Zu viel Schweigen für einen Schuldspruch

Der Prozess gegen einen Bernauer Fußballspieler wegen rassistischer Beleidigungen gegen Schwedts Ausländerbeauftragten Ibraimo Alberto endete mit einen Freispruch. Die verbalen Angriffe wurden zwar gerichtlich nachgewiesen, konnten dem Angeklagten aber nicht zweifelsfrei zugeordnet werden.

Am 10. Mai 2012 sprach das Amtsgericht Bernau nach drei Verhandlungstagen den angeklagten Fußballspieler frei. Der Richter begründete den Beschluss mit seinen Zweifeln, wer genau Ibraimo Alberto rassistisch beleidigt hatte.

Hintergrund des Verfahrens: Im März 2011 besuchte Ibraimo Alberto das Fußballspiel eines Schwedter Jugendteams gegen eine Mannschaft aus Bernau. Albertos Sohn spielte auf der Seite der Schwedter Mannschaft. Während der Partie wurde sein Sohn von einem Spieler der Bernauer Mannschaft rassistisch beschimpft. Nach dem Spiel wurde auch Ibraimo Alberto rassistisch beleidigt. Dabei verhielt sich der Angeklagte so aggressiv, dass er von Umstehenden zurück gehalten werden musste.

In der Urteilsbegründung hieß es, dass es rassistische Ausfälle am fraglichen Tag gegeben habe. Doch es würde eben nicht über gesellschaftliche Zustände oder gegen ein ganzes Fußballteam verhandelt, sondern gegen einen konkreten Spieler. Für einen individuellen Schuldspruch hätten die Ergebnisse der Verhandlung keine Grundlage gegeben.

Die meisten Zeugen, mochten sich nicht an die rassistischen Beleidigungen erinnern. Selbst die allgemein aufgeheizte und aggressive Stimmung war manchen nicht mehr gegenwärtig.

Der Vorfall beim Fußballspiel reihte sich in eine Serie von Angriffen und Anfeindungen gegen Ibraimo Alberto ein und war der Auslöser für seinen Entschluss, Schwedt mit seiner Familie zu verlassen (weitere Berichte dazu) Der Wegzug führte zu einer bundesweiten Diskussion über alltäglichen Rassismus.