Vor Ort: Wittstock/ Dosse

Zuerst erschienen in: Schattenberichte – Nachrichten aus der Opferperspektive Juli 2018 (gesamte Ausgabe hier)

Ende Januar zieht im nordbrandenburgischen Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) eine neunköpfige Gruppe vor das Haus einer tschetschenischen Familie, brüllt rassistische Parolen und bedroht die Bewohner_innen. Das ist der Höhepunkt einer langen Kette von Angriffen und Anfeindungen. Die jugendliche Tochter wird in der Schule gemobbt und geschlagen. Der kleine Sohn wurde beim Spielen im Park mehrfach rassistisch beleidigt und bedroht. Die Hochzeitsfeier eines älteren Bruders wurde von einem Deutschen aufgesucht, der mit obszönen Gesten die Feier störte.  Die Mutter wird in Geschäften offensichtlich ignoriert und nicht bedient. Der Gang zum Supermarkt wird zum Spießrutenlauf zwischen bösen Blicken und offener Ablehnung. Auf die Kinder werden Hunde gehetzt. Die Familie mit sechs Kindern ist nach Deutschland geflüchtet, nachdem in Tschetschenien Familienmitglieder ermordet und der Vater mit dem Tode bedroht wurde. In der lokalen Öffentlichkeit wird die Familie aufgrund einiger von Familienangehörigen begangener bzw. ihnen zugeschriebener Straftaten als „Problemfamilie“ wahrgenommen. Unter Verweis darauf wird eine Auseinandersetzung mit dem virulenten Rassismus in der Stadt, der sich vor allem an den Kindern und den kopftuchtragenden Frauen und Mädchen austobt, verweigert. Stattdessen wird über die Kriminalität der Zugezogenen debattiert und ihre Abschiebung gefordert.

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