerufen: »Hier sind welche von ihren Landsleuten, die kochen etwas, das nicht gut riecht, die machen etwas mit Knoblauch.« Oder: »Die sprechen laut«, »Die Kinder laufen herum.« Das ist so, leider. Ich sage dann immer, das man da nichts machen kann, wir essen eben nach unserem Geschmack, da kann man nichts machen. Und wenn die Kinder laufen, da kann man doch auch nichts machen, denn sie müssen ja laufen. Das machen einheimische Kinder auch, aber da wird nicht so ein großes Problem gesehen. Und im Fernsehen, wenn die Deutschen ihr Essen zeigen, da ist immer Knoblauch dabei.

Es gibt einfach Leute hier in Potsdam, die wollen nicht gerne Ausländer hier haben. Die wollen nicht mit Ausländern sprechen und die wollen nicht mit den Ausländern zu tun haben. Ich spreche da aus Erfahrung. Ich suche ja für Leute eine Ausbildung oder Arbeit, und die Arbeitgeber, die wollen oft Ausländer nicht gerne haben. Ich hatte einen Fall, da musste ein Afrikaner zu einem Praktikum gehen. Der Arbeitgeber hat dann einfach gesagt: »Nein, Afrikaner will ich nicht haben.« So etwas ist der pure Rassismus. Es gibt keinen Unterschied zwischen den jüdischen Zuwanderern und den Spätaussiedlern, wir haben weiße Haut und die Einheimischen wissen nicht, dass wir alle Ausländer sind. Aber es gibt einen großen Unterschied zwischen weißen und schwarzen Ausländern. Wir sind einfach Ausländer, die Afrikaner aber sind Ausländer, die die Deutschen, wie soll man das sagen, die sie eben nicht gerne haben wollen.

(mabe)

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