Wer Neonazis keinen Raum geben will, muss alternative Jugendkulturen schützen – Verbote können sinnvoll sein – aber sie reichen nicht aus.

Der Verein Opferperspektive begrüßt die Bestätigung des Verbots des neonazistischen Netzwerkes »Widerstandsbewegung Brandenburg«, besser bekannt als »Spreelichter«. Unsere Erfahrungen in der Region Südbrandenburg zeigen allerdings deutlich, dass ein Organisationsverbot nur kurzfristig Erfolg hat. Nachdem das Verbot im Juni 2012 zunächst zu einem Rückgang neonazistischer Aktionen und Übergriffe geführt hat,stellen wir in diesem Jahr wieder verstärkt Gewalt- und Bedrohungstaten fest.In Spremberg wurden Jugendliche, die sich einer alternativen Jugendkultur zuordnen, massiv eingeschüchtert, bedroht und angegriffen. Inzwischen meiden sie Orte in der Innenstadt, an denen sie Rechten begegnen könnten. Oft handelt es sich bei den Tätern um Minderjährige,die im Umfeld der verbotenen Organisation politisch sozialisiert wurden.
Inzwischen gibt es wieder Aktionen und Webseiten, die denen der »Spreelichter« gleichen. In Senftenberg und Lauchhammer taucht seit Oktober eine als Krümelmonster aus der Sesamstrasse verkleidete Personen auf und verteilt Flugblätter in der Fußgängerzone. »Demokraten bringen uns den Volkstod« ist die Botschaft in verschiedenen Variationen und im Comikstil gehalten. Auch Zugang auf einen Schulhof verschaffte man sich.
Dort gehörte zur Aktion, die Figur mit Schulkindern abzulichten und die Bilder mit der Botschaft auf Facebook zu verbreiten. Im November wurden Flugblätter auf die Fensterscheiben einer Schule geklebt und am Sportplatz fand sich ein grabähnliches Loch mit Holzkreuz und der Ankündigungen des nahenden »Volkstodes«.
Rechte Szenen und neonazistisches Gedankengut können sich unter Jugendlichen dort am besten ausbreiten, wo es wenig Alternativen dazu gibt. Verbote wirken nur kurzfristig dagegen. Langfristig wirkt nur eine lebendige und vielfältige Jugendkultur, das haben die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte deutliche gezeigt. Eine solche Jugendkultur gilt es zu schützen und alternative Jugendliche, die von Bedrohungen und Gewalt
betroffenen sind, durch eine zuverlässige Solidarität in den Kommunen zu unterstützen.

Pressekontakt:
Beate Selders
0151 59100080

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