Home » Beitraege  

KONTAKT

Opferperspektive e.V.

Rudolf-Breitscheid-Str. 164, 14482 Potsdam
Telefon 0331 8170000
Telefax 0331 8170001
info(at)opferperspektive.de

Anlaufstelle Cottbus (Geänderte Sprechzeiten!)
Impressum

CHRONOLOGIE

Haskenkreuz an Dönerimbiss. Quelle: de.indymedia.org

Rechte Gewalt in Brandenburg


latest 5 items
26.03.2013  » Meyenburg / Prignitz
Frehne, Meyenburg Bei einem rechten Überfall auf ein Jugendwohnheim im Ortsteil Frehne sind ein Betreuer und zwei Jugendliche, mit Migrationshintergrund, verletzt worden. Die etwa zehn Angreifer riefen dabei rassistische Parolen und zeigten den sog. Hitlergruß. Das Wohnprojekt war in der Vergangenheit bereits häufiger Ziel von rechten Anfeindungen.  (Quelle: IW, TSP)
18.03.2013  » Forst (Lausitz) / Spree-Neiße
Forst Am späten Abend wurde ein politisch aktiver Jugendlicher mit einem Auto verfolgt und in eine Straßenecke abgedrängt. Zwei, der drei Personen stiegen aus dem Auto und griffen den jungen Mann an. Dem Betroffenen gelang es, sich gegen die Angreifer zu wehren und zu flüchten. Bereits am Abend zuvor war der Jugendliche von einem der Täter mit einem Messer bedroht worden.  (Quelle: OPP)
17.03.2013  » Forst (Lausitz) / Spree-Neiße
Forst Ein politisch Aktiver wurde aus einem Auto heraus als »Scheiß Antifa« beschimpft und es wurde ihm der sog. »Hiltergruß« gezeigt. Anschließend stieg der Beifahrer aus dem Wagen und bedrohte den Aktivisten mit einem Messer.  (Quelle: OPP)
08.03.2013  » Spremberg / Spree-Neiße
Spremberg Am späten Nachmittag wurde ein politisch aktiver Jugendlicher von drei Rechten aus einem Auto heraus angesprochen mit »Wie läufst du denn hier rum«. Einer der Rechten stieg aus dem Auto und schlug den Jugendlichen ins Gesicht. Danach drohte er ihn umzubringen, wenn er zur Polizei ginge.  (Quelle: OPP)
07.02.2013  » Prenzlau / Uckermark
Prenzlau Der für den bestialischem Mord an Marinus Schöberl mit verurteilte Sebastian F. beleidigte einen vietnamesischen Imbissbetreiber rassistisch und drohte den Imbiss zu zerstören. Beim Verlassen des Imbisses attackierte er einen Punk.  (Quelle: gegenrede)
more

Antidiskriminierung

Gegen den Strom: Bild 7

Beratung Betroffener rassistischer Diskriminierung

Weitere Informationen hier

print
2012-07-09
Source: OPP

Gedenken an Emil Wendland – Niemand ist vergessen!

Mit einer Kundgebung und einer Demonstration in Neuruppin gedachten am 1. und 7. Juli 2012 AntifaschistInnen Emil Wendland. Vor 20 Jahren wurde der 50-jährige Wohnungslose von fünf Neonazis erst zusammengeschlagen und anschließend erstochen. Die rechten Schläger hatten sich nach eigenen Angaben zum »Penner klatschen« verabredet.

Tafel

Source: OPP

Am 1. Juli 1992 hatte sich Emil Wendland auf einer Parkbank im Rosengarten in Neuruppin niedergelegt. Auf der Suche nach einem »Opfer« stieß die Gruppe Neonazis auf den schlafenden Emil Wendland. Als dieser auf Beleidigungen nicht reagierte, traktierten sie ihn mit Fäusten und zerschlugen eine Bierflasche auf seinem Kopf. Danach verließen die Männer den Tatort, jedoch kam einer der Neonazis zurück und stach siebenmal in den Oberkörper des bewusstlosen Emil Wendlands. Einer der Stiche durchtrennte seine Herzschlagader. Emil Wendland starb an inneren Blutungen. Die Mörder wurden zwei Tage später festgenommen und wegen Totschlags zu drei und sieben Jahren Jugendhaft verurteilt. Bis heute ist nicht ganz klar, ob der für die Stiche verurteilte vermeintliche Haupttäter tatsächlich die tödlichen Verletzungen ausführte.

Emil Wendland war das zweite wohnungslose Todesopfer rechter Gewalt in Brandenburg seit 1990. Wohnungslose Personen und sozial Randständige sind neben MigrantInnen und alternativen Jugendlichen die größte Betroffenengruppe rechter Gewalt in der Bundesrepublik. Von den insgesamt 27 Todesopfern rechter Gewalt, die der Verein Opferperspektive seit 1990 in Brandenburg dokumentiert hat, wurden allein neun Taten aus sozialdarwinistischen Motiven begangen. Hingegen sind nur drei dieser Fälle von der Landesregierung als rechte Tötungsdelikte anerkannt. Obwohl es seit 2001 eine klare Handhabe für die Dokumentation dieser Morde gibt. Angriffe auf Obdachlose sollen als politisch motivierte Kriminalität gewertet werden, wenn kein anderes eindeutiges Tatmotiv erkennbar ist. Das Land Brandenburg hat bisher auch Emil Wendland die Anerkennung verweigert. Ebenso weigert sich die Bundesregierung den Mord an Emil Wendland als politisch motivierte Tat einzustufen . Dabei wurde Wendland bis Mitte der 90er Jahre offiziell als Todesopfer rechter Gewalt von der Bundesregierung aufgeführt. Jedoch wurde er von dieser Liste, ohne Angabe von Gründen, gestrichen.

Auch in der Stadt Neuruppin gab es bis jetzt keinen Ort des Gedenkens und der Anerkennung. Es vergingen 20 Jahre, bis eine Antifaschistische Initiative des Jugendwohnprojekts MittenDrin die Errichtung der Gedenktafel durchsetzte. Zur Einweihung der Tafel kamen 35 meist jugendliche NeuruppinerInnen. VertreterInnen der Stadt waren auf der Kundgebung des MittenDrins nicht anwesend, da sie bereits zwei Tage vor dem Todestag Wendlands die Tafel einweihten. Die Stadt rechtfertigte die Unmöglichkeit einer gemeinsamen Veranstaltung mit organisatorischen Gründen. Die AktivistInnen aus dem MittenDrin halten eine inhaltliche Distanzierung für wahrscheinlicher. So fehlen auf der Gedenktafel auch die ursprünglichen Sätze, welche eine gesellschaftliche Mitverantwortung an solchen Taten benennen.
Eine Woche nach der Einweihung der Gedenktafel führte eine Demonstration von 50 meist jugendlichen AntifaschistInnen im »Gedenken an Emil Wendland und alle anderen Opfer rechter Gewalt« durch Neuruppin.

Redebeitrag Opferperspektive
Redebeitrag MittenDrin

(ulim)

print

Images:

Gedenken an Emil Wendland

Gedenken an Emil Wendland
Source: OPP