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	<title>Beratungspraxis - Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</title>
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		<title>Amadeu Antonio: Gedenken Eberswalde</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Opferperspektive e.V.]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Dec 2018 13:32:16 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<?xml encoding="UTF-8"><p>Am 6. Dezember 1990 starb <em>Amadeu Antonio</em>, der als angolanischer Vertragsarbeiter in die DDR kam. In der Nacht auf den 25. November 1990 wurde er vor einem Gasthof in Eberswalde von etwa 60 rechten Jugendlichen mit Kn&uuml;ppeln angegriffen und ins Koma gepr&uuml;gelt. Er erlag Tage sp&auml;ter seinen Verletzungen.</p><p>In Gedenken an <em>Amadeu Antonio</em> findet am Donnerstag, den 6. Dezember um 17 Uhr eine Kundgebung an der Mahn- und Gedenktafel (Eberswalder Str. 261, 16225 Eberswalde) statt. Zur anschlie&szlig;enden Begegnung und gemeinsamen Essen laden der <em>Afrikanische Kulturverein Palanca e.V.</em>, die <em>Barnimer Kampagne &bdquo;Light me Amadeu&ldquo;</em> und die <em>Antifaschistische Initiative Eberswalde</em> in die R&auml;ume von Palanca in der Coppistra&szlig;e ein.</p><p>Anl&auml;sslich des Gedenkens wird momentan unsere Ausstellung <em><a href="http://todesopfer-rechter-gewalt-in-brandenburg.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">[Kein sch&ouml;ner Land</a>]</em> zu Todesopfern rechter Gewalt in Brandenburg in der Maria-Magdalenen-Kirche in Eberswalde gezeigt. Zur Er&ouml;ffnung berichtete Andreas Michael, Mitarbeiter der <em>Opferperspektive</em>, &uuml;ber die aktuelle Situation in Eberswalde. Den Redebeitrag dokumentieren wir hier.</p><p><strong>Rechte Gewalt in Eberswalde und die aktuelle Situation f&uuml;r Betroffene</strong></p><p>F&uuml;r das erste Halbjahr z&auml;hlte die Opferperspektive 97 Angriffe im Land Brandenburg. Bis zum 1. August waren es schon &uuml;ber 100, welche f&uuml;r dieses Jahr registriert wurden. Zum Vergleich: im ersten Halbjahr 2017 wurden 98 F&auml;lle gez&auml;hlt, im ganzen Jahr 171. 80 F&auml;lle, und damit die weit &uuml;berwiegende Zahl der Angriffe, war rassistisch motiviert.</p><p>Es muss festgestellt werden, dass es in den letzten Monaten keinen R&uuml;ckgang rechter Gewalttaten gegeben hat. Das Niveau rassistischer Gewalt bleibt stabil hoch, obwohl viele Gr&uuml;nde, die in den letzten drei Jahren f&uuml;r den Anstieg rechter Gewalttaten herangezogen wurden, derzeit nicht gegeben sind. Weder gibt es in diesem Jahr Landtags- oder Bundestagswahlen, noch kommen derzeit in hoher Zahl Gefl&uuml;chtete in Brandenburg an. Rassistische Gewalt ist in den letzten drei Jahren f&uuml;r einen Teil der Brandenburger Bev&ouml;lkerung offenbar zu einer normalen und akzeptierten Handlungsweise im Umgang mit Migrant*innen geworden.</p><p>Allein im Landkreis Barnim registrierte die Opferperspektive bis dato 13 rechte Gewalttaten. Dies stellt einen Anstieg gegen&uuml;ber den Vorjahren dar. So gab es 2015 sechs, 2016 f&uuml;nf und 2017 elf Angriffe, die Gesamtzahl der Angriffe ist damit die h&ouml;chste, welche seit Beginn des Monitorings im Jahr 2002 durch die Opferperspektive dokumentiert wurde. Dazu muss gesagt werden, dass 2017 in fast allen anderen Landkreisen die Gewalttaten einen leichten R&uuml;ckgang hatten.</p><p>Die Stadt Eberswalde ist ein Schwerpunkt rechter Angriffe im Barnim, hier stieg die Angriffszahl von sechs im Jahr 2017 auf acht Angriffe an. Das h&auml;ufigste Tatmotiv bei diesen Angriffen ist Rassismus, bei 85% aller Taten lag diese Motivation zugrunde. Betroffen davon sind vor allem Menschen mit realer oder zugeschriebener Migrationsgeschichte, vermeintlich Gefl&uuml;chtete aber auch internationale Studierende. So zum Beispiel Anfang August als eine Gruppe junger Frauen in Eberswalde mit dem Fahrrad unterwegs war und bei einem Streit mit einem Autofahrer erst rassistisch beleidigt wurde und dann eine von ihnen in den Gegenverkehr geschubst wurde. Gl&uuml;cklicherweise konnte das ihr entgegen kommende Fahrzeug rechtzeitig bremsen, sodass Schlimmeres verhindert wurde.</p><p>Neben diesen rassistisch motivierten Gewalttaten, die vor allem in Bernau, Biesenthal, Eberswalde und Wandlitz die h&auml;ufigste Tatmotivation bilden, wurden durch Opferperspektive auch zwei k&ouml;rperliche Angriffe auf politische Gegner*innen bzw. nicht Rechte registriert. K&ouml;rperverletzungsdelikte, einfache wie gef&auml;hrliche, bilden weiterhin die mit Abstand h&auml;ufigsten Tatbest&auml;nde. Die Opferperspektive z&auml;hlte vier einfache und eine gef&auml;hrliche K&ouml;rperverletzung in Eberswalde, eine gef&auml;hrliche so wie eine einfache K&ouml;rperverletzung in Bernau, eine versuchte gef&auml;hrliche K&ouml;rperverletzung in Biesenthal und eine versuchte einfache K&ouml;rperverletzung in Wandlitz. In Biesenthal wurde ein Mann aus Somalia, welcher mit dem Fahrrad durch die Bahnhofsstra&szlig;e fuhr, rassistisch beleidigt und dann mit einem schweren Kettenfahrradschloss beworfen. In Eberswalde wurden an verschieden Tagen junge Menschen aus der russischen F&ouml;rderation rassistisch beleidigt und angegriffen, in einem Fall konnte der Angriff abgewehrt werden. Ebenfalls in Eberswalde gab es einen rassistisch motivierten Angriff auf eine Frau aus Vietnam.</p><p>Neben diesen t&auml;tlichen Angriffen registrierte die Opferperspektive drei F&auml;lle von N&ouml;tigungen und Bedrohungen, beispielsweise Mitte April in Wandlitz. Am Liepnitzsee werden zwei M&auml;nner rassistisch beleidigt und bedroht, bis sie den See verlassen. Aber auch in Bernau und Eberswalde kommt es immer wieder zu rassistischen Beleidigungen und Bedrohungen. Aufgrund der Tatsache, dass es im Barnim nur sehr wenig Kontakt zu den Betroffenen gibt, geht die Opferperspektive hier davon aus, dass die Zahlen nicht das tats&auml;chliche Ausma&szlig; widerspiegeln. Aus der allgemeinen Beratungspraxis heraus l&auml;sst sich sagen, dass, wie auch in den Vorjahren, Menschen mit Fluchterfahrung die Hauptbetroffenengruppe rechter Gewalt in Brandenburg sind.</p><p>Bei rassistischen Gewaltdelikten kommen allerdings auch &Uuml;bergriffe auf Personen mit zugeschriebener oder realer Migrationsgeschichte hinzu. Sie erleben rassistische Gewalt und Anfeindungen in allen Lebensbereichen: Durch Nachbar*innen im eigenen Wohnumfeld, beim Sport, Einkaufen oder auf offener Stra&szlig;e. Verst&auml;rkt treffen die Beratenden Betroffene in einem Zustand gro&szlig;er Hoffnungslosigkeit: Der erfahrene Rassismus ist f&uuml;r die Angegriffenen so allgegenw&auml;rtig, dass die M&ouml;glichkeit eines Alltags jenseits dieser Erlebnisse v&ouml;llig unrealistisch ist. Oft wird der tats&auml;chliche k&ouml;rperliche Angriff nicht mehr als herausragendes Erlebnis wahrgenommen, sondern als ein weiterer Baustein in einer Kontinuit&auml;t der Ablehnung, die psychisch wesentlich schwerer wiegt. Wege aus dieser Situation zu finden ist nicht nur eine gro&szlig;e Herausforderung f&uuml;r die Betroffenen, die Unterst&uuml;tzenden vor Ort und die Beratenden. Sie ist vielmehr eine zentrale Problemstellung f&uuml;r die Landespolitik und die Brandenburger Gesellschaft. Hier muss der in der Landesverfassung formulierte Anspruch, als Land der &bdquo;Verbreitung rassistischen Gedankenguts&ldquo; entgegen zu treten, mit Leben gef&uuml;llt werden. Das eben dort erw&auml;hnte &bdquo;friedliche Zusammenleben der Menschen&ldquo; wird in Brandenburg durch rassistische Gewaltt&auml;terInnen Tag f&uuml;r Tag infrage gestellt.</p><p>In den allermeisten F&auml;llen f&uuml;hrt rassistische Gewalt bei Betroffenen zu einem R&uuml;ckzug aus dem &ouml;ffentlichen Raum ins Private. Die durch RassistInnen erzwungene Isolation verst&auml;rkt aber oft die psychischen Auswirkungen der Angriffe und erschwert die Verarbeitung der Gewalterfahrung, die bei Menschen mit Fluchtbiografie h&auml;ufig nicht die Erste ist. Selbst die allt&auml;glichen Dinge, wie das Einkaufen von Lebensmitteln, werden zu einer komplexen Aufgabe: Telefonketten werden gebildet, Freund*innen um Unterst&uuml;tzung gebeten, damit die Wohnung nicht mehr verlassen werden muss, Unternehmungen au&szlig;erhalb werden auf das Notwendigste beschr&auml;nkt. Dies sind die Begleitumst&auml;nde, unter denen viele Menschen mit Fluchtgeschichte versuchen m&uuml;ssen, in der Brandenburger Gesellschaft anzukommen. Eine Gesellschaft, in der sich Alteingesessene und Neuankommende auf Augenh&ouml;he begegnen k&ouml;nnen, ist nicht m&ouml;glich, solange im &ouml;ffentlichen Raum die Orte fehlen, an denen sich Gefl&uuml;chtete angstfrei bewegen k&ouml;nnen.</p><p>Die Entwicklung hinsichtlich rechter Gewalt bleibt besorgniserregend. Rassistische Gewalt ist zur Normalit&auml;t geworden. Diese hat Teile der Gesellschaft erfasst, welche zuvor durch rechte AkteurInnen nicht erreichbar waren. Eine neue Dynamik gewinnt die Situation durch die AfD, die sich mit ihrer politischen Ausrichtung in Brandenburg immer eindeutiger dem extrem rechten Spektrum zuordnen l&auml;sst und bei Wahlen als erfolgreicher Ausdruck dieser Stimmung fungiert. Die hasserf&uuml;llte Pr&auml;senz und Lautst&auml;rke, die rassistische Positionen derzeit in gesellschaftlichen Debatten haben, erwecken bei rechten Gewaltt&auml;terInnen den Eindruck, dass die Mehrheit der Gesellschaft hinter ihren Taten steht. Es besteht in dieser Situation die Gefahr, dass Rassismus und Gewalt Gegenpositionen aus den politischen Diskussionen vor Ort verdr&auml;ngen. Wenn sich rassistische Gewaltt&auml;terInnen derart als gesellschaftlich wirksam erleben, existiert die Gefahr, dass diese Erfahrung auch zuk&uuml;nftig reaktivierbar bleibt. Die Betroffenen der rechten Angriffe hingegen, f&uuml;hlen sich derzeit so bedroht und verunsichert, dass eine Teilhabe f&uuml;r sie nur stark eingeschr&auml;nkt m&ouml;glich ist. Selbst bei einem R&uuml;ckgang rechter Gewalt wird es l&auml;ngere Zeit dauern, bis das Vertrauen in Gesellschaft und Institutionen wieder ein Ma&szlig; annehmen kann, welches f&uuml;r ein unbelastetes Zusammenleben notwendig ist.</p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/pressemitteilungen_stellungnahmen/eberswalde-gedenken-an-amadeu-antonio">Amadeu Antonio: Gedenken Eberswalde</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>2015: Gefährliche Normalisierung rechter Gewalt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mo]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Mar 2016 12:01:24 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<?xml encoding="UTF-8"><p><strong>Hintergrundpapier des Vereins Opferperspektive zur Ver&ouml;ffentlichung der Angriffszahlen rechter Gewalt 2015 in Brandenburg.</strong></p><p><a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/rechte-und-rassistische-gewalt-in-brandenburg-eskaliert-203-angriffe-im-jahr-2015" aria-label="rechte und rassistische gewalt in brandenburg eskaliert 203 angriffe im jahr 2015">Zur Pressemitteilung vom 1.M&auml;rz 2016</a></p><h2>Entwicklung der Angriffszahlen</h2><p>Die Opferperspektive e.V. beobachtete bereits im Jahr 2014 einen Anstieg rechter und rassistischer Angriffe in Brandenburg, f&uuml;r das Jahr 2015 ist landesweit eine Versch&auml;rfung der rechten Gewalt auf einen alarmierenden H&ouml;chststand von 203 Angriffen zu melden. Die Beratungsstelle hat Kenntnis von 415 direkt betroffenen und 291 indirekt betroffenen Personen, im Vergleich zum Vorjahr sind damit 346 % mehr Menschen in Brandenburg bedroht oder angegriffen worden.</p><p><a href="/wp-content/uploads/2016/03/gewalttaten_ohne_logo-Seite001.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="gewalttaten ohne logo Seite001 (&ouml;ffnet in neuem Tab)"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter" src="/wp-content/uploads/2016/03/gewalttaten_ohne_logo-Seite001.jpg" alt="Angriffszahlen und direkte Betroffene - 2002 bis 2015" width="500" height="236"></a></p><p>Die Gewaltbereitschaft ist insgesamt gestiegen. 138 Taten waren rassistisch motiviert, 36 aus Hass gegen politische Gegner_innen, 9 richteten sich gegen nicht-rechte Personen, 4 der Angriffe wiesen ein sozialdarwinistisches Motiv auf, 4 waren antisemitisch motiviert. 3 Angriffe richteten sich gegen Journalist_innen.</p><p><a href="/wp-content/uploads/2016/03/grafik-tatmotive_ohne_logo-Seite001.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="grafik tatmotive ohne logo Seite001 (&ouml;ffnet in neuem Tab)"><img decoding="async" class="alignright wp-image-34857 size-medium" src="/wp-content/uploads/2016/03/grafik-tatmotive_ohne_logo-Seite001-300x167.jpg" alt="Rechte Angriffe - Tatmotive - 2015" width="300" height="167" srcset="https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2016/03/grafik-tatmotive_ohne_logo-Seite001-300x167.jpg 300w, https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2016/03/grafik-tatmotive_ohne_logo-Seite001-1024x571.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><br>
Jeweils 1 Tat erfolgten aufgrund der sexuellen Orientierung der Betroffenen oder richteten sich gegen Wohnungslose (Sozialdarvinismus).</p><p>Einfache und gef&auml;hrliche K&ouml;rperverletzungen machten zusammen mit 67,5% den h&ouml;chsten Anteil der Angriffe aus, gefolgt von N&ouml;tigungen mit 14,7%, massiver Sachbesch&auml;digung mit 9,4% und Brandstiftung mit 5%</p><p>Rechte Angriffe fanden in allen Landkreisen Brandenburgs statt, die meisten von ihnen wurden in Cottbus und im Landkreis Spree-Nei&szlig;e ver&uuml;bt. Bis zum Herbst 2015 lie&szlig;en sich keine Schwerpunktregionen identifizieren, mit dem Anstieg der rassistischen Proteste im letzten Quartal war ein deutlicher Anstieg der rechten Gewalttaten zu verzeichnen, hier insbesondere in Cottbus mit 28 Angriffen.</p><h2></h2><p>&nbsp;</p><h2>Gewalt, Diskriminierung, Unverst&auml;ndnis:</h2><h2>Brandenburg kein sicherer Ort</h2><p>F&uuml;r Gefl&uuml;chtete und Migrant_innen sind Angriffe und Bedrohungen in Brandenburg Alltag. Im Jahr 2015 sank die Hemmschwelle zur Gewalt deutlich, das Spektrum der Taten reichte von organisierten Angriffen rechter Gruppen bis zu spontanen &Uuml;bergriffen von so genannten<br>
Gelegenheitsrassist_innen, die in Bussen, Bahnen, im Supermarkt, in der Schule, auf der Stra&szlig;e, im Hausflur oder im Umfeld von Gemeinschaftsunterk&uuml;nften Gefl&uuml;chtete, Migrant_innen oder Menschen, die sie daf&uuml;r hielten, rassistisch beleidigten, bedrohten oder schlugen. Der aufgeheizte rassistische Diskurs schien sie zu best&auml;rken, ihr menschenverachtendes Weltbild mit Gewalt in die Tat umzusetzen.</p><p>Rassistische Gewalttaten sind Botschaftstaten und unterscheiden sich von anderen Taten dadurch, dass sie sich nie nur allein gegen die Betroffenen richten. So wirken rassistische Bedrohungen und Angriffe ebenso wie rassistische Kundgebungen und Proteste gegen Unterk&uuml;nfte auf alle Migrant_innen und Gefl&uuml;chtete in Brandenburg. F&uuml;r die Betroffenen verst&auml;rken sich die Angstr&auml;ume im Alltag und schr&auml;nken ihre Bewegungsfreiheit zum Teil massiv ein, insbesondere wenn eine eindeutige gesellschaftliche und politische Solidarisierung ausbleibt. In der Beratungspraxis der Opferperspektive berichten Klient_innen, dass sie ihre Wohnungen oder Unterk&uuml;nfte kaum noch zu verlassen wagen oder sich nicht mehr alleine auf die Stra&szlig;e trauen. K&ouml;rperliche Angriffe und Bedrohungen sind dabei nur die Spitze des Eisberges, sie kn&uuml;pfen zum Teil an t&auml;glich erlebte Diskriminierungen und bedrohliche Erfahrungen unterhalb der Gewaltschwelle an. Dies erzeugt in Brandenburg f&uuml;r Gefl&uuml;chtete und Migrant_innen ein Klima der Verunsicherung und Ausgrenzung.</p><h4 style="padding-left: 30px">Zum Beispiel:</h4><h4 style="padding-left: 30px">Allt&auml;gliche Gewalt in Zehdenick</h4><p style="padding-left: 30px">In einer Sammelunterkunft in der Kleinstadt Zehdenick lebt eine Gruppe eritreischer Gefl&uuml;chteter. Die gr&ouml;&szlig;tenteils jungen M&auml;nner, aber auch einige Frauen, berichten von t&auml;glichen Erfahrungen mit Rassismus und Ablehnung. Immer wieder werden sie von Autofahrer_innen abgedr&auml;ngt, wenn sie mit dem Fahrrad oder zu Fu&szlig; unterwegs sind. Passant_innen rufen ihnen Beleidigungen hinterher, im Supermarkt werden sie mit Einkaufswagen angesto&szlig;en und es wird ihnen der Zugang zur Sauna verweigert &ndash; da die anderen Kund_innen angeblich keine Schwarzen m&ouml;gen. Nach dem Umzug in eine eigene Wohnung scheint auch das Verh&auml;ltnis zu den Nachbar_innen rassistisch gepr&auml;gt: n&auml;chtliches Sturmklingeln, zerkratzte Klingelschilder und bedrohliche Blicke erzeugen ein Klima der Unsicherheit. Belastend f&uuml;r die Eritreer_innen ist besonders die Sprachbarriere, denn eine Verst&auml;ndigung mit&nbsp; Beh&ouml;rdenmitarbeiter_innen, Nachbar_innen und &Auml;rzt_innen ist schwierig. K&ouml;nnen sich &Auml;rzt_in und Patient_in nicht verst&auml;ndigen, ist oft auch der Zugang zur medizinischen Behandlungen erschwert; andere Hilfsangebote fallen g&auml;nzlich weg. Angesichts dieser t&auml;glich gemachten Erfahrungen erleben die Betroffenen auch dies als Resultat einer rassistischen Ausgrenzung. Sie finden kaum ad&auml;quate M&ouml;glichkeiten, ihre Lebenssituation, ihre Diskriminierungserlebnisse und die von ihnen erlebten Angriffe zur Sprache zu bringen und damit geh&ouml;rt zu werden. Lokale Beh&ouml;rden und gesellschaftlichen Institutionen erkl&auml;ren zwar, dass sie sich f&uuml;r ein friedliches Miteinander in der Stadt einsetzen wollen, unternehmen aber praktisch zu wenig, um das Bedrohungsgef&uuml;hl der Betroffenen aufzul&ouml;sen.</p><p>In Brandenburg ist Rassismus f&uuml;r viele Gefl&uuml;chtete und Migrant_innen inzwischen so allt&auml;glich geworden, dass sie sich erst bei massiv erlittener Gewalt an Beratungsstellen wenden. Die Berater_innen der Opferperspektive nehmen verst&auml;rkt wahr, dass Gefl&uuml;chtete auch schwerere Angriffe wie K&ouml;rperverletzungen, Bedrohungen oder N&ouml;tigungen nicht mehr zur Anzeige bringen wollen: sie sind verunsichert, bef&uuml;rchten, dass ihnen nicht geglaubt wird oder eine Anzeige negative Auswirkungen auf ihr Asylverfahren haben k&ouml;nnte, haben schlicht Angst vor der Polizei oder m&ouml;chten keine Probleme bereiten &ndash; mit dem Hintergrund, dass sie sich dankbar zeigen wollen, &uuml;berhaupt in Deutschland sein zu d&uuml;rfen. Letzteres ist in der H&auml;ufigkeit eine neue Erfahrung in der Beratungspraxis und ein zus&auml;tzlicher Grund f&uuml;r Abweichungen zwischen der polizeilichen Statistik und den Angriffszahlen von unabh&auml;ngigen Beratungsstellen.</p><p>&nbsp;</p><h2>Fehlende Konsequenzen normalisieren rechte Gewalt</h2><p>Jeden zweiten Tag wurde im Jahr 2015 statistisch gesehen in Brandenburg ein rechte Gewalttat ver&uuml;bt, ein Mensch verletzt, angegriffen oder bedroht. Dennoch blieben notwendige politische und zivilgesellschaftliche Reaktionen und Interventionen h&auml;ufig aus, Solidarit&auml;t und Empathie mit den Betroffenen und das Ernstnehmen ihrer &Auml;ngste schien sich eher zu verringern. Die Qualit&auml;t und die<br>
Quantit&auml;t der Angriffe stiegen im Jahresverlauf, gleichzeitig war zu beobachten, dass Meldungen zu rassistischen Ausschreitungen und rechten Angriffe zunehmend zu Randnotizen verkamen, mitunter auch verharmlost wurden. Bundesweit warnten Sicherheitsbeh&ouml;rden und Politik bereits vor rechtem Terror. Es gelang ihnen in der Konsequenz jedoch nicht, ausreichend f&uuml;r den Schutz von Gefl&uuml;chteten zu sorgen. D&uuml;rftige Ermittlungserfolge bei rassistischen &Uuml;bergriffen oder bei Anschl&auml;gen wie in Nauen, Neuhardenberg oder J&uuml;terbog schaffen ein wenig abschreckendes Klima f&uuml;r die Gewaltt&auml;ter_innen. Auch die Verz&ouml;gerung vieler Strafprozesse gegen rechte T&auml;ter_innen k&ouml;nnte den Eindruck von Straffreiheit best&auml;rken.<br>
Ist die Unterbringung von Gefl&uuml;chteten nicht ad&auml;quat geregelt, steigert sich ihre ohnehin schon gr&ouml;&szlig;ere Verletzlichkeit. Viele Unterk&uuml;nfte liegen fernab von jeglicher Infrastrukur und Anbindung an die n&auml;chste Siedlung, nachbarschaftlicher Kontakt und gesellschaftliche Integration ist so wenig m&ouml;glich. Dar&uuml;ber hinaus verf&uuml;gen Beh&ouml;rden in einigen F&auml;llen anscheinend nicht &uuml;ber ausreichende Kapazit&auml;ten, um ihre Aufsichtspflicht zu erf&uuml;llen: Bei Problemen mit Heimbetreibern, mit Personal und Wachschutz oder bei der Einhaltung der ohnehin schon abgesenkten Mindeststandards erfolgt<br>
Abhilfe mitunter nur sehr schleppend. Ein ausreichender Schutz der Gefl&uuml;chteten kann so oft nicht gew&auml;hrleistet werden.</p><h4 style="padding-left: 30px">Zum Beispiel:</h4><h4 style="padding-left: 30px">Pfefferspray-Attacke in Massow</h4><p style="padding-left: 30px">Einer der schwerwiegendsten rassistischen Angriffe des letzten Jahres ereignet sich in der Gefl&uuml;chtetenunterkunft in Massow im Landkreis Dahme-Spreewald. Am ersten September dringt ein Mitarbeiter einer Baufirma, der auf dem Gel&auml;nde der Unterkunft im Auftrag der Betreiberfirma Campanet arbeitet, ausger&uuml;stet mit zwei &bdquo;Pfefferl&ouml;schern&ldquo; und einer Atemschutzmaske in das Geb&auml;ude ein und greift gezielt Bewohner_innen mit Pfefferspray an. Nach Informationen von Unterst&uuml;tzer_innen und Bewohner_innen geht die Opferperspektive von &uuml;ber 80 Betroffenen und Verletzten aus.<br>
Der T&auml;ter macht im Vorfeld aus seiner rassistischen Gesinnung keinen Hehl, bekennt sich in sozialen Netzwerken zu Pegida und zu lokalen rechten Bewegungen. Bewohner_innen berichten von antiziganistischen Beleidigungen und dem Zeigen des Hitlergru&szlig;es seitens des T&auml;ters, gegen den ein Verfahren nach &sect; 86a (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) anh&auml;ngig ist.<br>
Unmittelbar nach dem Angriff lassen offizielle Stellen und ranghohe Politiker &ouml;ffentlich verlauten, dass ein &bdquo;fremdenfeindlicher&ldquo; Hintergrund der Tat ausgeschlossen werden k&ouml;nne und melden ca. 35 verletzte Personen. Wahlweise Alkohol oder Drogen werden zur Erkl&auml;rung des Angriffs bem&uuml;ht. Noch Monate sp&auml;ter leiden Betroffene an gesundheitlichen Folgen der Pfefferspray-Attacke wie Schmerzen im Hals- und Brustbereich und Atemnot. Ihre medizinische Versorgung ist jedoch nicht gew&auml;hrleistet, Behandlungen scheitern an fehlenden Dolmetscher_innen und den daraus resultierenden Verst&auml;ndigungsproblemen.<br>
Der T&auml;ter arbeitet bis zuletzt f&uuml;r die selbe Baufirma, diesmal an einer Fl&uuml;chtlingsunterkunft in J&uuml;terbog, die auch von Campanet betrieben wird und die der Landkreis im Februar 2016 nach anhaltenden Beschwerden von Bewohner_innen und Unterst&uuml;tzer_innen aufgrund des desolaten baulichen Zustandes teilr&auml;umen l&auml;&szlig;t.<br>
Eine Vielzahl der Betroffenen und Zeug_innen der Pfefferspray-Attacke ist inzwischen abgeschoben oder zur Ausreise gedr&auml;ngt worden. Zu bef&uuml;rchten ist, dass die &auml;u&szlig;erst restriktiven Asylgesetz&auml;nderungen, die pauschal Balkanstaaten zu &bdquo;sicheren Herkunftsl&auml;ndern&ldquo; erkl&auml;ren, nun daf&uuml;r sorgen, dass sich die Strafverfolgung im Fall Massow &auml;u&szlig;erst schwierig gestaltet.</p><p>Der Opferperspektive ist aus ihrer Beratungspraxis bekannt, dass Gerichtsverfahren ohne Zeugenaussagen oft eingestellt werden oder die T&auml;ter_innen einen Freispruch erhalten. Dies best&auml;rkt rassistische Gewaltt&auml;ter_innen in unertr&auml;glicher Weise. Bisher fehlt ein Bleiberecht f&uuml;r Betroffene rassistischer Gewalt als notwendige Ma&szlig;nahme und als klares politisches Signal gegen rechte Gewalt, das dar&uuml;ber hinaus auch endlich die Einhaltung bestehender Zeugen- und<br>
Opferschutzstandards f&uuml;r Gefl&uuml;chtete gew&auml;hrleistet.</p><h2></h2><p>&nbsp;</p><h2>Rassistische Proteste gegen die Aufnahme von Gefl&uuml;chteten spalten die Gesellschaft</h2><p>Mit 213 Kundgebungen sind 2015 in Brandenburg so viele rassistische Proteste registriert worden wie noch nie. Dabei versch&auml;rfte sich die rassistische Hetze stetig ebenso wie in den sozialen Medien und bei B&uuml;rgerversammlungen. Rechts-populistische und rassistische Forderungen scheinen zunehmend salonf&auml;hig geworden zu sein und flossen als Themengeber sogar in die Asylrechtsversch&auml;rfungen ein.<br>
Rassistische Proteste fanden zunehmend mehr R&uuml;ckhalt in der Bev&ouml;lkerung. Sie als Ausdruck besorgter B&uuml;rger_innen mit berechtigten &Auml;ngsten zu bezeichnen, die ernst genommen werden m&uuml;ssten, verharmlost deren Gewaltpotential. Aktivit&auml;ten von Neonazis, Rechtspopulist_innen und rassistischen B&uuml;rgerinitiativen gehen vielmehr oft Hand in Hand, ihr Hass und Drohungen richten sich nicht nur gegen Gefl&uuml;chtete, sondern gegen alle Menschen mit Migrationsgeschichte. Zeitgleich steigt auch der Bedrohungsgrad gegen Menschen, die sich in der Unterst&uuml;tzung von Gefl&uuml;chteten engagieren, gegen Journalist_innen, die von &bdquo;rechtspopulistischen&ldquo; Veranstaltungen berichten, oder gegen Politiker_innen der demokratischen Parteien an.</p><h4 style="padding-left: 30px">Zum Beispiel:</h4><h4 style="padding-left: 30px">Rassistische Eskalation in Cottbus</h4><p style="padding-left: 30px">Das Zusammenspiel zwischen rechter Gewalt und rassistischer Mobilisierung gegen Gefl&uuml;chtete l&auml;sst sich an Cottbus nachvollziehen. Die Opferperspektive registriert hier f&uuml;r das Jahr 2015 fast eine Verdreifachung der Angriffszahlen. Mehr als die H&auml;lfte ereignet sich im letzten Quartal, als &auml;u&szlig;erst aggressive Proteste gegen eine Erstaufnahmeeinrichtung beginnen und breiten Zuspruch finden. Eine Eskalation der rechten Gewalt findet am 23. Oktober 2015 statt: Nach einer Kundgebung zieht ein offensichtlich aus rechten Hooligankreisen mobilisierter Mob durch die Stadt und macht Jagd auf (vermeintliche) Ausl&auml;nder_innen. Die Gewalt m&uuml;ndet in einem koordinierten Angriff auf Studierende durch zum Teil vermummte Personen auf dem Gel&auml;nde der BTU Cottbus. Nach Kenntnis der Opferperspektive ereignen sich allein in dieser Nacht 7 Angriffe.<br>
Im Oktober und November finden in Cottbus &uuml;ber 20 rassistische Kundgebungen statt, an denen sich auch reaktivierte militante Alt-Neonazi-Strukturen und rechte und gewaltorientierte Fanstrukturen des Vereins Energie Cottbus beteiligen. Betroffene, in der Mehrzahl Gefl&uuml;chtete, berichten von einem rassistischen Ausnahmezustand in Cottbus, der sich mit Beschimpfungen, Hitlergr&uuml;&szlig;en, Flaschenw&uuml;rfen und Ausspucken l&auml;ngst zur Normalit&auml;t verfestigt hat. Internationale Studierende erz&auml;hlen, dass sie ihr Praktikumssemester nach den letzten &Uuml;bergriffen lieber in anderen St&auml;dten absolvieren oder nach dem Abschluss so schnell wie m&ouml;glich wegziehen wollen.</p><p style="padding-left: 30px">Als Folge der Gewalt polarisiert sich die Cottbuser Stadtgesellschaft. Denn parallel zu der zunehmenden Salonf&auml;higkeit der rassistischen Hetze und der rechten Gewalt bilden sich immer mehr Strukturen heraus, die sich sowohl f&uuml;r Gefl&uuml;chtete und gegen Rassismus engagieren, als auch rechten Positionen entgegenstellen.</p><p>Viele Menschen engagieren sich in Brandenburg in der Unterst&uuml;tzung von Gefl&uuml;chteten. In ihrer Praxis bilden sie einen wichtigen Gegenentwurf zu rassistisch gepr&auml;gten Debatten um Zuwanderung. Denn leider l&auml;sst sich festhalten, dass sich das gesellschaftliche Koordinatensystem 2015 deutlich nach Rechts verschoben hat. So besteht die Gefahr, dass rechte Gewaltt&auml;ter_innen und Rassist_innen ohne nennenswerte Gegenwehr im &ouml;ffentlichen Raum agieren k&ouml;nnen, falls die Gegenproteste gegen rassistische Kundgebungen und rechte Aufm&auml;rsche einbrechen sollten.</p><p>Das zu verhindern ist die Aufgabe f&uuml;r das Jahr 2016 .</p><p>Opferperspektive, 28.02.2016</p><p>&nbsp;</p><p><a href="https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2016/02/Opferperspektive_Hintergrundpapier_Jahreszahlen2015.pdf" aria-label="Opferperspektive Hintergrundpapier Jahreszahlen2015">Hintergrundpapier als pdf</a></p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/gefaehrliche-normalisierung-rechter-gewalt-alltaegliche-angriffe-fehlende-konsequenzen-gesellschaftliche-gefaehrdung">2015: Gefährliche Normalisierung rechter Gewalt</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Cottbus: Urteil gegen gewalttätigen Spremberger Rechten</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Jul 2014 12:01:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Am Mittwoch, den 2. Juli 2014 verurteilte das Amtsgericht Cottbus den in Spremberg als Neonazi bekannten Martin G. zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis. Im Jahr 2012 hatte Martin G. einem Jugendlichen mit rumänischem Migrationshintergrund bei einer Party dessen Handy gestohlen, während dieser von einem anderer Täter am Boden fixiert wurde und auf ihn [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div id="abstract">
<p><strong>Am Mittwoch, den 2. Juli 2014 verurteilte das Amtsgericht Cottbus den in Spremberg als Neonazi bekannten Martin G. zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis. Im Jahr 2012 hatte Martin G. einem Jugendlichen mit rumänischem Migrationshintergrund bei einer Party dessen Handy gestohlen, während dieser von einem anderer Täter am Boden fixiert wurde und auf ihn eingeschlagen wurde. Anfang des Jahres 2013 verpasste Martin G. einem jungen Mann aus rassistischen Motiven einen Faustschlag.</strong></p>
</div>
<p>Das Gericht verurteilte den 22-jährigen Spremberger nach dem Jugendstrafrecht zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten, im Fall eines besonders schwerer Diebstahls, aufgrund der Ausnutzung der hilflosen Lage des Betroffenen, und wegen Körperverletzung in einem Fall. Der Richter Christian Grauer bezeichnete in seiner Urteilsbegründung Martin G. »als tickende Zeitbombe«. Er ist der Meinung, es sein nur eine Frage der Zeit bis jemand anderes einen Fausthieb von ihm verpasst bekommt, nur weil die Person anders aussieht oder nicht in das Weltbild von Martin G. passt. In dem Verfahren sein deutlich geworden, dass sich Martin G. »außerhalb unserer Wertegemeinschaft« befindet.</p>
<p>Mit diesem Urteil hat das Gericht anerkannt, welche Gefahr und welches Bedrohungspotenzial von dem verurteilten Martin G. ausgeht. Der Verein Opferperspektive versteht dies als wichtiges Signal, »Rechte Gewalt darf nicht geduldet werden und muss entsprechend geahndet werden. Dabei bedarf es einer klaren Absage an die Täter und einer Unterstützung der Betroffenen.« sagt Hannes Püschel, Mitarbeiter der Opferperspektive. »Jedoch können die Spremberger Verhältnisse nicht an Einzelpersonen festgemacht werden. Es kann nicht der Justiz und der Polizei überlassen werden etwas gegen die rechte Dominanz in Spremberg zu unternehmen. Alle Institutionen und die Gesellschaft gefragt, das Klima positiv für alternative, nicht-rechte Jugendliche und Betroffene zu gestalten.« so Püschel weiter.</p>
<p>In den letzten zwei Jahren kam es in Spremberg zu zwölf rechten Angriffen, betroffen waren vor allem alternative und nicht-rechte Jugendliche. Darüber hinaus kam es zu unzähligen Bedrohungen und Einschüchterungsversuchen auch gegenüber Lokaljournalisten der Lausitzer Rundschau. Seit Jahren ist die Kleinstadt im Süden Brandenburgs ein Beratungsschwerpunkt der Opferperspektive, denn nach wie vor schränkt die rechte Szene die Bewegungsfreiheit von Jugendlichen durch Angriffe und Bedrohungen ein. Auffällig dabei ist die Brutalität mit der die Täter vorgehen und die lange auf sich wartenden Gerichtsprozesse zur Ahndung der Taten. So dauert es bis zu zwei Jahre, bis beispielsweise eine gefährliche Körperverletzung zur Verhandlung kommt oder eine brutaler Überfall auf junge Punker verhandelt wird. Unterdessen schlagen die Täter weiter und schüchtern Zeugen ein.</p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/cottbus-urteil-gegen-gewalttaetigen-spremberger-rechten">Cottbus: Urteil gegen gewalttätigen Spremberger Rechten</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Cottbus: Prozess gegen bekannten Neonazi aus Spremberg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[mo]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Jul 2014 12:22:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Beratungspraxis]]></category>
		<category><![CDATA[Gerichtsprozess]]></category>
		<category><![CDATA[Prozess]]></category>
		<category><![CDATA[Spremberg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am Mittwoch, den 2. Juli um 13.30 Uhr wird am Amtsgericht Cottbus der Prozess gegen den in Spremberg als Neonazi bekannten Martin G. fortgesetzt. G. ist angeklagt wegen der Beteiligung an einem gewalttätigen Übergriff auf einen Jugendlichen mit rumänischem Migrationshintergrund im Jahr 2012 und einem rassistisch motivierten Angriff auf einen Jugendlichen im Jahr 2013.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In Spremberg ist G. berüchtigt und gefürchtet wegen seiner brutalen, von rassistischen und rechten Motiven getragenen Angriffe v.a. auf nicht-rechte Jugendliche. Damit ist er einer der Protagonisten, die das in Spremberg herrschende Klima der Gewalt und Einschüchterung zu verantworten haben. Der erste Verhandlungstag gegen G. und zwei weitere Beschuldigte, am 19. Juni 2014, zeigte eindrücklich wie dieses Klima der Angst bis in den Gerichtssaal nach Cottbus hineinwirkt. So wurden die ZeugInnen im vornherein durch Martin G. per <span class="caps">SMS</span> bedroht keine belastenden Aussagen zu tätigen. Die Drohungen wirken auf die ZeugInnen u.a. deshalb besonders glaubhaft, weil diese alltäglich erleben, dass staatliche Institutionen ihnen keinen Schutz bieten und die Täter nur selten bestraft werden.</p>
<p>Wie das Gericht mit dieser Erkenntnis umgehen wird, ist noch offen. Neben diesen Drohungen werden die Betroffenen und ZeugInnen durch die langen Wartezeiten auf die Prozesse verunsichert und belastet. Diese erschweren die Rekonstruktion der Angriffe und die Aufklärung der Taten. Für die Betroffenen bedeutet die langen Wartezeiten, dass sie nicht mit dem Angriff abschließen können und auch nach Jahren noch unter den psychischen Folgen der Tat leiden.</p>
<p>Der Verein Opferperspektive wird das Verfahren weiter beobachten und die Betroffenen unterstützen, in der Hoffnung, dass die Justiz in Südbrandenburg endlich einen adäquaten Umgang mit neonazistischen Intensivtätern findet. Das wäre ein nötiger Schritt um die Atmosphäre der Angst und Einschüchterung in Südbrandenburg aufzubrechen. Für die Betroffenen von rechter und rassistischer Gewalt wäre es das nötige Zeichen, dass diese menschenverachtenden Gewalttaten nicht geduldet werden.</p>
<p>Prozesstermin: 2. Juli 2014, 13.30 Uhr, Amtsgericht Cottbus, Saal 30<br />
Informationen: Hannes Püschel<br />
Telefon: 0171 1935669</p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/cottbus-prozess-gegen-bekannten-neonazi-aus-spremberg">Cottbus: Prozess gegen bekannten Neonazi aus Spremberg</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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