Zusammenarbeit mit UnterstützerInnen

Antifa-Gruppen und Jugendinitiativen, kommunale Bündnisse gegen Rechts und PolitikerInnen sind potenzielle Ansprechpartner, die in der Lage sein können, solidarische Prozesse mit Opfern rechter Gewalt zu organisieren. Aber nicht immer stimmen die Interessen der UnterstützerInnen mit denen der Betroffenen überein.

Bündnisse gegen Rechts

In einem Teil der Brandenburger Kommunen haben sich Menschen in Netzwerken zusammengeschlossen, um Rechtsextremismus entgegen zu treten. Jedes dieser Bündnisse hat seine eigene Geschichte und besteht aus unterschiedlichen Individuen. Oft sind sie breit angelegt und vereinigen eine Vielzahl unterschiedliche Interessen. Der kleinste gemeinsame Nenner ist oft, rechte Aktivitäten zurückdrängen zu wollen, damit die Kommune nicht in Verruf gerät. Oft wurden diese Bündnisse anlässlich rechter Gewalttaten ins Leben gerufen. Daher werden sie fast immer bereit sein, Opfer zu unterstützen.

Bei der konkreten Unterstützung können jedoch, insbesondere in der Frage der Öffentlichkeitsarbeit, Konflikte auftreten, die aus unterschiedlichen Interessen resultieren. Für Opfer von rechter Gewalt kann es wichtig sein, den Angriff und seine Folgen öffentlich zu thematisieren. Dagegen können Menschen, die zunächst um den Ruf ihrer Kommune besorgt sind, eine öffentliche Debatte um einen Angriff als schädlich empfinden.

Die komplexen Interessenlagen müssen berücksichtigt werden. Eine solidarische Unterstützung der Opfer schließt ein, den Rahmen der Konflikte auszuloten und sie an der Seite der Betroffenen zu führen. Dazu kann es einerseits sinnvoll sein, die Geschichte und die Zusammensetzung eines Bündnisses zu kennen und den Opfern die Möglichkeiten und die Grenzen der Unterstützung zu vermitteln. Andererseits können die Bündnismitglieder mit der Perspektive der Betroffenen konfrontiert werden, damit diese ihnen nachvollziehbar wird. Es ist oft hilfreich, wenn solche Konflikte moderiert werden; das kann aber nicht die Aufgabe derer sein, die Opfern in der Vertretung ihrer Interessen beistehen. Denn eine wirkungsvolle Unterstützung muss parteilich sein.

PolitikerInnen

BürgermeisterInnen, Stadtverordnete, Gemeinde- und Landräte sowie Abgeordnete haben Möglichkeiten, sich für Opfer rechter Gewalt einzusetzen. Aber PolitikerInnen sind häufig überfordert, wenn sie konkret mit dem Fall eines Gewaltopfers konfrontiert werden. Sie haben keine Zeit; ihr Beruf bringt es zudem mit sich, dass sie sich mit einer Vielzahl von Themen zu beschäftigen haben. Dazu denken sie eher in abstrakten Strukturen als auf der Ebene eines persönlichen Schicksals.

Gespräche mit PolitikerInnen sollten daher gut vorbereitet werden. UnterstützerInnen können dabei helfen, die Termine vorzustrukturieren und die politischen FunktionsträgerInnen auf die Situation vorzubereiten. Grundsätzlich sollten Opfer und UnterstützerInnen im Vorfeld konkrete Wünsche und Ziele formulieren, mit denen sie auf die PolitikerInnen zugehen wollen. Auf diesem Weg kann ein unbefriedigend verbleibendes Gespräch ohne wirkliche Ergebnisse vermieden werden. Wenn Anfragen konkret gestellt und realistisch umsetzbar sind, können – und müssen – politische FunktionsträgerInnen viel klarer äußern, was sie tun können und was nicht.


links:

Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit  [Landesweites Bündnis in Brandenburg]