<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>www.gegenrede.info - Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</title>
	<atom:link href="https://www.opferperspektive.de/tag/www-gegenrede-info/feed" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.opferperspektive.de</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Wed, 03 Jun 2026 17:01:11 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0</generator>
	<item>
		<title>Es gab ein Leben vor dem Tod</title>
		<link>https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/es-gab-ein-leben-vor-dem-tod</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dietmar]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 May 2009 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA[www.gegenrede.info]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://dev.opferperspektive.de/nix/es-gab-ein-leben-vor-dem-tod</guid>

					<description><![CDATA[<p>Bernd Ks. Leben verlief neben den Schlagzeilen. Erst sein Tod brachte ihn kurzzeitig in die Medien, machte ihn zum sensationsträchtigen Opfer rechter Gewalt.</p>
<p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/es-gab-ein-leben-vor-dem-tod">Es gab ein Leben vor dem Tod</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<?xml encoding="UTF-8"><p>Erst sein Tod lie&szlig; ihn obdachlos werden, machte ihn zum arbeitslosen Alkoholiker &ndash; oder prosaischer &ndash; zu einem, der am Rande der Gesellschaft lebte. Es passte so sch&ouml;n ins journalistische Weltbild: Zwei Angeh&ouml;rige der rechten Szene Templins t&ouml;ten einen Obdachlosen auf brutalste Weise. Sie haben ihn zertreten wie man Ungeziefer zertritt. W&auml;hrend des Prozesses um diesen Mord wurde viel &uuml;ber sein Sterben gesprochen aber nie &uuml;ber sein Leben.</p><p>&raquo;Hier wohnt Stippi&laquo; steht noch heute an der T&uuml;r zur ehemaligen B&ouml;ttcherwerkstatt seines Vaters, die er Mitte der 90er Jahre von den Geschwistern gekauft hatte. Hier hatte ihn am fr&uuml;hen Morgen des 22. Juli 2008 sein Kumpel Uwe L. auf der Suche nach Alkohol tot aufgefunden. Zu Tode getreten von zwei jungen M&auml;nnern. Der eine, Christian W., war bereits am Vorabend mit Bernd K. unterwegs und hatte mit ihm ein paar Bier getrunken, der andere, Sven P., stie&szlig; zuf&auml;llig hinzu.</p><p>&raquo;Dort drinnen haben wir immer Verstecken und Fangen gespielt. Und Ostereier gesucht,&laquo; erinnert sich Bernd Ks. Schwester Waltraud. Die 64-j&auml;hrige resolute kleine Frau beschreibt die Werkstatt des Vaters als einen Spielplatz seiner Kindheit. Nur wenige Schritte entfernt, an der M&uuml;hlenstra&szlig;e im Wohnhaus der Familie, h&auml;tte er eigentlich zur Welt kommen sollen, wenn w&auml;hrend der Schwangerschaft keine Komplikationen aufgetreten w&auml;ren.</p><p>&raquo;Wir Geschwister sind ja alle zu Hause geboren wurden&laquo;, erkl&auml;rt Waltraud K., &raquo;nur bei Stippi war das anders. Unsere Mutter musste ins Krankenhaus. Sie w&auml;re fast bei der Geburt gestorben.&laquo;</p><p>Am 27. Juli 1952 wurde Bernd K. geboren. Er war das achte Kind, dazu ein Nachz&uuml;gler, ein Nesth&auml;kchen, Liebling der Mutter, und der Geschwister, Stippi eben. &raquo;So hie&szlig; er von Anfang an&laquo;, best&auml;tigt die Schwester. Der Vater habe ihn nicht so gemocht, erg&auml;nzt sie: &raquo;Weil unsere Mutter ihn immer verh&auml;tschelt hat.&laquo;</p><p>Wilhelm Pieck, der Pr&auml;sident der DDR, wurde sein Pate, und der Staat schenkte ihm ein Sparbuch mit 100 Mark, die er zu seinem 18. Geburtstag abheben durfte.</p><p>&Uuml;ber die Schulzeit wei&szlig; die Schwester wenig zu berichten. Acht Jahre besuchte er die Polytechnische Oberschule in Templin. &raquo;Er h&auml;tte auch zehn geschafft. Aber er konnte die Lehrerin nicht leiden. Da ist er lieber in die Lehre.&laquo;</p><p>Er machte seinen Facharbeiter f&uuml;r Meloration. Er wurde einer, der in der Entw&auml;sserung t&auml;tig war. Ein Baggerf&uuml;hrer, und zwar ein geschickter. &raquo;Er war mit seinem Seilbagger genauso schnell wie die Kollegen mit den modernen Hydraulikger&auml;ten.&laquo; erinnert sich der Schwager. &raquo;16 Jahre hat er dort gut Arbeit gemacht.&laquo;</p><p>Bernd K. wohnte weiter im elterlichen Haus. &raquo;Er wohnte in Sperlingslust&laquo;, schmunzelt die Schwester, &raquo;Hier oben direkt unterm Dach.&laquo;</p><p>1971 musste er zum Milit&auml;rdienst. Er durfte der DDR in der N&auml;he Neubrandenburgs dienen, indem er das Rollfeld des Milit&auml;rflughafens Trollenhagen fegte. &raquo;Da habe ich ihm einmal im Monat ein P&auml;ckchen geschickt. Gut darin versteckt immer eine kleine Flasche Schnaps. Das war ja verboten.&laquo;</p><p>Nach dem Milit&auml;r besorgte er sich eine MZ. &raquo;Unsere Mutter hat ihm daf&uuml;r das Geld geliehen&laquo;, wei&szlig; die Schwester zu berichten &raquo;Aber er hat in Raten zur&uuml;ckgezahlt.&laquo; Viele Raten musste er allerdings nicht zur&uuml;ckzahlen. &Ouml;fters ging es am Wochenende nach Boitzenburg in die Diskothek, den Freund auf dem Sozius. Es wurde gefeiert, getanzt und gesoffen. &raquo;In der Woche hat er nie gesoffen, h&ouml;chstens ein Feierabendbier getrunken&laquo;, erkl&auml;rt Waltraud K. &raquo;Aber an den Wochenenden, da ging es immer rund.&laquo;</p><p>Einmal war es ein zu kurzer Schlaf in einer Scheune. Die Fahrt endete im Graben. K. blieb unverletzt, der Freund starb zwei Wochen sp&auml;ter im Krankenhaus. Bernd K. musste f&uuml;r zwei Jahre ins Gef&auml;ngnis. Der Vater verkaufte das Motorrad, ohne seinen Sohn zu fragen.</p><p>Gearbeitet hatte er in diesen zwei Jahren in der H&auml;ftlingsbrigade im Stahlwerk Riesa. Er hatte es sogar zum Brigadier gebracht. Die Truppe arbeitete gut. Ihm wurde Bew&auml;hrung angeboten. &raquo;Das wollte er nicht&laquo;, sagt die Schwester bestimmt. &raquo;Er wollte die Strafe verb&uuml;&szlig;en und danach seine Ruhe haben.&laquo;</p><p>Anfang der 80er fing er an, im Verein Tischtennis zu spielen. Er war nicht schlecht, k&auml;mpfte um die Kreismeisterschaft. Sp&auml;ter trainierte er die Jugendmannschaft. Er fotografierte gern, entwickelte die Fotos sogar selbst. Er trank aber auch weiter Alkohol.</p><p>1987 wechselte er als Kraftfahrer in das Getr&auml;nkekombinat. Er wurde Bierkutscher. Wann das Trinken in Abh&auml;ngigkeit umschlug, l&auml;sst sich heute nicht mehr kl&auml;ren. Als er 1988 einem Magendurchbruch erlitt kam er nur knapp mit dem Leben davon.</p><p>&raquo;Er hatte riesige Schmerzen, hatte ja schon Blut im Stuhl. Dann habe ich einen Arzt geholt. Der hat ihn sofort eingewiesen.&laquo; Waltraud K. erinnert sich, das sie nach der Operation von einem Arzt stark ger&uuml;ffelt wurde. &raquo;Der war richtig zornig und br&uuml;llte mich an. Warum niemand gesagt habe, dass ihr Bruder Alkoholiker sei.&laquo; Bernd K. hatte im Krankenzimmer randaliert. Die &Auml;rzte erzwangen den kalten Entzug. Niemand aus seinem Umfeld hatte das bis dahin gemerkt, dass er alkoholabh&auml;ngig war.</p><p>Bernd K. war weder n&uuml;chtern noch betrunken aggressiv. Er wird als freundlicher und lustiger Mensch geschildert, der sich zur&uuml;ckzog, wenn es Streit gab.</p><p>Ein Jahr sp&auml;ter verliebten sich Bernd K. und Carola G. ineinander. &raquo;Seine ganze Art war liebenswert und freundlich,&laquo; beschreibt die Witwe Carola K. seine Wesen. Sie zog zu ihm in die M&uuml;hlensta&szlig;e. Von Alkohol bemerkte sie nichts. &raquo;Ein Feierabendbier, mehr nicht.&laquo; Zwei T&ouml;chter, Sarah und Stella, wurden geboren. 1994 heirateten die Beiden im engsten Freundeskreis. &raquo;Seiner Familie hatten wir nichts davon gesagt&laquo;, erinnert sich die Ehefrau an den Tag der Hochzeit. &laquo;Er ging einfach hoch zu Traudi und sagte, ihr braucht keinen Kaffee zu kochen. Der Tisch ist bei uns schon gedeckt. Wir haben uns heute zusammenschreiben lassen.&laquo; Nach der Geburt der zweiten Tochter zog die Familie aus der M&uuml;hlenstra&szlig;e aus.</p><p>Die Wende brachte das Ende der Kombinate. Bernd K. wollte mehr Geld verdienen. Er fand eine Anstellung als Baumaschinist. Bis 2000 hatte er regelm&auml;&szlig;ig Arbeit. Danach war er mit kurzen Unterbrechungen st&auml;ndig arbeitslos.</p><p>&raquo;Ohne die Arbeit fing er an, mehr zu trinken. Es war ein schleichender Prozess,&laquo; erinnert sich Carola K: &raquo;Sp&auml;ter bin ich immer durch Templin gefahren und habe ihn gesucht.&laquo; Unz&auml;hlige Male hatte sie ihn betrunken aufgelesen und nach Hause gebracht. Falls die Polizei ihn nicht schon vorher gefunden hatte. Drei Mal war er in den folgenden Jahren im Entzug. &raquo;Er hat sich immer geweigert, eine Therapie zu machen&laquo;, erz&auml;hlt Carola K. &raquo;Ich lass mir doch mein Bier nicht nehmen, war dann sein Standardsatz.&laquo;</p><p>Ein Jahr vor seinem Tod l&ouml;ste er seine Lebensversicherung auf. Von dem Geld kaufte er sich eine Tischtennisplatte, Fotoapparate und zwei Fahrr&auml;der. Es wirkte wie ein Versuch, die Erinnerung an eine sch&ouml;nere Zeit wachzuhalten. Vielleicht war es auch ein Versuch, dem Leben wieder einen Sinn zu geben. Doch seine Saufkumpanen lie&szlig;en das nicht zu. Die Tischtennisplatte war sofort aus der Werkstatt verschwunden. Zwei Fotoapparate und ein Fahrrad tauchten nie wieder auf. Und das verbliebene Rad fischten die Polizisten kurze Zeit nach dem Mord aus dem Kanal.</p><p><em>Zuerst erschienen auf</em> <a href="http://www.gegenrede.info/news/2009/lesen.php?datei=090506_01" aria-label="lesen">gegenrede.info</a>!</p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/es-gab-ein-leben-vor-dem-tod">Es gab ein Leben vor dem Tod</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
