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	<title>Freispruch - Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</title>
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		<title>2015: Gefährliche Normalisierung rechter Gewalt</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Mar 2016 12:01:24 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<?xml encoding="UTF-8"><p><strong>Hintergrundpapier des Vereins Opferperspektive zur Ver&ouml;ffentlichung der Angriffszahlen rechter Gewalt 2015 in Brandenburg.</strong></p><p><a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/rechte-und-rassistische-gewalt-in-brandenburg-eskaliert-203-angriffe-im-jahr-2015" aria-label="rechte und rassistische gewalt in brandenburg eskaliert 203 angriffe im jahr 2015">Zur Pressemitteilung vom 1.M&auml;rz 2016</a></p><h2>Entwicklung der Angriffszahlen</h2><p>Die Opferperspektive e.V. beobachtete bereits im Jahr 2014 einen Anstieg rechter und rassistischer Angriffe in Brandenburg, f&uuml;r das Jahr 2015 ist landesweit eine Versch&auml;rfung der rechten Gewalt auf einen alarmierenden H&ouml;chststand von 203 Angriffen zu melden. Die Beratungsstelle hat Kenntnis von 415 direkt betroffenen und 291 indirekt betroffenen Personen, im Vergleich zum Vorjahr sind damit 346 % mehr Menschen in Brandenburg bedroht oder angegriffen worden.</p><p><a href="/wp-content/uploads/2016/03/gewalttaten_ohne_logo-Seite001.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="gewalttaten ohne logo Seite001 (&ouml;ffnet in neuem Tab)"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter" src="/wp-content/uploads/2016/03/gewalttaten_ohne_logo-Seite001.jpg" alt="Angriffszahlen und direkte Betroffene - 2002 bis 2015" width="500" height="236"></a></p><p>Die Gewaltbereitschaft ist insgesamt gestiegen. 138 Taten waren rassistisch motiviert, 36 aus Hass gegen politische Gegner_innen, 9 richteten sich gegen nicht-rechte Personen, 4 der Angriffe wiesen ein sozialdarwinistisches Motiv auf, 4 waren antisemitisch motiviert. 3 Angriffe richteten sich gegen Journalist_innen.</p><p><a href="/wp-content/uploads/2016/03/grafik-tatmotive_ohne_logo-Seite001.jpg" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="grafik tatmotive ohne logo Seite001 (&ouml;ffnet in neuem Tab)"><img decoding="async" class="alignright wp-image-34857 size-medium" src="/wp-content/uploads/2016/03/grafik-tatmotive_ohne_logo-Seite001-300x167.jpg" alt="Rechte Angriffe - Tatmotive - 2015" width="300" height="167" srcset="https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2016/03/grafik-tatmotive_ohne_logo-Seite001-300x167.jpg 300w, https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2016/03/grafik-tatmotive_ohne_logo-Seite001-1024x571.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><br>
Jeweils 1 Tat erfolgten aufgrund der sexuellen Orientierung der Betroffenen oder richteten sich gegen Wohnungslose (Sozialdarvinismus).</p><p>Einfache und gef&auml;hrliche K&ouml;rperverletzungen machten zusammen mit 67,5% den h&ouml;chsten Anteil der Angriffe aus, gefolgt von N&ouml;tigungen mit 14,7%, massiver Sachbesch&auml;digung mit 9,4% und Brandstiftung mit 5%</p><p>Rechte Angriffe fanden in allen Landkreisen Brandenburgs statt, die meisten von ihnen wurden in Cottbus und im Landkreis Spree-Nei&szlig;e ver&uuml;bt. Bis zum Herbst 2015 lie&szlig;en sich keine Schwerpunktregionen identifizieren, mit dem Anstieg der rassistischen Proteste im letzten Quartal war ein deutlicher Anstieg der rechten Gewalttaten zu verzeichnen, hier insbesondere in Cottbus mit 28 Angriffen.</p><h2></h2><p>&nbsp;</p><h2>Gewalt, Diskriminierung, Unverst&auml;ndnis:</h2><h2>Brandenburg kein sicherer Ort</h2><p>F&uuml;r Gefl&uuml;chtete und Migrant_innen sind Angriffe und Bedrohungen in Brandenburg Alltag. Im Jahr 2015 sank die Hemmschwelle zur Gewalt deutlich, das Spektrum der Taten reichte von organisierten Angriffen rechter Gruppen bis zu spontanen &Uuml;bergriffen von so genannten<br>
Gelegenheitsrassist_innen, die in Bussen, Bahnen, im Supermarkt, in der Schule, auf der Stra&szlig;e, im Hausflur oder im Umfeld von Gemeinschaftsunterk&uuml;nften Gefl&uuml;chtete, Migrant_innen oder Menschen, die sie daf&uuml;r hielten, rassistisch beleidigten, bedrohten oder schlugen. Der aufgeheizte rassistische Diskurs schien sie zu best&auml;rken, ihr menschenverachtendes Weltbild mit Gewalt in die Tat umzusetzen.</p><p>Rassistische Gewalttaten sind Botschaftstaten und unterscheiden sich von anderen Taten dadurch, dass sie sich nie nur allein gegen die Betroffenen richten. So wirken rassistische Bedrohungen und Angriffe ebenso wie rassistische Kundgebungen und Proteste gegen Unterk&uuml;nfte auf alle Migrant_innen und Gefl&uuml;chtete in Brandenburg. F&uuml;r die Betroffenen verst&auml;rken sich die Angstr&auml;ume im Alltag und schr&auml;nken ihre Bewegungsfreiheit zum Teil massiv ein, insbesondere wenn eine eindeutige gesellschaftliche und politische Solidarisierung ausbleibt. In der Beratungspraxis der Opferperspektive berichten Klient_innen, dass sie ihre Wohnungen oder Unterk&uuml;nfte kaum noch zu verlassen wagen oder sich nicht mehr alleine auf die Stra&szlig;e trauen. K&ouml;rperliche Angriffe und Bedrohungen sind dabei nur die Spitze des Eisberges, sie kn&uuml;pfen zum Teil an t&auml;glich erlebte Diskriminierungen und bedrohliche Erfahrungen unterhalb der Gewaltschwelle an. Dies erzeugt in Brandenburg f&uuml;r Gefl&uuml;chtete und Migrant_innen ein Klima der Verunsicherung und Ausgrenzung.</p><h4 style="padding-left: 30px">Zum Beispiel:</h4><h4 style="padding-left: 30px">Allt&auml;gliche Gewalt in Zehdenick</h4><p style="padding-left: 30px">In einer Sammelunterkunft in der Kleinstadt Zehdenick lebt eine Gruppe eritreischer Gefl&uuml;chteter. Die gr&ouml;&szlig;tenteils jungen M&auml;nner, aber auch einige Frauen, berichten von t&auml;glichen Erfahrungen mit Rassismus und Ablehnung. Immer wieder werden sie von Autofahrer_innen abgedr&auml;ngt, wenn sie mit dem Fahrrad oder zu Fu&szlig; unterwegs sind. Passant_innen rufen ihnen Beleidigungen hinterher, im Supermarkt werden sie mit Einkaufswagen angesto&szlig;en und es wird ihnen der Zugang zur Sauna verweigert &ndash; da die anderen Kund_innen angeblich keine Schwarzen m&ouml;gen. Nach dem Umzug in eine eigene Wohnung scheint auch das Verh&auml;ltnis zu den Nachbar_innen rassistisch gepr&auml;gt: n&auml;chtliches Sturmklingeln, zerkratzte Klingelschilder und bedrohliche Blicke erzeugen ein Klima der Unsicherheit. Belastend f&uuml;r die Eritreer_innen ist besonders die Sprachbarriere, denn eine Verst&auml;ndigung mit&nbsp; Beh&ouml;rdenmitarbeiter_innen, Nachbar_innen und &Auml;rzt_innen ist schwierig. K&ouml;nnen sich &Auml;rzt_in und Patient_in nicht verst&auml;ndigen, ist oft auch der Zugang zur medizinischen Behandlungen erschwert; andere Hilfsangebote fallen g&auml;nzlich weg. Angesichts dieser t&auml;glich gemachten Erfahrungen erleben die Betroffenen auch dies als Resultat einer rassistischen Ausgrenzung. Sie finden kaum ad&auml;quate M&ouml;glichkeiten, ihre Lebenssituation, ihre Diskriminierungserlebnisse und die von ihnen erlebten Angriffe zur Sprache zu bringen und damit geh&ouml;rt zu werden. Lokale Beh&ouml;rden und gesellschaftlichen Institutionen erkl&auml;ren zwar, dass sie sich f&uuml;r ein friedliches Miteinander in der Stadt einsetzen wollen, unternehmen aber praktisch zu wenig, um das Bedrohungsgef&uuml;hl der Betroffenen aufzul&ouml;sen.</p><p>In Brandenburg ist Rassismus f&uuml;r viele Gefl&uuml;chtete und Migrant_innen inzwischen so allt&auml;glich geworden, dass sie sich erst bei massiv erlittener Gewalt an Beratungsstellen wenden. Die Berater_innen der Opferperspektive nehmen verst&auml;rkt wahr, dass Gefl&uuml;chtete auch schwerere Angriffe wie K&ouml;rperverletzungen, Bedrohungen oder N&ouml;tigungen nicht mehr zur Anzeige bringen wollen: sie sind verunsichert, bef&uuml;rchten, dass ihnen nicht geglaubt wird oder eine Anzeige negative Auswirkungen auf ihr Asylverfahren haben k&ouml;nnte, haben schlicht Angst vor der Polizei oder m&ouml;chten keine Probleme bereiten &ndash; mit dem Hintergrund, dass sie sich dankbar zeigen wollen, &uuml;berhaupt in Deutschland sein zu d&uuml;rfen. Letzteres ist in der H&auml;ufigkeit eine neue Erfahrung in der Beratungspraxis und ein zus&auml;tzlicher Grund f&uuml;r Abweichungen zwischen der polizeilichen Statistik und den Angriffszahlen von unabh&auml;ngigen Beratungsstellen.</p><p>&nbsp;</p><h2>Fehlende Konsequenzen normalisieren rechte Gewalt</h2><p>Jeden zweiten Tag wurde im Jahr 2015 statistisch gesehen in Brandenburg ein rechte Gewalttat ver&uuml;bt, ein Mensch verletzt, angegriffen oder bedroht. Dennoch blieben notwendige politische und zivilgesellschaftliche Reaktionen und Interventionen h&auml;ufig aus, Solidarit&auml;t und Empathie mit den Betroffenen und das Ernstnehmen ihrer &Auml;ngste schien sich eher zu verringern. Die Qualit&auml;t und die<br>
Quantit&auml;t der Angriffe stiegen im Jahresverlauf, gleichzeitig war zu beobachten, dass Meldungen zu rassistischen Ausschreitungen und rechten Angriffe zunehmend zu Randnotizen verkamen, mitunter auch verharmlost wurden. Bundesweit warnten Sicherheitsbeh&ouml;rden und Politik bereits vor rechtem Terror. Es gelang ihnen in der Konsequenz jedoch nicht, ausreichend f&uuml;r den Schutz von Gefl&uuml;chteten zu sorgen. D&uuml;rftige Ermittlungserfolge bei rassistischen &Uuml;bergriffen oder bei Anschl&auml;gen wie in Nauen, Neuhardenberg oder J&uuml;terbog schaffen ein wenig abschreckendes Klima f&uuml;r die Gewaltt&auml;ter_innen. Auch die Verz&ouml;gerung vieler Strafprozesse gegen rechte T&auml;ter_innen k&ouml;nnte den Eindruck von Straffreiheit best&auml;rken.<br>
Ist die Unterbringung von Gefl&uuml;chteten nicht ad&auml;quat geregelt, steigert sich ihre ohnehin schon gr&ouml;&szlig;ere Verletzlichkeit. Viele Unterk&uuml;nfte liegen fernab von jeglicher Infrastrukur und Anbindung an die n&auml;chste Siedlung, nachbarschaftlicher Kontakt und gesellschaftliche Integration ist so wenig m&ouml;glich. Dar&uuml;ber hinaus verf&uuml;gen Beh&ouml;rden in einigen F&auml;llen anscheinend nicht &uuml;ber ausreichende Kapazit&auml;ten, um ihre Aufsichtspflicht zu erf&uuml;llen: Bei Problemen mit Heimbetreibern, mit Personal und Wachschutz oder bei der Einhaltung der ohnehin schon abgesenkten Mindeststandards erfolgt<br>
Abhilfe mitunter nur sehr schleppend. Ein ausreichender Schutz der Gefl&uuml;chteten kann so oft nicht gew&auml;hrleistet werden.</p><h4 style="padding-left: 30px">Zum Beispiel:</h4><h4 style="padding-left: 30px">Pfefferspray-Attacke in Massow</h4><p style="padding-left: 30px">Einer der schwerwiegendsten rassistischen Angriffe des letzten Jahres ereignet sich in der Gefl&uuml;chtetenunterkunft in Massow im Landkreis Dahme-Spreewald. Am ersten September dringt ein Mitarbeiter einer Baufirma, der auf dem Gel&auml;nde der Unterkunft im Auftrag der Betreiberfirma Campanet arbeitet, ausger&uuml;stet mit zwei &bdquo;Pfefferl&ouml;schern&ldquo; und einer Atemschutzmaske in das Geb&auml;ude ein und greift gezielt Bewohner_innen mit Pfefferspray an. Nach Informationen von Unterst&uuml;tzer_innen und Bewohner_innen geht die Opferperspektive von &uuml;ber 80 Betroffenen und Verletzten aus.<br>
Der T&auml;ter macht im Vorfeld aus seiner rassistischen Gesinnung keinen Hehl, bekennt sich in sozialen Netzwerken zu Pegida und zu lokalen rechten Bewegungen. Bewohner_innen berichten von antiziganistischen Beleidigungen und dem Zeigen des Hitlergru&szlig;es seitens des T&auml;ters, gegen den ein Verfahren nach &sect; 86a (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) anh&auml;ngig ist.<br>
Unmittelbar nach dem Angriff lassen offizielle Stellen und ranghohe Politiker &ouml;ffentlich verlauten, dass ein &bdquo;fremdenfeindlicher&ldquo; Hintergrund der Tat ausgeschlossen werden k&ouml;nne und melden ca. 35 verletzte Personen. Wahlweise Alkohol oder Drogen werden zur Erkl&auml;rung des Angriffs bem&uuml;ht. Noch Monate sp&auml;ter leiden Betroffene an gesundheitlichen Folgen der Pfefferspray-Attacke wie Schmerzen im Hals- und Brustbereich und Atemnot. Ihre medizinische Versorgung ist jedoch nicht gew&auml;hrleistet, Behandlungen scheitern an fehlenden Dolmetscher_innen und den daraus resultierenden Verst&auml;ndigungsproblemen.<br>
Der T&auml;ter arbeitet bis zuletzt f&uuml;r die selbe Baufirma, diesmal an einer Fl&uuml;chtlingsunterkunft in J&uuml;terbog, die auch von Campanet betrieben wird und die der Landkreis im Februar 2016 nach anhaltenden Beschwerden von Bewohner_innen und Unterst&uuml;tzer_innen aufgrund des desolaten baulichen Zustandes teilr&auml;umen l&auml;&szlig;t.<br>
Eine Vielzahl der Betroffenen und Zeug_innen der Pfefferspray-Attacke ist inzwischen abgeschoben oder zur Ausreise gedr&auml;ngt worden. Zu bef&uuml;rchten ist, dass die &auml;u&szlig;erst restriktiven Asylgesetz&auml;nderungen, die pauschal Balkanstaaten zu &bdquo;sicheren Herkunftsl&auml;ndern&ldquo; erkl&auml;ren, nun daf&uuml;r sorgen, dass sich die Strafverfolgung im Fall Massow &auml;u&szlig;erst schwierig gestaltet.</p><p>Der Opferperspektive ist aus ihrer Beratungspraxis bekannt, dass Gerichtsverfahren ohne Zeugenaussagen oft eingestellt werden oder die T&auml;ter_innen einen Freispruch erhalten. Dies best&auml;rkt rassistische Gewaltt&auml;ter_innen in unertr&auml;glicher Weise. Bisher fehlt ein Bleiberecht f&uuml;r Betroffene rassistischer Gewalt als notwendige Ma&szlig;nahme und als klares politisches Signal gegen rechte Gewalt, das dar&uuml;ber hinaus auch endlich die Einhaltung bestehender Zeugen- und<br>
Opferschutzstandards f&uuml;r Gefl&uuml;chtete gew&auml;hrleistet.</p><h2></h2><p>&nbsp;</p><h2>Rassistische Proteste gegen die Aufnahme von Gefl&uuml;chteten spalten die Gesellschaft</h2><p>Mit 213 Kundgebungen sind 2015 in Brandenburg so viele rassistische Proteste registriert worden wie noch nie. Dabei versch&auml;rfte sich die rassistische Hetze stetig ebenso wie in den sozialen Medien und bei B&uuml;rgerversammlungen. Rechts-populistische und rassistische Forderungen scheinen zunehmend salonf&auml;hig geworden zu sein und flossen als Themengeber sogar in die Asylrechtsversch&auml;rfungen ein.<br>
Rassistische Proteste fanden zunehmend mehr R&uuml;ckhalt in der Bev&ouml;lkerung. Sie als Ausdruck besorgter B&uuml;rger_innen mit berechtigten &Auml;ngsten zu bezeichnen, die ernst genommen werden m&uuml;ssten, verharmlost deren Gewaltpotential. Aktivit&auml;ten von Neonazis, Rechtspopulist_innen und rassistischen B&uuml;rgerinitiativen gehen vielmehr oft Hand in Hand, ihr Hass und Drohungen richten sich nicht nur gegen Gefl&uuml;chtete, sondern gegen alle Menschen mit Migrationsgeschichte. Zeitgleich steigt auch der Bedrohungsgrad gegen Menschen, die sich in der Unterst&uuml;tzung von Gefl&uuml;chteten engagieren, gegen Journalist_innen, die von &bdquo;rechtspopulistischen&ldquo; Veranstaltungen berichten, oder gegen Politiker_innen der demokratischen Parteien an.</p><h4 style="padding-left: 30px">Zum Beispiel:</h4><h4 style="padding-left: 30px">Rassistische Eskalation in Cottbus</h4><p style="padding-left: 30px">Das Zusammenspiel zwischen rechter Gewalt und rassistischer Mobilisierung gegen Gefl&uuml;chtete l&auml;sst sich an Cottbus nachvollziehen. Die Opferperspektive registriert hier f&uuml;r das Jahr 2015 fast eine Verdreifachung der Angriffszahlen. Mehr als die H&auml;lfte ereignet sich im letzten Quartal, als &auml;u&szlig;erst aggressive Proteste gegen eine Erstaufnahmeeinrichtung beginnen und breiten Zuspruch finden. Eine Eskalation der rechten Gewalt findet am 23. Oktober 2015 statt: Nach einer Kundgebung zieht ein offensichtlich aus rechten Hooligankreisen mobilisierter Mob durch die Stadt und macht Jagd auf (vermeintliche) Ausl&auml;nder_innen. Die Gewalt m&uuml;ndet in einem koordinierten Angriff auf Studierende durch zum Teil vermummte Personen auf dem Gel&auml;nde der BTU Cottbus. Nach Kenntnis der Opferperspektive ereignen sich allein in dieser Nacht 7 Angriffe.<br>
Im Oktober und November finden in Cottbus &uuml;ber 20 rassistische Kundgebungen statt, an denen sich auch reaktivierte militante Alt-Neonazi-Strukturen und rechte und gewaltorientierte Fanstrukturen des Vereins Energie Cottbus beteiligen. Betroffene, in der Mehrzahl Gefl&uuml;chtete, berichten von einem rassistischen Ausnahmezustand in Cottbus, der sich mit Beschimpfungen, Hitlergr&uuml;&szlig;en, Flaschenw&uuml;rfen und Ausspucken l&auml;ngst zur Normalit&auml;t verfestigt hat. Internationale Studierende erz&auml;hlen, dass sie ihr Praktikumssemester nach den letzten &Uuml;bergriffen lieber in anderen St&auml;dten absolvieren oder nach dem Abschluss so schnell wie m&ouml;glich wegziehen wollen.</p><p style="padding-left: 30px">Als Folge der Gewalt polarisiert sich die Cottbuser Stadtgesellschaft. Denn parallel zu der zunehmenden Salonf&auml;higkeit der rassistischen Hetze und der rechten Gewalt bilden sich immer mehr Strukturen heraus, die sich sowohl f&uuml;r Gefl&uuml;chtete und gegen Rassismus engagieren, als auch rechten Positionen entgegenstellen.</p><p>Viele Menschen engagieren sich in Brandenburg in der Unterst&uuml;tzung von Gefl&uuml;chteten. In ihrer Praxis bilden sie einen wichtigen Gegenentwurf zu rassistisch gepr&auml;gten Debatten um Zuwanderung. Denn leider l&auml;sst sich festhalten, dass sich das gesellschaftliche Koordinatensystem 2015 deutlich nach Rechts verschoben hat. So besteht die Gefahr, dass rechte Gewaltt&auml;ter_innen und Rassist_innen ohne nennenswerte Gegenwehr im &ouml;ffentlichen Raum agieren k&ouml;nnen, falls die Gegenproteste gegen rassistische Kundgebungen und rechte Aufm&auml;rsche einbrechen sollten.</p><p>Das zu verhindern ist die Aufgabe f&uuml;r das Jahr 2016 .</p><p>Opferperspektive, 28.02.2016</p><p>&nbsp;</p><p><a href="https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2016/02/Opferperspektive_Hintergrundpapier_Jahreszahlen2015.pdf" aria-label="Opferperspektive Hintergrundpapier Jahreszahlen2015">Hintergrundpapier als pdf</a></p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/gefaehrliche-normalisierung-rechter-gewalt-alltaegliche-angriffe-fehlende-konsequenzen-gesellschaftliche-gefaehrdung">2015: Gefährliche Normalisierung rechter Gewalt</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Freispruch bestätigt</title>
		<link>https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/freispruch-bestaetigt</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[mo]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 May 2009 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Berufungsverhandlung]]></category>
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		<category><![CDATA[Rechte]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextreme]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<?xml encoding="UTF-8"><p>Am 27. Mai 2009 best&auml;tigte das Landgericht Potsdam in einer Berufungsverhandlung den Freispruch eines Afrodeutschen aus Rathenow. Stadtbekannte Rechte hatten den jungen Mann bewusst falsch beschuldigt, einen von ihnen getreten, geschlagen und mit Pfefferspray angegriffen zu haben. Dabei war der Rathenower in der Nacht zum 8. September 2008 selbst Opfer eines rechten Angriffs geworden.Dem ersten Termin der Berufungsverhandlung bleiben die Rechten unentschuldigt fern. Am zweiten und letzten Prozesstag &auml;u&szlig;erten sie sich nur widerwillig. Einer der Rechten musste zugeben, dass sie ihre Aussagen in einer Kneipe abgesprochen hatten. Mit dem rechtskr&auml;ftigen Freispruch ist der Versuch gescheitert, den Afrodeutschen durch Falschbeschuldigungen zu belasten und dadurch eine Verurteilung zu erreichen. Die rassistische Motivation des k&ouml;rperlichen Angriffs auf den jungen Afrodeutschen und der Falschbeschuldigung fand in der Urteilsbegr&uuml;ndung keinerlei Erw&auml;hnung.</p><p><strong>Informationen</strong> Tobias Pieper<br>
<strong>Telefon</strong> 0171 1935669</p><p><strong>Siehe auch</strong></p><ul>
<li><a title="Keine Entscheidung, weil Rechtsextreme nicht vor Gericht erschienen" href="/aktuelles/keine-entscheidung-weil-rechtsextreme-nicht-vor-gericht-erschienen-2" aria-label="keine entscheidung weil rechtsextreme nicht vor gericht erschienen 2">Keine Entscheidung, weil Rechtsextreme nicht vor Gericht erschienen</a></li>
<li><a title="Verfolgt die Staatsanwaltschaft Potsdam ein Opfer anstelle von T&auml;tern?" href="/aktuelles/verfolgt-die-staatsanwaltschaft-potsdam-ein-opfer-anstelle-von-taetern" aria-label="verfolgt die staatsanwaltschaft potsdam ein opfer anstelle von taetern">Verfolgt die Staatsanwaltschaft Potsdam ein Opfer anstelle von T&auml;tern?</a>&bdquo;</li>
<li><a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/rathenow-afrodeutscher-jugendlicher-freigesprochen-rechtsextremisten-verheddern-sich-in-falschaussagen" aria-label="rathenow afrodeutscher jugendlicher freigesprochen rechtsextremisten verheddern sich in falschaussagen">Rathenow: Afrodeutscher Jugendlicher freigesprochen &ndash; Rechtsextremisten verheddern sich in Falschaussagen</a></li>
</ul><p>&nbsp;</p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/freispruch-bestaetigt">Freispruch bestätigt</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8222;Fragezeichen&#8220; &#8211; Prozess mehr als 2 1/2 Jahre nach der Tat</title>
		<link>https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/fragezeichen-prozess-mehr-als-2-12-jahre-nach-der-tat</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[mo]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Jan 2008 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA['OPP']]></category>
		<category><![CDATA[Angriff]]></category>
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		<category><![CDATA[Gerichtsverfahren]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 14.Mai 2005 überfielen etwa 20 Personen den Jugendclub »Fragezeichen« in Cottbus-Sachsendorf. Die Angreifer verletzten mehrere Besucher einer dort stattfindenden Veranstaltung und zerstörten Mobiliar und Musikinstrumente. Am 9. Januar 2008 um 9:00 wird am Landgericht Cottbus das Verfahren gegen Heiko L. und Felix W. eröffnet. Den beiden jungen Männern wird vorgeworfen, am Angriff beteiligt gewesen zu sein.</p>
<p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/fragezeichen-prozess-mehr-als-2-12-jahre-nach-der-tat">„Fragezeichen“ – Prozess mehr als 2 1/2 Jahre nach der Tat</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In dem Jugendclub sollte am 14. Mai 2005 eine Informationsveranstaltung zum Thema Rechtsextremismus mit anschließdendem Konzert stattfinden. Gegen 17 Uhr verlangten zwei bekannte Rechtsextremisten Einlass, der ihnen verwehrt wurde. Unmittelbar darauf stürmten etwa 20 zum Teil vermummte und mit Schlagstöcken bewaffnete Personen den Club. Nach wenigen Minuten flüchteten die Angreifer und hinterließen ein Bild der Verwüstung. Das zielgerichtete Handeln und die Bewaffnung der Täter sprechen für einen geplanten Überfall.</p>
<p>Die Umstände der Tatausführung und die Brutalität der Angreifer entsetzten damals nicht nur die anwesenden Besucher des Jugendclubs. Es wurde eine aus Staatsschutz und Kriminalpolizei bestehende Ermittlungsgruppe gebildet, die schon bald Tatverdächtige aus dem rechten Milieu ermittelte.</p>
<p>Erst im Januar 2007 erhob die Staatsanwaltschaft Cottbus Anklage gegen zwölf Personen, denen Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung und Nötigung vorgeworfen wird. Bis die Hauptverhandlung am Landgericht nun eröffnet wird ist ein weiteres Jahr vergangen. Statt gegen zwölf wird lediglich gegen zwei Personen der Prozess eröffnet. Beide hatten bei den polizeilichen Vernehmungen ihre Tatbeteiligung gestanden. Einem der Angeklagten wird darüber hinaus vorgeworfen, wenige Tage vor dem Überfall in einem Linienbus einen Inder rassistisch beleidigt und geschlagen zu haben. Dies ist ebenfalls Gegenstand der Verhandlung am 9. Januar.</p>
<p>Dass zwischen Tat und Prozesseröffnung mehr als zweieinhalb Jahren vergingen ist nicht nachvollziehbar. Die Betroffenen hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben, dass die Täter zu Verantwortung gezogen werden. Ob sich nach so langer Zeit das Tatgeschehen zufriedenstellend rekonstruieren lässt, ist fraglich. Dennoch ist es wichtig, dass eine solche Tat nicht ohne Konsequenzen bleibt. Das würde ein falsches Signal sowohl an die Täter als auch an die Geschädigten senden. Wir hoffen daher, dass sich alle am Überfall Beteiligten noch vor Gericht verantworten müssen, nicht nur Heiko L. und Felix W., gegen die am 09. Januar 2008 verhandelt wird.</p>
<p><strong>Informationen</strong> Gesa Köbberling, Opferperspektive</p>
<p><strong>Telefon</strong> 0151 59100085</p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/fragezeichen-prozess-mehr-als-2-12-jahre-nach-der-tat">„Fragezeichen“ – Prozess mehr als 2 1/2 Jahre nach der Tat</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>&#034;Fragezeichen&#034; &#8211; Prozess mehr als 2 1/2 Jahre nach der Tat</title>
		<link>https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/fragezeichen-prozess-mehr-als-2-12-jahre-nach-der-tat-2</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[mo]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Jan 2008 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA['OPP']]></category>
		<category><![CDATA[Angriff]]></category>
		<category><![CDATA[Fallbericht]]></category>
		<category><![CDATA[Fragezeichen]]></category>
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		<category><![CDATA[Gerichtsverfahren]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 14.Mai 2005 überfielen etwa 20 Personen den Jugendclub »Fragezeichen« in Cottbus-Sachsendorf. Die Angreifer verletzten mehrere Besucher einer dort stattfindenden Veranstaltung und zerstörten Mobiliar und Musikinstrumente. Am 9. Januar 2008 um 9:00 wird am Landgericht Cottbus das Verfahren gegen Heiko L. und Felix W. eröffnet. Den beiden jungen Männern wird vorgeworfen, am Angriff beteiligt gewesen zu sein.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In dem Jugendclub sollte am 14. Mai 2005 eine Informationsveranstaltung zum Thema Rechtsextremismus mit anschließdendem Konzert stattfinden. Gegen 17 Uhr verlangten zwei bekannte Rechtsextremisten Einlass, der ihnen verwehrt wurde. Unmittelbar darauf stürmten etwa 20 zum Teil vermummte und mit Schlagstöcken bewaffnete Personen den Club. Nach wenigen Minuten flüchteten die Angreifer und hinterließen ein Bild der Verwüstung. Das zielgerichtete Handeln und die Bewaffnung der Täter sprechen für einen geplanten Überfall.<br />
Die Umstände der Tatausführung und die Brutalität der Angreifer entsetzten damals nicht nur die anwesenden Besucher des Jugendclubs. Es wurde eine aus Staatsschutz und Kriminalpolizei bestehende Ermittlungsgruppe gebildet, die schon bald Tatverdächtige aus dem rechten Milieu ermittelte.<br />
Erst im Januar 2007 erhob die Staatsanwaltschaft Cottbus Anklage gegen zwölf Personen, denen Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung und Nötigung vorgeworfen wird. Bis die Hauptverhandlung am Landgericht nun eröffnet wird ist ein weiteres Jahr vergangen. Statt gegen zwölf wird lediglich gegen zwei Personen der Prozess eröffnet. Beide hatten bei den polizeilichen Vernehmungen ihre Tatbeteiligung gestanden. Einem der Angeklagten wird darüber hinaus vorgeworfen, wenige Tage vor dem Überfall in einem Linienbus einen Inder rassistisch beleidigt und geschlagen zu haben. Dies ist ebenfalls Gegenstand der Verhandlung am 9. Januar.<br />
Dass zwischen Tat und Prozesseröffnung mehr als zweieinhalb Jahren vergingen ist nicht nachvollziehbar. Die Betroffenen hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben, dass die Täter zu Verantwortung gezogen werden. Ob sich nach so langer Zeit das Tatgeschehen zufriedenstellend rekonstruieren lässt, ist fraglich. Dennoch ist es wichtig, dass eine solche Tat nicht ohne Konsequenzen bleibt. Das würde ein falsches Signal sowohl an die Täter als auch an die Geschädigten senden. Wir hoffen daher, dass sich alle am Überfall Beteiligten noch vor Gericht verantworten müssen, nicht nur Heiko L. und Felix W., gegen die am 09. Januar 2008 verhandelt wird.<br />
<strong>Informationen</strong> Gesa Köbberling, Opferperspektive<br />
<strong>Telefon</strong> 0151 59100085</p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/fragezeichen-prozess-mehr-als-2-12-jahre-nach-der-tat-2">"Fragezeichen" – Prozess mehr als 2 1/2 Jahre nach der Tat</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Neonazi freigesprochen</title>
		<link>https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/neonazi-freigesprochen</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dietmar]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Sep 2005 22:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Freispruch]]></category>
		<category><![CDATA[Gerichtsverfahren]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Überfall in Rathenow ungesühnt</p>
<p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/neonazi-freigesprochen">Neonazi freigesprochen</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Amtsgericht Rathenow hat am 20. September den 25-jährigen Neonazi Mathias M. vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, in der Nacht zum 23. August 2004 zusammen mit drei nicht ermittelten Tätern vermummt und mit Totschlägern bewaffnet eine Gruppe Linker in einem Auto überfallen und einen der Insassen schwer zusammengeschlagen zu haben.</p>
<p>Nach der fast fünfstündigen Beweisaufnahme stand für die Staatsanwaltschaft und für die Nebenklage fest: Mathias M. ist als Täter identifiziert, er war am Überfall beteiligt. Das legte nicht nur seine Gesinnung nahe &#8211; bei einer Hausdurchsuchung waren Kleidungsstücke mit der Aufschrift »B &amp; H« (für die verbotene Neonazi-Gruppierung »Blood and Honour«) und ein Gummiknüppel gefunden worden, M.’s Teilnahme an Nazi-Demonstrationen war in Fotos festgehalten worden &#8212; M. selbst gab zu, dass er mit seinem Wagen, einem dunklen VW-Kombi, in jener Nacht durch Rathenow fuhr. Allerdings will er, wie er in seiner Einlassung angab, nicht in der Nähe des Angriffs auf den Wagen des Antifaschisten Florian E. gewesen sein; er selbst sei von Unbekannten verfolgt worden. Eine Behauptung, die durch keine weiteren Beweise untermauert wurde und nach Ansicht von Staatsanwaltschaft und Nebenklage eine Schutzbehauptung darstellte.</p>
<p>Fest steht also, dass er den Wagen fuhr, den zwei Zeugen, die beim Überfall verletzt wurden, eindeutig am Kennzeichen identifizieren konnten. Außerdem hatte Florian E. ihn direkt identifiziert, als M., mit einem Teleskopschlagstock bewaffnet, bis auf Armlänge an Florian herangestürmt kam. Durch die Löcher der Hassmaske konnte Florian Augen und Mundpartie von M. wiedererkennen, den er vom Sehen kannte. Wenige Tage später lief M. während eines Fußballspiels dicht an Florian vorbei.</p>
<p>Richter Ligier sah die Sache anders, selbst die Wiedererkennung des Kennzeichens zog er in Zweifel. Das Erinnerungsvermögen der Zeugen sei getrübt, ihre Wahrnehmung sei gestört gewesen. Der Richter zog als Begründung einige Widersprüche und Erinnerungslücken der Zeugen heran, die nach Auffassung der Nebenklage jedoch aufklärt wurden. Björn S., der als einziger im Wagen blieb und, während die anderen flüchteten, von mehreren Vermummten mit Metallschlagstöcken gegen Kopf und Oberkörper geschlagen wurde, stand unter Schock, als die Polizei ihn in derselben Nacht vernahm. Bei der polizeilichen Vernehmung hatte er sich zusammengereimt, dass Florians Auto von einem vor ihnen fahrenden PKW ausgebremst worden sei, vor Gericht war er sich sicher, dass ein Wagen hinter ihnen Lichthupe gegeben hätte, so dass Florian dachte, an seinem Wagen sei etwas nicht in Ordnung, und arglos ausstieg, um nachzusehen. Der plötzliche Überfall der bewaffneten Vermummten löste bei Florian eine Schrecksekunde aus, die ihn erstarren ließ, bei Björn einen Tunnelblick, er achtete nur auf die Waffen und das Kennzeichen, alles andere war nebensächlich. Warum die eindeutige Identifikation des Autokennzeichens durch die Konzentration aufs Wesentliche beeinträchtigt gewesen sei, das wird das Geheimnis des Richters bleiben.</p>
<p>Der Fall zeige, so die Auffassung der Nebenklage-Vertreterin Antje Klamann, wie die Justiz mit zweierlei Maß messe: während die Staatsanwaltschaft Potsdam gegen fünf Antifaschisten wegen versuchten Mordes ermittelt, weil ein Teleskopschlagstock gegen einen Neonazi eingesetzt worden sei, ermittelte dieselbe Staatsanwaltschaft im Fall des Angriffs in Rathenow nur wegen gefährlicher Körperverletzung und versäumte selbst, die Blutspuren an bei der Hausdurchsuchung gefundenen Kleidungsstücken von M. mit denen des Opfers vergleichen zu lassen.</p>
<p>Es bleibt abzuwarten, ob die Staatsanwaltschaft gegen das Urteil Berufung einlegt und die Sache vors Landgericht in Potsdam kommt. Wenn nicht, und das sei hier angekündigt, wird die Nebenklage Revision einlegen, wofür die Nebenkläger Geld brauchen. Denn eins ist sicher: das Urteil ist inakzeptabel, es ist inakzeptabel, dass Neonazis, die solcherart organisierte und bewaffnete Überfälle in ihrem Repertoire haben, weiterhin frei herumlaufen.</p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/neonazi-freigesprochen">Neonazi freigesprochen</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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