»Geh zurück in dein Land!«

BürgerInnen setzten sich gegen die Abschiebung des togolesischen Flüchtlings Orabi Mamavi ein, der seit zehn Jahren in Rathenow lebt und zwei Mal von Rassisten überfallen wurde.

Am 23. Dezember 2002 war Orabi Mamavi für die Stadt Rathenow im Einsatz: in der Schneeräumung, Stundenlohn ein Euro. »Geh zurück in dein Land!«, brüllte ihn ein Mann auf der Straße an und schlug den 41-Jährigen ins Gesicht. Orabi Mamavi erlitt eine Augenverletzung. Bereits 1997 war der Asylbewerber aus Togo Opfer einer rassistischen Gewalttat geworden. RechtsextremistInnen hatten ihn vor einer Diskothek zusammengeschlagen und durch die Stadt gejagt. Er rettete sich ins Asylbewerberheim, das er danach nur noch selten verließ. Orabi Mamavi leidet unter Depressionen und Albträumen, eine Therapeutin diagnostizierte schwere Angstzustände.

Die Ausländerbehörde Havelland will Orabi Mamavi, der seit zehn Jahren in Deutschland lebt, abschieben. Im Mai 2003 verhinderte nur eine Mahnwache des Kirchenkreises, dass der Bundesgrenzschutz ihn und sieben weitere AsylbewerberInnen abholte. Daraufhin wurde die Abschiebung auf den 23. Juli festgesetzt – genau ein Tag, bevor Orabi Mamavi vor Gericht gegen den Rechtsextremisten aussagen sollte, der ihn überfallen hatte. Die Opferperspektive erreichte mit einer Petition an den Landtag einen Aufschub der Abschiebung, der Schläger wurde verurteilt. Hunderte BürgerInnen appellierten daraufhin an Innenminister Jörg Schönbohm, dem Opfer rassistischer Gewalt ein dauerhaftes Bleiberecht zu gewähren – vergeblich. Erst drei Tage vor dem nächsten Abschiebetermin befand das Verwaltungsgericht, dass Orabi Mamavi bis zum Abschluss seines Asylfolgeverfahrens geduldet wird.

Weiterhin blickt der Asylbewerber in ein ungewisse Zukunft. Die Europäische Union klagte Togo in einem Bericht vom April 2004 an, RegimegegnerInnen durch außergerichtliche Hinrichtungen und Folter aus dem Weg zu räumen. Pro Asyl fordert deshalb einen Abschiebestopp. Die Ausländerbehörde kümmert das nicht: Zur Vorbereitung der Abschiebung übersandte sie der togolesischen Botschaft den Mitgliedsausweis einer Oppositionspartei, den Orabi Mamavi seinem Antrag auf Schutz vor politischer Verfolgung beigelegt hatte.

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