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	<title>Artikel &amp; Interviews - Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</title>
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	<description></description>
	<lastBuildDate>Thu, 24 Sep 2026 15:00:02 +0000</lastBuildDate>
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	<item>
		<title>Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt &#8211; Solidarität verteidigen</title>
		<link>https://www.opferperspektive.de/materialien/pressemitteilungen_stellungnahmen/nach-der-landtagswahl-in-sachsen-anhalt</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robin Herz]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Sep 2026 14:57:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Pressemitteilungen­­­ &­­ Stellungnahmen]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<?xml encoding="UTF-8"><p class="wp-block-paragraph">Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik hat eine rechtsextreme Partei eine Landtagswahl gewonnen und k&ouml;nnte nun die Landesregierung in Sachsen-Anhalt stellen. Das Wahlergebnis ist eine historische Z&auml;sur und eine Belastungsprobe f&uuml;r die Demokratie nicht nur in Sachsen-Anhalt.</p><p class="wp-block-paragraph">Wir stehen solidarisch an der Seite der Menschen und Initiativen, die sich in den vergangenen Wochen und Monaten mit aller Kraft f&uuml;r Demokratie und Menschenrechte und gegen Rassismus und rechte Hetze eingesetzt haben.</p><p class="wp-block-paragraph">Hier findet ihr die Stellungnahme der der gemeinsamen Pressekonferenz von <a href="https://www.miteinander-ev.de" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Miteinander e.V.</a>, der <a href="https://ev-akademie-wittenberg.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Evangelischen Akademie</a> und dem <a href="https://www.fluechtlingsrat-lsa.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Fl&uuml;chtlingsrat</a> Sachsen-Anhalt.</p><p class="wp-block-paragraph">Unter dem Titel <a href="https://www.miteinander-ev.de/wp-content/uploads/2026/09/The-Days-After_Empfehlungen-fuer-die-Zivilgesellschaft.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="The Days After Empfehlungen fuer die Zivilgesellschaft (&ouml;ffnet in neuem Tab)">&bdquo;The Day after &ndash; Strategien f&uuml;r die Zivilgesellschaft nach dem Wahlsieg der AfD&ldquo;</a> haben diese Institutionen zudem ein wegweisenden Strategiepapier f&uuml;r die demokratische Zivilgesellschaft ver&ouml;ffentlicht.</p><p class="wp-block-paragraph"></p><h3 class="wp-block-heading">Beratung f&uuml;r Betroffene in Sachsen-Anhalt bedroht</h3><p class="wp-block-paragraph">Viele Menschen in Sachsen-Anhalt machen sich Sorgen und f&uuml;rchten um ihre Sicherheit. Menschen mit Migrationsgeschichte und Gefl&uuml;chtete, queere Menschen, Menschen mit Behinderungen und zivilgesellschaftlich Engagierte werden im Regierungsprogramm der AfD als politische Gegner*innen markiert. Zudem sind Anh&auml;nger*innen und Funktion&auml;r*innen der AfD durch gewaltt&auml;tige &Uuml;bergriffe aufgefallen.</p><p class="wp-block-paragraph">Das Ausma&szlig; rechter Bedrohungen und Angriffe in Sachsen-Anhalt erreicht schon jetzt H&ouml;chstwerte. Es steht zu bef&uuml;rchten, dass rechte Gewalt im Nachgang der Wahl weiter zunehmen k&ouml;nnte.</p><p class="wp-block-paragraph">Im Falle einer AfD-Landesregierung droht der Mobilen Opferberatung (MOB), die in Sachsen-Anhalt Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt unterst&uuml;tzt, der Wegfall s&auml;mtlicher Landesfinanzierung.</p><p class="wp-block-paragraph">Damit die MOB auch in Zukunft an der Seite von Betroffenen stehen kann, ist die Beratungsstelle jetzt auf eure Unterst&uuml;tzung angewiesen! Bitte unterst&uuml;tzt die Mobile Opferberatung mit eurer Spende!</p><div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-medium"><img decoding="async" width="300" height="163" src="https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2026/09/MOB_Spendenkampagne_KeyVisual-300x163.png" alt="Schmuckbild" class="wp-image-53805" srcset="https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2026/09/MOB_Spendenkampagne_KeyVisual-300x163.png 300w, https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2026/09/MOB_Spendenkampagne_KeyVisual-1024x556.png 1024w, https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2026/09/MOB_Spendenkampagne_KeyVisual-768x417.png 768w, https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2026/09/MOB_Spendenkampagne_KeyVisual-1536x835.png 1536w, https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2026/09/MOB_Spendenkampagne_KeyVisual-2048x1113.png 2048w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
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</div><p class="wp-block-paragraph"></p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/pressemitteilungen_stellungnahmen/nach-der-landtagswahl-in-sachsen-anhalt">Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt – Solidarität verteidigen</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8222;Ich blicke immer voller Hoffnung in die Zukunft&#8220; &#8211; Interview with Negus Martin</title>
		<link>https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/interview-negus-martin_de</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robin Herz]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 11:29:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Mahlow]]></category>
		<category><![CDATA[Noël Martin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Opferperspektive: Was hat Dich motiviert, an der Gedenkkundgebung anl&#228;sslich des 30. Jahrestags des Angriffs auf Deinen Vater teilzunehmen und wie haben Du und Deine S&#246;hne diese erlebt? Negus Martin: Meine Motivation war vor allem, als Teil der No&#235;l-Martin-Stiftung dabei zu sein, um das Andenken an meinen Vater lebendig zu halten und meinen Kindern die Erinnerung [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<?xml encoding="UTF-8"><p class="has-text-color has-link-color wp-elements-10 wp-block-paragraph" style="color:#726e97"><strong>Opferperspektive: Was hat Dich motiviert, an der Gedenkkundgebung anl&auml;sslich des 30. Jahrestags des Angriffs auf Deinen Vater teilzunehmen und wie haben Du und Deine S&ouml;hne diese erlebt?</strong></p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Negus Martin: </strong>Meine Motivation war vor allem, als Teil der No&euml;l-Martin-Stiftung dabei zu sein, um das Andenken an meinen Vater lebendig zu halten und meinen Kindern die Erinnerung an ihren Gro&szlig;vater zu vermitteln. Gleichzeitig wollte ich meine Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Stiftung zeigen und ein Zeichen gegen Rassismus setzen.<br><br>Die Kundgebung war &uuml;berw&auml;ltigend und sehr emotional f&uuml;r mich. Es war beeindruckend, die Unterst&uuml;tzung der Stadt und der Menschen zu sehen. Und, dass der B&uuml;rgermeister von Mahlow, der Ministerpr&auml;sident von Brandenburg und andere Politikerinnen erschienen waren, um ihre Unterst&uuml;tzung zu bekunden, und dabei zu helfen, die Botschaft gegen Rassismus zu verbreiten. </p><p class="has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-11 wp-block-paragraph">F&uuml;r meine S&ouml;hne war es ein pr&auml;gendes Erlebnis zu sehen, dass ihr Gro&szlig;vater in einer Reihe mit gro&szlig;en B&uuml;rgerrechtlerinnen wie Martin Luther King, Bob Marley, Marcus Garvey oder Rosa Parks steht &ndash; Menschen, die sich wie er f&uuml;r B&uuml;rgerrechte und Freiheit einsetzten.</p><p class="has-text-color has-link-color wp-elements-12 wp-block-paragraph" style="color:#726e97"><strong><strong>Als Dein Vater in Mahlow angegriffen wurde, warst Du etwa 17 Jahre alt. Wie hast Du das damals erlebt?</strong></strong></p><p class="wp-block-paragraph">Ich lebte damals in den USA. Ich erhielt einen Anruf, in dem mir mitgeteilt wurde, was meinem Vater zugesto&szlig;en war. Nach einiger Zeit konnte ich mit ihm sprechen &ndash; es war schockierend, ich konnte es nicht glauben. Es f&uuml;hlte sich so unwirklich an.</p><p class="wp-block-paragraph">Ich habe zu meinem Vater aufgeschaut, er war f&uuml;r mich ein sehr starker Mann &ndash; besonders wenn man sah, wie er ging. F&uuml;r mich war er wie ein K&ouml;nig, und er behandelte mich wie einen Prinzen. Als ich also von der Trag&ouml;die erfuhr, hat mich das v&ouml;llig aus der Bahn geworfen. Ich bin einfach zusammengebrochen und habe geweint.</p><p class="wp-block-paragraph">Als ich alt genug war, beschloss ich, nach England zu gehen, um ihm so gut ich konnte zu helfen und ihn zu unterst&uuml;tzen. Und das tue ich bis heute.</p><p class="has-text-color has-link-color wp-elements-13 wp-block-paragraph" style="color:#726e97"><br><strong>Was gab Deinem Vater die Kraft, nach dem Anschlag weiterzumachen?</strong></p><p class="wp-block-paragraph">Genau das habe ich auch selbst einmal gefragt. Seine St&auml;rke war unglaublich. Es gab Momente, in denen es schmerzhaft war zu sehen, wie er fast aufgab. Doch dann hat die Geburt seiner Enkelkinder seinen Entschluss ge&auml;ndert. Aber nicht nur das &ndash; es war auch sein Tatendrang, Dinge zu erreichen, alle Widrigkeiten zu &uuml;berwinden, selbst in einer Situation, in der die Leute erwarteten, dass er dazu nicht in der Lage sein w&uuml;rde.</p><p class="wp-block-paragraph">Trotz seines Rollstuhls hat er mehr erreicht als viele andere: seine Mietobjekte, sein Pferderennen, seine F&auml;higkeit, Chancen zu erkennen. Es war erstaunlich, wozu er f&auml;hig war. Sein Verstand war sehr scharf.<br>Die &Auml;rzte sagten, er w&uuml;rde nach der Verletzung nur noch 10 bis 15 Jahre leben &ndash; er lebte noch 24 Jahre. Das finde ich erstaunlich.</p><p class="has-text-color has-link-color wp-elements-14 wp-block-paragraph" style="color:#726e97"><br><strong>Wie nimmst Du Rassismus in der Gesellschaft heute wahr?</strong></p><p class="wp-block-paragraph">Rassismus ist ein tief verwurzeltes System. Rassismus hindert einen daran, einen Job zu bekommen, dort zu leben, wo man leben m&ouml;chte, eine Ausbildung zu absolvieren &ndash; es gibt viele Hindernisse, wenn es um Rassismus geht.</p><p class="wp-block-paragraph">Wof&uuml;r wir in Mahlow auf die Stra&szlig;e gegangen sind, war der Versuch, dieses System zu zerst&ouml;ren. Deshalb war es f&uuml;r mich so bewegend zu erleben, wie die Stadt zusammenkam und im Namen meines Vaters demonstrierte.</p><p class="wp-block-paragraph">Mein Vater war voller Weisheit. Einmal sagte er zu mir: &bdquo;Ziegelsteine sind auf der ganzen Welt gleich &ndash; die Konstruktion des Rassismus auch. Man muss selbst zum Architekten oder zur Architektin werden, um die gesellschaftlichen Strukturen zu ver&auml;ndern.&ldquo;</p><p class="has-text-color has-link-color wp-elements-15 wp-block-paragraph" style="color:#726e97"><br><strong>Wie blickst Du in die Zukunft?</strong></p><p class="wp-block-paragraph">Ich blicke immer voller Hoffnung in die Zukunft &ndash; das muss man auch. Denn es ist die Zukunft, in der unsere Kinder aufwachsen werden. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben. Denn wenn man die Hoffnung aufgibt, hat man nichts mehr.</p><p class="wp-block-paragraph">Meine eigene Erfahrung zeigt: Ich habe als Kind Rassismus und Ausgrenzung erlebt und dann miterlebt, wie sich die Situation f&uuml;r meine Kinder verbessert hat &ndash; Sie stehen sie nicht vor denselben Hindernissen wie ich damals. Und die Hindernisse, mit denen mein Vater zu k&auml;mpfen hatte, hatte ich nicht. Es ver&auml;ndert sich &ndash; aber nur langsam. Es ist ein langsamer Prozess, aber wir werden es schaffen.</p><p class="has-text-color has-link-color wp-elements-16 wp-block-paragraph" style="color:#726e97"><br><strong>Dein Vater hat die &bdquo;No&euml;l- und Jacqueline-Martin-Stiftung&ldquo; gegr&uuml;ndet. Sie f&ouml;rdert den Austausch zwischen jungen Menschen aus England und Deutschland. Was kannst Du uns dar&uuml;ber erz&auml;hlen?</strong></p><p class="wp-block-paragraph">Das ist eine wunderbare Initiative, denn sie gibt jungen Menschen die Chance, sich mit anderen auszutauschen, neue Menschen kennenzulernen, neue Kulturen zu entdecken und verschiedene Sprachen zu lernen. Vielfalt ist keine Schw&auml;che, sondern eine St&auml;rke.</p><p class="wp-block-paragraph">Es bedeutet mir sehr viel, das Verm&auml;chtnis meines Vaters am Leben zu erhalten. Ich bin tief ber&uuml;hrt, dass ich Teil der Stiftung sein und sie in seinem Sinne weiterf&uuml;hren darf.</p><p class="has-text-color has-link-color wp-elements-17 wp-block-paragraph" style="color:#726e97"><br><strong>Welche Erlebnisse von Deinem Besuch in Deutschland werden Dir in Erinnerung bleiben?</strong></p><p class="wp-block-paragraph">Als ich dieses Jahr in Mahlow ankam, fuhr ich mit dem Zug vom Flughafen hierher und unterhielt mich mit jemandem. Ich schaute gerade auf und warf einen Blick aus dem Fenster, als wir die No&euml;l-Martin-Br&uuml;cke passierten. Mir war gar nicht bewusst gewesen, dass sie dort war. Dann sah ich das Graffiti auf dem Betonpfeiler: &bdquo;Rest in Peace No&euml;l Martin&ldquo;. Ich bekam G&auml;nsehaut. Es war nur ein kurzer Moment, aber er hat mich tief bewegt; es war ein Zeichen.</p><div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="300" height="200" src="https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2026/07/RIP-Noel-Martin-Graffiti_3-300x200.jpg" alt='Graffiti Schriftzug an einer Bahnbr&uuml;cke in Mahlow mit dem Schriftzug "RIP Noel Martin"' class="wp-image-53666" srcset="https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2026/07/RIP-Noel-Martin-Graffiti_3-300x200.jpg 300w, https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2026/07/RIP-Noel-Martin-Graffiti_3-1024x683.jpg 1024w, https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2026/07/RIP-Noel-Martin-Graffiti_3-768x512.jpg 768w, https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2026/07/RIP-Noel-Martin-Graffiti_3-1536x1024.jpg 1536w, https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2026/07/RIP-Noel-Martin-Graffiti_3-2048x1366.jpg 2048w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div><p class="wp-block-paragraph">Ich habe so viele Erinnerungen &ndash; dies war mein dritter Besuch in Deutschland. Das erste Mal war 2007. Es war &uuml;berw&auml;ltigend, ich wurde so herzlich empfangen, dass ich noch heute davon erz&auml;hle. Ich habe viele gro&szlig;artige Menschen kennengelernt, mit denen ich bis heute in Kontakt stehe. Menschen, die weiterhin f&uuml;r Gerechtigkeit k&auml;mpfen. Das ist sch&ouml;n zu sehen.<br>Mein zweiter Besuch war 2021, nach der Einweihung der No&euml;l-Martin-Br&uuml;cke.<br>Was mich wirklich bewegt hat, war mitzuerleben, wie die Schule in Mahlow die Geschichte meines Vaters in ihren Lehrplan aufgenommen hat und wie die Kinder etwas &uuml;ber ihn lernen. Das zu sehen, war so bewegend.<br>Es ist wirklich beeindruckend zu sehen, dass diese Stadt Mahlow, meinen Vater nach all den Jahren nicht vergessen hat.</p><p class="has-text-color has-link-color wp-elements-18 wp-block-paragraph" style="color:#726e97"><br><strong>Gibt es noch etwas, das Du den Menschen in Mahlow oder den Leser*innen dieses Interviews sagen m&ouml;chtest?</strong></p><p class="wp-block-paragraph">Den Menschen in Mahlow und &uuml;berall sonst m&ouml;chte ich sagen: Lasst uns die Erinnerung an meinen Vater No&euml;l Martin, und an alle Opfer von Rassismus und rechtsextremer Gewalt wach halten. Wir d&uuml;rfen niemals aufgeben &ndash; der Kampf gegen Rassismus geht weiter.</p><div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div><div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div class="wp-block-group opp-info-box has-background" style="background-color:#f3ebde61"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading has-text-align-left" style="font-size:30px"><strong><strong>Mehr &uuml;ber No&euml;l Martin</strong></strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://todesopfer-rechter-gewalt-in-brandenburg.de/noel-martin/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="noel martin (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Seite Todesopfer Rechter Gewalt in Brandenburg</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://staging.opferperspektive.de/materialien/audio_video/podcast-brandenburger-baseballschlaegerjahre-4" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="podcast brandenburger baseballschlaegerjahre 4 (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Podcast &bdquo;Brandenburger Baseballschl&auml;gerjahre&ldquo; &uuml;ber No&euml;l Martin</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.noel-martin.de/de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="de (&ouml;ffnet in neuem Tab)">No&euml;l- und Jacqueline-Martin-Stiftung</a></p>
</div></div>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow"></div>
</div><p class="wp-block-paragraph"></p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/interview-negus-martin_de">„Ich blicke immer voller Hoffnung in die Zukunft“ – Interview with Negus Martin</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8222;I always look to the future with hope&#8220; &#8211; Interview with Negus Martin</title>
		<link>https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/interview-negus-martin</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robin Herz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 11:24:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[English]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Mahlow]]></category>
		<category><![CDATA[Noël Martin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Opferperspektive: What motivated you to take part in the memorial rally on the occasion of the 30th anniversary of the attack and how did you and your sons experience it? Negus Martin: My motivation was, first of all, being part of the Noël Martin Foundation — to keep my father&#8217;s memory alive, and to show [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="has-text-color has-link-color wp-elements-27 wp-block-paragraph" style="color:#726e97"><strong>Opferperspektive: What motivated you to take part in the memorial rally on the occasion of the 30th anniversary of the attack and how did you and your sons experience it?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Negus Martin: </strong>My motivation was, first of all, being part of the Noël Martin Foundation — to keep my father&#8217;s memory alive, and to show my children the memory of their grandfather. It was also about showing support for the foundation and speaking out against racism.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The walk itself was overwhelming — very emotional for me. It was also amazing to see the support from the town and the people, with the mayor and the Minister-President of Brandenburg and other politicians coming out to show support, bear witness, and help get the word out.</p>



<p class="has-text-color has-link-color wp-elements-28 wp-block-paragraph" style="color:#726e97">My sons found it remarkable to see that their grandfather stands as a civil rights leader in the tradition of people like Martin Luther King, Bob Marley, Marcus Garvey, Rosa Parks — people who stood up for civil rights and freedom. It was very powerful for them to see that, and to know where it comes from.<br><br><strong><strong>When your father was attacked in Mahlow, you were about 17 years old. How did you experience what happened?</strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">I was living in America at the time. I got the phone call about what happened to my father. And after a while I was able to talk to him — it was shocking, I couldn&#8217;t believe it. It felt so surreal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">I looked up to my father, as a very strong man, especially when he was walking — he was like a king to me, and he treated me like a prince. So when I heard about the tragedy, it just broke me apart. I just fell to pieces and cried.</p>



<p class="wp-block-paragraph">When I was old enough, I said I&#8217;m coming to England to help and support him in the best way I could. And I&#8217;m doing that to this day.</p>



<p class="has-text-color has-link-color wp-elements-29 wp-block-paragraph" style="color:#726e97"><br><strong>What gave your father the strength to carry on after the attack?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">You know what, I asked him that same question myself. His strength was amazing. There was a point where it was sad to see that he was about to give up. But then the birth of his grandchildren changed his mind. But not just that alone, though — it was also his drive to accomplish things, to overcome the odds, even in a situation where people expected he wouldn&#8217;t be able to do this.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In his wheelchair, he accomplished more than many able-bodied people ever could — his rental properties, his horse racing, his ability to see opportunities. It was amazing what he was capable of. His mind was very sharp.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The doctors said he&#8217;d only live 10 or 15 years after the injury, and he lived on for 24 years. I see that as amazing.</p>



<p class="has-text-color has-link-color wp-elements-30 wp-block-paragraph" style="color:#726e97"><br><strong>How do you perceive racism in society today?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Racism is a system put in place. Racism stops you from getting a job, it stops you from living where you want to live, from getting an education — there are a lot of roadblocks when it comes to racism. What we did in Mahlow was to try to tear those systems down. That&#8217;s why it was so powerful for me to witness the town coming together and marching in my father’s name.</p>



<p class="wp-block-paragraph">My father was full of wisdom. In one of our conversations he once said to me: „Bricks in the world are the same – the construct of racism is the same. And one must become an engineer or an architect to change the social engineering.”</p>



<p class="has-text-color has-link-color wp-elements-31 wp-block-paragraph" style="color:#726e97"><br><strong>How do you look into the future?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">I always look to the future with hope — you have to, because this is the future your children have to grow up in. You can&#8217;t give up on hope — if you give up on hope, you have nothing left.</p>



<p class="wp-block-paragraph">From my own experience — seeing racism and exclusion as a child, and then seeing things change in society for my children — they don&#8217;t face the same roadblocks I had. And the roadblocks my father had, I didn&#8217;t have. It is changing – but it is slow. It&#8217;s a slow process, but we&#8217;ll get there.</p>



<p class="has-text-color has-link-color wp-elements-32 wp-block-paragraph" style="color:#726e97"><br><strong>Your father founded the “Noël and Jacqueline Martin Foundation.” It promotes exchanges between young people from England and Germany. What can you tell us about it?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">It&#8217;s a beautiful thing, because it gives young people the chance to integrate with others — meeting new people, new cultures, learning different languages. Difference is not a weakness, it&#8217;s a strength.</p>



<p class="wp-block-paragraph">It means a lot to me to keep my father&#8217;s legacy alive — I&#8217;m overwhelmed that they made me part of this charity, to carry it forward and to honor him.</p>



<p class="has-text-color has-link-color wp-elements-33 wp-block-paragraph" style="color:#726e97"><br><strong>What experiences of your visit to Germany will you keep in your memory?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">When I arrived in Mahlow this year, I came by train from the airport, talking with someone. I just looked up and glanced out the window when we passed the Noël Martin Bridge. I hadn&#8217;t even realized it was there. Then I saw the graffiti on the concrete pillar: ‘Rest in Peace Noël Martin’. It gave me goosebumps. It was just a brief moment, but it moved me deeply; it was a sign.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-medium"><img decoding="async" width="300" height="200" src="https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2026/07/RIP-Noel-Martin-Graffiti_3-300x200.jpg" alt="Graffiti Schriftzug an einer Bahnbrücke in Mahlow mit dem Schriftzug &quot;RIP Noel Martin&quot;" class="wp-image-53666" srcset="https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2026/07/RIP-Noel-Martin-Graffiti_3-300x200.jpg 300w, https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2026/07/RIP-Noel-Martin-Graffiti_3-1024x683.jpg 1024w, https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2026/07/RIP-Noel-Martin-Graffiti_3-768x512.jpg 768w, https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2026/07/RIP-Noel-Martin-Graffiti_3-1536x1024.jpg 1536w, https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2026/07/RIP-Noel-Martin-Graffiti_3-2048x1366.jpg 2048w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">I have so many memories — this is my third trip to Germany. The first time was in 2007. It was overwhelming, I was so well received — I still tell people about it to this day. I met a lot of great people who I&#8217;m still in touch with — people who are still fighting on. It&#8217;s good to see.</p>



<p class="wp-block-paragraph">The second time was around 2021, after a bridge in Mahlow was named after my father — the Noël Martin Bridge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">What really moved me was learning how the school in Mahlow has integrated my father&#8217;s story into their curriculum, how the children learn about him. That was so touching to see.<br>It&#8217;s been really powerful to see that this town, Mahlow, has kept my father in their memory after all these years. It&#8217;s powerful to know that this town won&#8217;t forget.</p>



<p class="has-text-color has-link-color wp-elements-34 wp-block-paragraph" style="color:#726e97"><br><strong>Is there anything else you&#8217;d like to say to the people of Mahlow or the readers of this interview?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">To the people of Mahlow and everywhere else, I would like to say: let&#8217;s keep the memory of my father, Noël Martin, and all the victims of racism and right-wing violence alive. We must never give up — the fight against racism continues.</p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/interview-negus-martin">„I always look to the future with hope“ – Interview with Negus Martin</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Schattenberichte Juni 2026</title>
		<link>https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/schattenberichte-juni-2026</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robin Herz]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Jun 2026 07:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Rundbrief “Schattenberichte”]]></category>
		<category><![CDATA[schattenberichte]]></category>
		<category><![CDATA[wohnen]]></category>
		<category><![CDATA[wohnumfeld]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.opferperspektive.de/?p=53514</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die neue Ausgabe unserer Schattenberichte ist da! Darin besch&#228;ftigen wir uns mit rassistischer Diskriminierung und Gewalt im Wohnumfeld. Besonders h&#228;ufig treffen die Anfeindungen Familien mit Kindern.Mit diesem Schattenbericht wollen wir den Blick auf diese Realit&#228;t lenken. Wir geben Einblicke in die Fallarbeit und zeigen, welche Ma&#223;nahmen helfen k&#246;nnen, rassistischer Diskriminierung und Gewalt im Wohnumfeld entgegenzuwirken.Au&#223;erdem [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<?xml encoding="UTF-8"><p class="wp-block-paragraph">Die neue Ausgabe unserer <a href="https://www.opferperspektive.de/schattenberichte" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="schattenberichte (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Schattenberichte</a> ist da! <br>Darin besch&auml;ftigen wir uns mit rassistischer Diskriminierung und Gewalt im Wohnumfeld. Besonders h&auml;ufig treffen die Anfeindungen Familien mit Kindern.<br>Mit diesem Schattenbericht wollen wir den Blick auf diese Realit&auml;t lenken. Wir geben Einblicke in die Fallarbeit und zeigen, welche Ma&szlig;nahmen helfen k&ouml;nnen, rassistischer Diskriminierung und Gewalt im Wohnumfeld entgegenzuwirken.<br>Au&szlig;erdem berichten wir &uuml;ber die H&auml;ufung rechter Gewalttaten in Cottbus und berichten aus der Arbeit der Opferperspektive.</p><h4 class="wp-block-heading"><strong>Die Artikel im Einzelnen:</strong></h4><ul class="wp-block-list">
<li>Kein sicheres Zuhause &ndash; Rassismus im Wohnumfeld</li>



<li>Interview: &bdquo;Wir sind immer unter Stress&ldquo;</li>



<li>Vor Ort: Potsdam, Cottbus, Brandenburg an der Havel</li>



<li>Nachruf und Kurznachrichten</li>



<li>Nachrichten aus der Antidiskriminierungsberatung</li>
</ul><p class="wp-block-paragraph"> </p><div class="wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex">
<div class="wp-block-button"><a class="wp-block-button__link wp-element-button" href="https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2026/06/Schattenberichte_Juni-2026_web.pdf" aria-label="Schattenberichte Juni 2026 web">Download (PDF)</a></div>
</div><div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div><div class="wp-block-group opp-info-box has-background" style="background-color:#f3ebde61"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h4 class="wp-block-heading has-text-align-left" style="font-size:30px"><strong><strong>Schattenberichte &ndash; Nachrichten aus der Opferperspektive</strong></strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph"><br>In unserem Rundbrief <em>Schattenberichte</em> &ndash; Nachrichten aus der Opferperspektive informieren wir zweimal pro Jahr &uuml;ber unsere Arbeit und &uuml;ber das Ausma&szlig; rechter Gewalt und rassistischer Diskriminierung in Brandenburg.<br>Spender*innen und F&ouml;rdermitglieder erhalten die <em>Schattenberichte</em> regelm&auml;&szlig;ig per Post oder per E-Mail. Wir versenden den Rundbrief au&szlig;erdem &uuml;ber unseren <a href="https://www.opferperspektive.de/ueber-uns/newsletter" target="_blank" rel="noopener noreferrer" title="" aria-label="newsletter (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Newsletter</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Alle Ausgaben der Schattenberichte</strong> gibt es hier: <a href="https://www.opferperspektive.de/schattenberichte" target="_blank" rel="noreferrer noopener" aria-label="schattenberichte (&ouml;ffnet in neuem Tab)">www.opferperspektive.de/schattenberichte</a></p>
</div></div><p class="wp-block-paragraph"></p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/schattenberichte-juni-2026">Schattenberichte Juni 2026</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>„Erinnern. Mahnen. Bilden.” – Interview mit der Gedenkinitiative Sven Beuter</title>
		<link>https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/erinnern-mahnen-bilden-interview-mit-der-gedenkinitiative-sven-beuter</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robin Herz]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Feb 2026 07:02:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[baseballschlägerjahre]]></category>
		<category><![CDATA[Todesopfer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.opferperspektive.de/?p=49761</guid>

					<description><![CDATA[<p>Am 20. Februar 1996 starb Sven Beuter in Folge eines brutalen Neonazi-Angriffs in Brandenburg an der Havel. Seit 2020 erinnert die Gedenkinitiative Sven Beuter an ihn und die Tat. Anlässlich des 30. Jahrestags haben wir Mitwirkende in der Initiative zu ihrem Engagement interviewt.</p>
<p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/erinnern-mahnen-bilden-interview-mit-der-gedenkinitiative-sven-beuter">„Erinnern. Mahnen. Bilden.” – Interview mit der Gedenkinitiative Sven Beuter</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<?xml encoding="UTF-8"><p class="wp-block-paragraph"><strong>Opferperspektive: <em>Wie lang gibt es eure Gedenkinitiative schon und wof&uuml;r setzt ihr euch ein?</em></strong></p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Gedenkinitiative:</strong>&nbsp;Wir haben uns als Initiative im Sommer 2020 gegr&uuml;ndet. Anlass war der 25. Todestag von Sven Beuter am 20.02.2021. Die meisten von uns waren aber auch schon in den Jahren zuvor in das Gedenken (organisatorisch) involviert. Zum 25. Todestag von Sven haben wir w&auml;hrend der Coronazeit mehrere Online-Veranstaltungen organisiert, eine Zeitung mit dem Titel &ldquo;Erinnern. Mahnen. Bilden.&rdquo; herausgebracht und eine gro&szlig;e Kundgebung am Todestag organisiert.</p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Opferperspektive:</strong> <em><strong>Eure Initiative organisiert anl&auml;sslich des 30. Todestags von Sven Beuter eine Gedenkdemonstration in Brandenburg/Havel. Was genau ist geplant?</strong></em></p><p class="wp-block-paragraph">Gedenkinitiative: In den vergangenen Jahren haben wir immer am Todestag von Sven Beuter eine kleinere Kundgebung in der Havelstra&szlig;e 13 in Brandenburg an der Havel organisiert, wo sich die Gedenkplatte befindet. Zum 20. und 25. Todestag hatte die Antifa-Jugend Brandenburg &uuml;berregional zu Gedenk-Demonstrationen mobilisiert. Neben der Demo 2016 organisierte die Antifa-Jugend Brandenburg damals auch mehrere Bildungsveranstaltungen. Diese Idee hatten wir 2020 &uuml;bernommen und drei Online-Veranstaltungen durchgef&uuml;hrt sowie die Zeitung &ldquo;Erinnern. Mahnen. Bilden.&rdquo; in einer Auflage von 10.000 St&uuml;ck in der Stadt verteilt.<br>Dieses Jahr organisieren wir als Initiative das erste Mal die gro&szlig;e Demonstration alleine und dazu haben wir das Konzept mit den begleitenden Bildungsveranstaltungen beibehalten. Der erste der drei Abende, die wir im Februar organisiert hatten, stand unter dem Thema &ldquo;Rechtsextreme Jugendbewegungen in Brandenburg&rdquo;. Dies schien uns besonders wichtig zu sein, da immer mehr junge Neonazis an die &ldquo;Baseballschl&auml;gerjahre&rdquo; ankn&uuml;pfen, die Zeit, in der auch Sven Beuter die rechte Gewalt mehrmals brutal getroffen hat. Vor dem letztendlich t&ouml;dlichen Angriff am 15. Februar 1996 wurde er 1993 brutal von Neonazis mit einem Baseballschl&auml;ger angegriffen, erlitt einen Sch&auml;delbruch und musste das Sprechen neu erlernen.<br>Bei der zweiten Bildungsveranstaltung wurde ein Vortrag zum Thema &ldquo;Demokratie in der Krise&rdquo; gehalten. Bei der dritten und letzten hatten wir das Thema &ldquo;Erinnerungskultur &ndash; Chancen und Herausforderungen&rdquo; gehabt. Hier war es uns wichtig, dass wir auch unsere eigene Gedenkarbeit kritisch hinterfragen.<br>Den Abschluss bildet die Gedenkdemonstration am 21. Februar. Hier wollen wir mit einer kraftvollen Demonstration vom Hauptbahnhof durch die Stadt bis zur Gedenkplatte in der Havelstra&szlig;e 13 ziehen. Nach der Zwischenkundgebung dort geht es zur&uuml;ck zum Hauptbahnhof.</p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Opferperspektive: <em>Was bedeutet f&uuml;r euch &ldquo;Gedenken&rdquo; und was ist euch dabei besonders wichtig? Wie hat sich das Gedenken an Sven im Laufe der Zeit ver&auml;ndert?&nbsp;</em></strong></p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Gedenkinitiative:</strong> Wir haben unsere Gedenkarbeit seit unserem Zusammenfinden 2020 unter die drei Worte &ldquo;Erinnern. Mahnen. Bilden.&rdquo; gestellt. Damit sind die drei Bereiche, auf die unser Gedenken abzielt, gut benannt. Wir wollen zum Ersten an den Menschen Sven Beuter erinnern, wer und wie er war. Bei diesem Aspekt steht f&uuml;r uns Sven im Vordergrund. Zum Zweiten fassen wir unter dem Mahnen, dass wir die politischen Umst&auml;nde der Tat thematisieren und auf die aktuellen politischen Missst&auml;nde hinweisen und diese kritisieren. Als letzter Punkt ist uns das Bilden wichtig, auch um aufzukl&auml;ren und den rechten sowie autorit&auml;ren Entwicklungen unserer Zeit im Kleinen entgegenzuwirken.<br>Das Gedenken hat sich &uuml;ber die mittlerweile 30 Jahre stark ver&auml;ndert. Unmittelbar nach Svens Tod und in den Jahren danach wurden die Gedenk-Demonstrationen insbesondere auch von Personen organisiert, die Sven selbst kannten, mit ihm befreundet waren. Das hat &uuml;ber die Jahre stark abgenommen, weshalb leider vielleicht der Aspekt des Erinnerns in unseren Aktivit&auml;ten nicht allen Anspr&uuml;chen gerecht wird.</p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Opferperspektive: <em>Wie ist die Resonanz auf eure Gedenkarbeit? Was w&uuml;nscht ihr euch von der Stadt und den Menschen, die in Brandenburg an der Havel leben?</em></strong></p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Gedenkinitiative:</strong> Man kann schon sagen, dass wir mit unserer Gedenkarbeit in der Regel immer dieselben interessierten Menschen erreichen. Zu den kleineren j&auml;hrlichen Kundgebungen kommen zwischen 30 &ndash; 50 Menschen. Die politisch Verantwortlichen in Brandenburg an der Havel sind an diesem Thema gar nicht interessiert und es gibt keine Beteiligung dieser Verantwortlichen an unseren Aktivit&auml;ten. Als 2016 auf Initiative von der Partei Die Linke die Debatte in der Stadtverordnetenversammlung aufkam, ob die Stra&szlig;e nach Sven benannt werden sollte, wurde schnell klar, dass die wenigsten Kr&auml;fte in der Stadt ein Interesse an dem Gedenken haben. Wir wollen aber an dieser Stelle auch klar betonen, dass wir kein institutionelles Gedenken m&ouml;chten. Wir finden es wichtig, dass das Gedenken aus der Zivilgesellschaft heraus organisiert wird und sich die Gedenkarbeit nicht abh&auml;ngig von staatlichen Institutionen oder F&ouml;rderungen macht.</p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Opferperspektive: <em>Welchen Herausforderungen begegnet ihr in eurer Arbeit?</em></strong></p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Gedenkinitiative:</strong> Wie bereits oben angedeutet, ist die Spannung zwischen dem Erinnern an die Person Sven und dem Benennen der politischen Motive und der Verbindung zur heutigen Situation mitunter schwierig. Fragen, die wir uns stellen, diskutieren und auf die wir keine abschlie&szlig;ende Antwort bisher gefunden haben, sind zum Beispiel f&uuml;r die J&uuml;ngeren in unserer Initiative, die Sven nie kennenlernen konnten: Wie k&ouml;nnen wir einer Person gedenken, die wir selbst nicht kannten?<br>Sven war ein sehr sch&uuml;chterner junger Mann, der nicht gerne im Mittelpunkt stand. Der ausgestaltete mahnende Aspekt unseres bisherigen Gedenkens steht damit im Konflikt zum Erinnern an Sven, das ihm als Person gerecht wird. Er h&auml;tte es nicht gemocht, so im Mittelpunkt zu stehen. Diese Spannungen aufzul&ouml;sen, ist f&uuml;r uns nicht leicht und wir haben darauf auch noch keine Antwort gefunden, wie das gelingen kann.<br>Ein Problem abseits dieser Fragen, das uns die letzten Jahre immer st&auml;rker vor Herausforderungen gestellt hat, ist, dass die Initiative in den vergangenen Jahren personell sehr geschrumpft ist. Die Arbeit lastet damit auf nur wenigen Schultern. Uns gelingt es bisher leider nicht, neue Menschen in die Gedenkarbeit einzubinden.<br>Wir sehen insgesamt zwei Herausforderungen f&uuml;r die kommenden Jahre: Als Erstes das Problem mit Engagement in der Initiative, daf&uuml;r neue Menschen zu gewinnen.<br>Eine besondere Herausforderung sehen wir in der Weiterentwicklung der Gedenkarbeit, im Ausbrechen aus alten Mustern und im Nichtverharren in althergebrachten Gedenkformen. Umso wichtiger ist die breite Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Akteuren wie der Opferperspektive, die uns seit vielen Jahren in unserer Arbeit begleitet.</p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Opferperspektive: <em>Wie ordnet ihr Svens Ermordung in die politische Situation in Brandenburg der 90er Jahre ein? Und wie schaut ihr auf die extreme Rechte und rechte Gewalt heute?&nbsp;</em></strong></p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Gedenkinitiative:</strong> Svens Tod ist eine der, wenn nicht gar die drastischste Auswirkung der so genannten Baseballschl&auml;gerjahre in Brandenburg an der Havel. Betrachten wir die allt&auml;gliche Gewalt der Neonazis der 1990er Jahre, das Wegsehen staatlicher Beh&ouml;rden und das Schweigen einer gesellschaftlichen Mehrheit, dann war es leider nur konsequent, dass Neonazis mehrere Menschen im Land Brandenburg ermordet haben.<br>Heutige Entwicklungen lassen nat&uuml;rlich einen Vergleich mit den 1990er Jahren als notwendig erscheinen, auch wenn wir glauben, dass die heutige Zivilgesellschaft, auch in Brandenburg an der Havel, besser aufgestellt ist als damals und die Gewalt in der Fl&auml;che nicht die selben Dimensionen hat. Nichtsdestotrotz ist jede Gewalttat grausam und f&uuml;r die Betroffenen ein brutaler Einschnitt ins Leben, damals wie heute.<br>Die Polizei ist heute in der Thematik sensibler aufgestellt, wenngleich wir uns die Frage stellen sollten, ob wir uns von solch einer staatlichen Institution abh&auml;ngig machen wollen und wie sehr oder ob wir auf deren Arbeit vertrauen wollen und k&ouml;nnen.<br>Nicht nur die AfD hat in den vergangenen Jahren ein politisches Klima erzeugt, das Hass und Hetze salonf&auml;hig gemacht und den politischen Diskurs weit nach rechts verschoben hat. Auch in Brandenburg an der Havel sind vermehrt junge Rechte und Neonazis pr&auml;sent, die nicht nur vom optischen Auftreten an die so genannten Baseballschl&auml;gerjahre ankn&uuml;pfen. Protegiert werden sie von der AfD, die sie auf ihren Wahlkampfveranstaltungen nicht nur duldet, sondern auch willkommen hei&szlig;t.<br>Wir nehmen auch wahr, dass die antifaschistische Bewegung angesichts der scheinenden &Uuml;bermacht in eine Art Lethargie verfallen zu sein scheint. Wir w&uuml;rden uns eine wieder breitere und besser vernetzte antifaschistische Bewegung w&uuml;nschen.</p><hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"><p class="wp-block-paragraph">Mehr Informationen zur Arbeit der Gedenkinitiative Sven Beuter findet ihr auf <strong><a href="https://www.instagram.com/erinnern_mahnen_bilden/" aria-label="erinnern mahnen bilden">Instagram</a>.</strong></p><p class="wp-block-paragraph">Hintergr&uuml;nde zu dem t&ouml;dlichen Neonazi-Angriff auf Sven Beuter gibt es auf unserer <strong><a href="https://todesopfer-rechter-gewalt-in-brandenburg.de/sven-beuter/" aria-label="sven beuter">Webseite</a></strong></p><p class="wp-block-paragraph"></p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/erinnern-mahnen-bilden-interview-mit-der-gedenkinitiative-sven-beuter">„Erinnern. Mahnen. Bilden.” – Interview mit der Gedenkinitiative Sven Beuter</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>„Der Angriff hat uns zusammengeschweißt“ Interview mit Judith vom Bündnis „Bad Freienwalde ist bunt“</title>
		<link>https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/der-angriff-hat-uns-zusammengeschweisst</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robin Herz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2025 09:55:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Rundbrief “Schattenberichte”]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.opferperspektive.de/?p=47716</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Kundgebung &#8222;Bad Freienwalde ist bunt&#8220; wurde im Juni 2025 von bewaffneten Neonazis angegriffen. Judith aus dem gleichnamigen lokalen B&#252;ndnis berichtet in diesem Interview &#252;ber den Angriff und den Umgang damit. Opferperspektive: Du bist im B&#252;ndnis &#8222;Bad Freienwalde ist bunt&#8220; aktiv. Bitte beschreibe, wer ihr seid und was ihr macht. Judith:&#160;Das B&#252;ndnis &#8222;Bad Freienwalde ist [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/der-angriff-hat-uns-zusammengeschweisst">„Der Angriff hat uns zusammengeschweißt“ Interview mit Judith vom Bündnis „Bad Freienwalde ist bunt“</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<?xml encoding="UTF-8"><p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Kundgebung &bdquo;Bad Freienwalde ist bunt&ldquo; wurde im Juni 2025 von bewaffneten Neonazis angegriffen. Judith aus dem gleichnamigen lokalen B&uuml;ndnis berichtet in diesem Interview &uuml;ber den Angriff und den Umgang damit.</strong></p><hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"><p class="wp-block-paragraph"><strong><span style="color: #bf0f0f">Opferperspektive:</span> <em>Du bist im B&uuml;ndnis &bdquo;Bad Freienwalde ist bunt&ldquo; aktiv. Bitte beschreibe, wer ihr seid und was ihr macht.</em></strong></p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Judith:</strong>&nbsp;Das B&uuml;ndnis &bdquo;Bad Freienwalde ist bunt&ldquo; ist seit 2021 aktiv. Die Kleinstadt Bad Freienwalde hat ca. 12.000 Einwohner:innen und liegt im Osten Brandenburgs an der Grenze zu Polen. Der l&auml;ndliche Raum ist jedoch deutlich vielf&auml;ltiger, als manche vielleicht denken. Der gr&ouml;&szlig;te Arbeitgeber hier ist ein sozialer Tr&auml;ger, der Einrichtungen f&uuml;r Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen unterh&auml;lt. Dazu gibt es die Kurklinik. Hier leben queere Menschen und solche in binationalen Partnerschaften sowie Menschen mit Fluchterfahrung. All das zeigt: Auch die Gesellschaft in der Kleinstadt und in den D&ouml;rfern drumherum ist vielf&auml;ltig. In unserem B&uuml;ndnis finden sich Leute von hier und Zugezogene, Mitglieder verschiedener demokratischer Parteien und solche, die sich auch in anderen sozialen oder kulturellen Kontexten einbringen.<br>
Seit Gr&uuml;ndung des B&uuml;ndnisses veranstalten wir eine Sommer-Kundgebung, die genauso hei&szlig;t wie die Gruppe: Bad Freienwalde ist bunt. An diesem Tag geh&ouml;rt der Marktplatz dieser vielf&auml;ltigen Stadtgesellschaft. Dar&uuml;ber hinaus organisieren wir anlassbezogen Demonstrationen oder beteiligen uns an solchen. In diesem Jahr hatten wir erstmals Info- und Mitmachst&auml;nde bei Stra&szlig;enfesten. Am 9. November laden wir zu einem Rundgang zu den Stolpersteinen in der Stadt.<br>
Uns verbindet der Wunsch, die gesellschaftliche Vielfalt hier vor Ort sichtbar zu machen, f&uuml;r Demokratie und Solidarit&auml;t einzutreten. Dabei wollen wir auch gerade f&uuml;r junge Menschen zeigen: Bad Freienwalde ist bunt und nicht blaubraun.</p><p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Am 15. Juni 2025 wurde eure Kundgebung &bdquo;Bad Freienwalde ist bunt&ldquo;, die ihr in &auml;hnlicher Form bereits zum f&uuml;nften Mal organisiert, von bewaffneten Neonazis angegriffen. Was genau ist passiert?</strong></em></p><p class="wp-block-paragraph">Kurz vor Beginn der Veranstaltung st&uuml;rmte eine Gruppe maskierter Menschen den Veranstaltungsort. Vermutlich waren es Jugendliche oder junge M&auml;nner, insgesamt ca. 10 bis 12 Angreifer. Sie waren sehr schnell, und einige von ihnen waren offensichtlich kampfsporttrainiert und auch entschlossen, an diesem Tag Gewalt anzuwenden. Mehrere unserer Mitwirkenden wurden ins Gesicht geschlagen. Dabei trugen die Angreifer schlagverst&auml;rkende Handschuhe. Ein Opfer musste an einem Knochenbruch operiert werden. Der Angriff ging sehr schnell. Bevor alle auf dem Platz realisieren konnten, was passierte, liefen die Angreifer auch schon wieder weg.</p><p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Durch das mutige Einschreiten von Ordner:innen und Teilnehmenden konnte, so schreibt ihr auf eurer Webseite, Schlimmeres verhindert werden. Wie konntet ihr den Angriff abwehren?</strong></em></p><p class="wp-block-paragraph">Wir hatten ein erfahrenes Schutzteam und auch sehr mutige Teilnehmende. Alle zusammen st&uuml;rmten in die Mitte des Platzes &ndash; den Angreifern entgegen. Dazu gab das Schutzteam den Impuls, und andere folgten. Sie liefen den Angreifern entschlossen entgegen und schrien aus vollem Hals: &bdquo;Haut ab!&ldquo; und &bdquo;Nazis raus!&ldquo;. Es ist schwer zu beschreiben, wie sich eine solche kollektive Power anf&uuml;hlt, aber sie war sehr deutlich zu sp&uuml;ren. Einer der Angreifer schrie dann &bdquo;Abbruch&ldquo; und die Angreifer liefen weg.</p><p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Trotz des Angriffs konntet ihr eure Kundgebung anschlie&szlig;end durchf&uuml;hren. Wie war die Stimmung im Anschluss?</strong></em></p><p class="wp-block-paragraph">Der Angriff wurde Teil der Realit&auml;t dieses Tages. Verr&uuml;ckterweise war es f&uuml;r mich &uuml;berhaupt keine Frage, dass wir nach dem Angriff unser Programm durchziehen. Einige Tage sp&auml;ter hatten wir ein Nachtreffen, und ich habe die anderen Mitglieder unserer Gruppe gefragt, wie es ihnen ging. Nicht eine einzige Person hatte an diesem Tag an den Abbruch der Veranstaltung gedacht. Auch an den Ausstellungsst&auml;nden sind alle Mitwirkenden geblieben, selbst diejenigen, die einen Schlag abbekommen hatten. Ein direkt am Marktplatz gelegenes Restaurant brachte uns K&uuml;hlpads aus dem Gefrierschrank.<br>
Von der B&uuml;hne informierten wir regelm&auml;&szlig;ig dar&uuml;ber, was passiert war, da ja auch den Nachmittag &uuml;ber immer wieder neue Teilnehmer:innen kamen, die noch nichts mitbekommen hatten. Zugleich wiesen wir auf Hilfsangebote hin: auf euch, die Opferperspektive, aber auch auf die Beratungsstelle f&uuml;r Opfer rechter Gewalt (BOrG). Wir fragten auch am Mikro, wer noch Hilfe oder Unterst&uuml;tzung brauchte.<br>
In der R&uuml;ckschau von heute aus gesehen w&uuml;rde ich die Stimmung nach dem Angriff nicht als k&auml;mpferisch beschreiben, eher als widerst&auml;ndig. Jede Person musste einen Weg finden, mit dem Erlebten umzugehen. Aber niemand musste allein sein. So brutal wie die pers&ouml;nliche Erfahrung besonders f&uuml;r diejenigen war, die die Gewalt unmittelbar erfahren hatten, so positiv war die gemeinschaftliche Erfahrung, die Kundgebung &bdquo;trotz allem&ldquo; durchzuf&uuml;hren, uns nicht vertreiben zu lassen.</p><p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Habt ihr bereits zuvor bei anderen Aktivit&auml;ten des B&uuml;ndnisses Anfeindungen erfahren? Kannst du berichten, wie ihr damit umgegangen seid?</strong></em></p><p class="wp-block-paragraph">Tats&auml;chlich mussten wir zu allen vorhergehenden Kundgebungen oder auch zu Demos zuvor die Polizei rufen. Nat&uuml;rlich sind unsere Veranstaltungen angemeldet, aber die Polizei bleibt eben nicht immer vor Ort. Wenn sie nicht da ist und etwas passiert, m&uuml;ssen wir sie entsprechend rufen. Was wir h&auml;ufiger erlebt haben, waren Rufe oder P&ouml;beleien von der gegen&uuml;berliegenden Stra&szlig;enseite. Dass wir fotografiert oder gefilmt werden, kommt ebenfalls vor. Aber auch Bedrohungen mit einem Messer oder Schlagstock haben wir bei Veranstaltungen schon erlebt.<br>
Im letzten Jahr gab es zudem zwei Graffitis in Bad Freienwalde: &bdquo;Fuck Antifa &ndash; wir kriegen euch&ldquo; und &bdquo;Brandenburg zeckenfrei&ldquo;, jeweils verbunden mit dem Logo der NRJ, der Nationalrevolution&auml;ren Jugend des III. Weges. Wir versuchen, so oft es geht, ein Schutzteam in unsere Veranstaltungen einzubinden. Das gelingt leider nicht immer, schlie&szlig;lich engagieren wir uns alle ehrenamtlich. Zudem rufen wir die Polizei. Und schlie&szlig;lich vernetzen wir uns mit anderen erfahrenen Gruppen oder auch mit Beratungsstellen wie euch.</p><p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Wie habt ihr das Medienecho nach dem Angriff erlebt?</strong></em></p><p class="wp-block-paragraph">Der rbb war unserer Einladung gefolgt und wollte die Kundgebung filmen, filmte jedoch (spontan mit dem Handy) den Angriff. Aufgrund dieser Fernsehbilder war sofort ein dpa-Reporter auf dem Platz und die dpa-Meldung wurde am Folgetag breit von der Presse &uuml;bernommen. Sehr viele legten dann auch mit eigenen Interviews oder Reportagen nach.<br>
Tats&auml;chlich geht es bei solchen Angriffen nicht nur um die unmittelbare Gewalt, sondern auch um die Deutungshoheit &uuml;ber die Situation im Nachhinein. Das haben wir nach dem Angriff gelernt. Rechtsextreme Kreise haben sehr schnell versucht, den Angriff zu verharmlosen und zu legitimieren. Das hei&szlig;t: Das Geschehen w&auml;re ja nicht so schlimm gewesen, alles v&ouml;llig &uuml;bertrieben dargestellt. Und falls da &uuml;berhaupt etwas war, dann h&auml;tte es ja auch irgendwie die Richtigen getroffen. Ungef&auml;hr so lief der rechtsextreme Spin.<br>
Wenig hilfreich war in diesem Kontext, dass Journalist:innen unsere Kundgebung als queere Veranstaltung gelabelt haben &ndash; das passte f&uuml;r die gut in den Pride Month. Nat&uuml;rlich haben auch queere K&uuml;nstler:innen und Organisationen bei uns mitgewirkt. Aber es war eben keine ausschlie&szlig;lich queere Veranstaltung.</p><p class="wp-block-paragraph">Der rechten Desinformation und bisweilen unsauberen journalistischen Arbeit sind wir mit zwei Kernbotschaften entgegengetreten:<br>
1. Wir haben einen sehr brutalen gewaltt&auml;tigen Angriff erlebt und<br>
2. dieser Angriff galt nicht einer spezifischen Gruppe, sondern uns allen.<br>
W&auml;hrend des Angriffs waren Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senior:innen auf dem Platz, Menschen mit Behinderung oder Migrationsgeschichte, queere Menschen. Es war ein Querschnitt der Gesellschaft &ndash; und wir alle wurden angegriffen.</p><p class="wp-block-paragraph"><strong>Der damals gerade neu ernannte Innenminister hat eure Kundgebung noch am selben Tag besucht. Der B&uuml;rgermeister von Bad Freienwalde hingegen relativierte den Angriff lapidar als &bdquo;St&ouml;rung&ldquo;. Wie habt ihr die Reaktionen aus Landespolitik und Kommune erlebt und wie bewertet ihr diese?</strong></p><p class="wp-block-paragraph">Dass Innenminister Ren&eacute; Wilke sofort zu uns kam, haben wir als sehr positiv empfunden. Das lag vor allem daran, wie er vor Ort aufgetreten ist. Er wollte nicht auf die B&uuml;hne, sondern einfach mit uns, mit den Betroffenen sprechen, seine Anteilnahme ausdr&uuml;cken. Er sagte, der Vorfall w&uuml;rde ihn an seine Jugend in Frankfurt/Oder erinnern. Er sei dort in den Baseballschl&auml;gerjahren aufgewachsen, und so etwas d&uuml;rfe sich nicht wiederholen. Solche Aussagen machen einen Spitzenpolitiker sehr nahbar und hinter dem Amt wird ein Mensch sichtbar, der glaubw&uuml;rdig empathisch ist. Das war an diesem Tag sehr st&auml;rkend.<br>
Der B&uuml;rgermeister hat uns mit seiner Aussage, es sei nur eine St&ouml;rung gewesen, keinen Gefallen getan, und er hat auch sich selbst und der Stadt keinen Gefallen getan. Das Erstarken der extremen Rechten kleinzureden, hilft niemandem. Dass es &ndash; nach einer langen Entwicklung &ndash; doch auch anders geht, zeigt die B&uuml;rgermeisterin von Spremberg, Christine Herntier. Man muss Dinge benennen, um sie zu begreifen und dann auch gemeinsam zu bearbeiten.</p><p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Die Polizei hatte die Gef&auml;hrdung offenbar falsch eingesch&auml;tzt und war w&auml;hrend des Angriffs nicht direkt vor Ort pr&auml;sent. Was fordert ihr f&uuml;r zuk&uuml;nftige Veranstaltungen?</strong></em></p><p class="wp-block-paragraph">Wir wollen in jedem Fall weiterhin &ouml;ffentliche Veranstaltungen in Bad Freienwalde machen. Daher haben wir nach dem Angriff auf unsere Kundgebung den Austausch mit Inka Gossmann-Reetz gesucht, der Polizeibeauftragten des Landes Brandenburg. Wir w&uuml;nschen uns mehr Dialog mit der Polizei, damit wir zu einer gemeinsamen Einsch&auml;tzung der Gef&auml;hrdung kommen.<br>
Nach dem Angriff war teilweise zu lesen, die Polizei k&ouml;nne nicht jedes Dorffest mit einer Hundertschaft bewachen. Das w&uuml;rde auch den Charakter der Veranstaltung v&ouml;llig ver&auml;ndern. Wir denken, dass eine sichtbare Pr&auml;senz der Polizei helfen w&uuml;rde, und zwar vom Beginn des Aufbaus bis zum Ende des Abbaus. W&auml;re der Angriff so erfolgt, wenn zwei oder drei Polizist:innen direkt auf oder am Platz gewesen w&auml;ren? Dar&uuml;ber w&uuml;rden wir uns gerne ausf&uuml;hrlicher mit der Polizei unterhalten.<br>
Unsere Kundgebung stellt die Werte des Grundgesetzes in den Fokus. Wir setzen uns ein f&uuml;r die Demokratie, f&uuml;r Meinungs- und Versammlungsfreiheit, gegen Diskriminierung. Solche Veranstaltungen m&uuml;ssen auch in l&auml;ndlichen R&auml;umen m&ouml;glich sein und ich erwarte von der Polizei, dass sie die Gef&auml;hrdungseinsch&auml;tzung den Realit&auml;ten anpasst.</p><p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Wie sch&auml;tzt ihr die Entwicklung rechtsextremer Gruppen und deren Gewaltpotential in eurer Region ein? Was w&auml;ren aus eurer Sicht n&ouml;tige Schritte, um dieser Entwicklung zu begegnen?</strong></em></p><p class="wp-block-paragraph">Seit einigen Jahren berichten engagierte Journalist:innen &uuml;ber neue rechtsextreme Gruppen, die sich in den sozialen Medien zusammenfinden und nun st&auml;rker &ouml;ffentlich sichtbar werden. Das sehen wir auch z. B. an Stickern, die in Bad Freienwalde an Laternen geklebt werden. Ansonsten ist es schwer, konkrete Gruppen und deren Akteure zu identifizieren. Die Beobachtung der rechtsextremen Szene l&auml;uft ausschlie&szlig;lich ehrenamtlich, und wir vernetzen uns mit den Menschen, die sich auskennen.<br>
Es w&auml;re wichtig, dass Kommunalpolitiker:innen und auch Gewerbetreibende sowie andere Vereine &ndash; dass einfach alle &ndash; sagen: Wir stehen gemeinsam gegen Rechtsextremismus und gegen Gewalt. Da das nicht passieren wird, bleibt es oft ein Werben um jede einzelne Person.</p><p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Wie blickt ihr jetzt, knapp ein halbes Jahr nach dem Vorfall, auf den Angriff? Welche Folgen hatte dieser auf euer B&uuml;ndnis und eure Arbeit vor Ort?</strong></em></p><p class="wp-block-paragraph">Uns als Gruppe hat der Angriff zusammengeschwei&szlig;t. Wir empfinden unser Engagement als notwendiger denn je und freuen uns, dass sich unmittelbar nach dem Angriff sowohl F&ouml;rderer gemeldet haben als auch Menschen, die die n&auml;chste Veranstaltung mitgestalten wollen. Das hei&szlig;t: Unsere Aktivit&auml;ten 2026 sind bereits finanziert, was eine sehr gro&szlig;e Erleichterung ist. Und wir k&ouml;nnen nun in die Planung f&uuml;r die Kundgebung im n&auml;chsten Jahr starten und uns wieder auf ein sehr vielf&auml;ltiges Programm freuen.<br>
Zudem haben wir auch sehr gute Gespr&auml;che mit Menschen aus einem eher b&uuml;rgerlich-konservativen Spektrum gef&uuml;hrt, die vorsichtige Kooperationsbereitschaft signalisiert haben. Es w&uuml;rde uns sehr freuen, auch Menschen au&szlig;erhalb unserer Bubble zu erreichen. Daher sind wir gespannt, wie sich das weiterentwickeln wird.</p><p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Gibt es etwas, was ihr anderen B&uuml;ndnissen im Land, die sich f&uuml;r eine vielf&auml;ltige Gesellschaft und gegen Rechtsextremismus engagieren, mitgeben m&ouml;chtet?</strong></em></p><p class="wp-block-paragraph">Wir d&uuml;rfen uns nicht verschlei&szlig;en. Wir m&uuml;ssen uns so organisieren, dass wir unser Engagement &uuml;ber sehr viele Jahre durchhalten. Daher organisieren wir nur zu sehr ausgew&auml;hlten Anl&auml;ssen Gegenprotest gegen rechtsextreme Veranstaltungen. Viel lieber organisieren wir eigene Formate, die wir als so viel positiver und st&auml;rkender empfinden. Da f&auml;llt mir unsere queerfeministische Tanzdemo im Fr&uuml;hjahr 2024 ein. Das war ein gro&szlig;er Spa&szlig;. Es geht nicht darum zu sagen, das eine Format ist besser als das andere, sondern es geht darum f&uuml;r sich selbst und als Gruppe herauszufinden, woraus man gemeinsam neue Energie sch&ouml;pfen kann. Denn diese werden wir brauchen.</p><hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"><p class="wp-block-paragraph">Dies ist die Langfassung des Interviews, das in gek&uuml;rzter Form in der Ausgabe Dezember 2025 der <a href="https://www.opferperspektive.de/wp-content/uploads/2025/12/Schattenberichte_adb-News_dezember-2025.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="Schattenberichte adb News dezember 2025 (&ouml;ffnet in neuem Tab)"><strong>Schattenberichte (PDF)</strong></a> erschienen ist.</p><p class="wp-block-paragraph">&Uuml;ber den Angriff auf das Fest &bdquo;Bad Freienwalde ist bunt&ldquo; im Juni 2025 ist ein <a href="https://wir-packens-an.podigee.io/27-wir-lassen-uns-nicht-vertreiben-nazi-angriff-auf-bad-freienwalde-ist-bunt" aria-label="27 wir lassen uns nicht vertreiben nazi angriff auf bad freienwalde ist bunt">Podcast</a> erschienen.</p><p class="wp-block-paragraph">Infos vom B&uuml;ndnis <strong>Bad Freienwalde ist Bunt</strong> gibt es auf ihrer <a href="https://freienwalde-ist-bunt.de/">Webseite</a> und auf <a href="https://www.instagram.com/bad_freienwalde_ist_bunt/" aria-label="bad freienwalde ist bunt">Instagram.</a></p><p class="wp-block-paragraph"></p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/der-angriff-hat-uns-zusammengeschweisst">„Der Angriff hat uns zusammengeschweißt“ Interview mit Judith vom Bündnis „Bad Freienwalde ist bunt“</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Es brennt an allen Ecken und Enden“ Interview mit Bewohner*innen des Hausprojekts Zelle 79 in Cottbus</title>
		<link>https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/interview_zelle_cottbus_2025</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robin Herz]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Jul 2025 09:40:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Rundbrief “Schattenberichte”]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.opferperspektive.de/?p=47451</guid>

					<description><![CDATA[<p>Das Hausprojekt Zelle 79 in Cottbus wurde in den vergangenen Monaten mehrfach zum Ziel rechter Angriffe. In diesem Interview schildern Bewohner:innen, wie sie die Angriffe erlebt haben und wie sie damit umgehen. Opferperspektive: Das Hausprojekt Zelle 79 wurde mehrfach zum Ziel rechter Angriffe. Wie erlebt ihr die Situation in Cottbus und S&#252;dbrandenburg aktuell?Zelle79: Man muss, [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/interview_zelle_cottbus_2025">„Es brennt an allen Ecken und Enden“ Interview mit Bewohner*innen des Hausprojekts Zelle 79 in Cottbus</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><?xml encoding="UTF-8"><strong>Das Hausprojekt Zelle 79 in Cottbus wurde in den vergangenen Monaten mehrfach zum Ziel rechter Angriffe. In diesem Interview schildern Bewohner:innen, wie sie die Angriffe erlebt haben und wie sie damit umgehen.</strong></p>
<hr>
<p><strong><span style="color: #bf0f0f">Opferperspektive:</span> <em>Das Hausprojekt Zelle 79 wurde mehrfach zum Ziel rechter Angriffe. Wie erlebt ihr die Situation in Cottbus und S&uuml;dbrandenburg aktuell?</em></strong><strong>Zelle79:</strong></p>
<p> Man muss, so denken wir, konstatieren, dass sich die Bedrohungslage f&uuml;r nicht-wei&szlig;e, nicht-rechte, linke, alternative Menschen und Einrichtungen, in den letzten Wochen und Monaten versch&auml;rft hat. Die Einschl&auml;ge, in Form von Angriffen &uuml;berall in S&uuml;dbrandenburg, werden k&uuml;rzer und die Gewaltbereitschaft bei den Angreifenden steigt.<br />
Der Brandanschlag auf uns ist da sicherlich ein weiterer H&ouml;hepunkt in der Folge vieler Angriffe und zeigt deutlich, inwieweit organisierte Neonazis bereit sind, ihrer menschenverachtenden Ideologie Taten folgen zu lassen. Der Brandanschlag galt uns, wir sind jedoch nicht die Einzigen, die betroffen sind. Aufgrund des Anschlags gab und gibt es ein gro&szlig;es mediales Echo, welches wir auch nutzen wollen, um auf die Situation &uuml;berall in der Region aufmerksam zu machen. Es brennt an allen Ecken und Enden.<br />
Was im Umkehrschluss nicht bedeuten soll, dass es zu irgendeinem Zeitpunkt in der Stadt oder in der Region, keinerlei Bedrohungssituationen oder -szenarien gab. Cottbus und der Landkreis drum herum sind seit Jahrzehnten ein Hotspot der extremistischen Neonazi-Szene in Deutschland. Diese Szene ist etabliert, auch in der Stadtgesellschaft, sie ist vernetzt, organisiert und besteht aus unterschiedlichen Akteur:innen, was immerhin auch dem Verfassungsschutz seit ein paar Jahren auff&auml;llt. Man muss sicherlich von einer Kontinuit&auml;t sprechen, wenn es um rechte Gewalt in Cottbus und in der Region geht.<br />
Von einer gewissen Entwicklung kann man mit gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit bei der Betrachtung des Alters der T&auml;ter:innen sprechen. Diese werden zunehmend j&uuml;nger, was jedoch kein ausschlie&szlig;liches Ph&auml;nomen hier in der Region darstellt. In sozialen Medien wie TikTok findet eine (Vor-)Radikalisierung statt, die so vor ein paar Jahren nicht denkbar gewesen ist. Zudem wird mit dem Aufstieg und der Normalisierung der AfD zus&auml;tzlich Hass und Ausgrenzung bef&ouml;rdert. Fr&uuml;her und heute eigentlich immer noch zu Recht Unsagbares dr&auml;ngt zunehmend in die &ouml;ffentlichen Debatten, die Menschen werden enthemmter und irgendwann kanalisiert sich das dann in Taten.</p>
<p><strong><em>Ihr seid Teil der neuen &bdquo;Initiative Sichere Orte S&uuml;dbrandenburg&ldquo;: Welche Ideen habt ihr, um euch gegen rechte Bedrohungen zur Wehr zu setzen?</em></strong></p>
<p>Ganz generell und vorab: Die <a href="https://losmachen.jetzt/sichere-orte/" aria-label="sichere orte">&bdquo;Initiative sichere Orte S&uuml;dbrandenburg&ldquo;</a>, aber auch andere Formen der Vernetzung, schaffen Netze von einem solidarischen Miteinander &uuml;ber Stadt- und Landesgrenzen hinaus. Wir halten es f&uuml;r wichtig, sich gegenseitig zu st&auml;rken, f&uuml;reinander einzustehen und betroffenen Gruppen, Vereinen, R&auml;umen und Klubs die M&ouml;glichkeit zu geben, sich einen Raum in der &Ouml;ffentlichkeit zu schaffen.<br />
Denn zun&auml;chst einmal m&uuml;ssen wir solche Angriffe wie die auf unser Haus &ouml;ffentlich machen, um die Problematik des Rechtsextremismus, nicht nur hier in der Region, sondern &uuml;berall, wieder in das Bewusstsein der Gesellschaft zu kriegen. Manchmal hat man das Gef&uuml;hl, dass die Leute entweder abgestumpft oder sich dessen &uuml;berhaupt nicht bewusst sind. Mit der medialen Berichterstattung und der Pr&auml;senz im &ouml;ffentlichen Raum ist es m&ouml;glich, den Diskurs ein klein wenig mitzubestimmen und somit auch mit Forderungen an die Politik und die (Stadt-)Gesellschaft heranzutreten.<br />
Auch hier muss das Ziel sein, dass die Bedrohungslage endlich ernst genommen wird und sich langfristige Strategien mit allen Akteur:innen, die f&uuml;r ein friedliches Miteinander k&auml;mpfen, entwickeln, um der wachsenden Gewaltbereitschaft von Neonazi-Gruppen entgegen zu treten. Das kann zum Beispiel bedeuten: mehr und nicht weniger Geld in die Jugendhilfe und Jugendsozialarbeit zu stecken, Initiativen, Klubs und R&auml;ume zu f&ouml;rdern, die sich mit ihrer Arbeit gegen diesen rechten Trend stellen, die Arbeit von Beratungsstellen wie die Opferperspektive langfristig finanziell abzusichern, eine klare Kante in der &Ouml;ffentlichkeit gegen neonazistische Umtriebe zu zeigen usw. Es gibt viele Ideen und Strategien, das Problem muss jedoch endlich ernst genommen werden. Solange das nicht passiert, ist alles andere nur hei&szlig;e Luft.</p>
<p><strong><em>Was braucht es, um dem Erstarken rechter Strukturen &ndash; gerade unter jungen Menschen &ndash; entgegenzuwirken?</em></strong></p>
<p>Ganz generell braucht es von allen Akteur:innen innerhalb der Stadt, der Region und des Landes, eine klare Haltung und keinerlei Kompromisse gegen&uuml;ber Neonazis, rechten Schwurbler:innen, der AfD und anderen Menschenfeinden. Das sind keine &bdquo;dummen Jungenstreiche&ldquo; oder &bdquo;Jugends&uuml;nden&ldquo; und sollten nicht auch noch mit Dialogbereitschaft belohnt werden.<br />
Wie oben bereits angesprochen spielen sicherlich Jugendhilfe, JugendKlubs und Jugendsozialarbeit beim Entgegenwirken rechter Ideologie bei jungen Menschen eine gro&szlig;e Rolle. Diese sollten aus unserer Sicht personell und finanziell besser und nicht schlechter ausgestattet sein, als es bisher der Fall ist.<br />
Lehrkr&auml;fte und politische Bildung m&uuml;ssen gest&auml;rkt werden, statt dort den Rotstift anzusetzen. Es n&uuml;tzt niemandem etwas, wenn jetzt schon &uuml;berlastete Lehrkr&auml;fte noch mehr Stunden ackern m&uuml;ssen und weniger Zeit f&uuml;r die Sch&uuml;ler:innen haben.<br />
In einer Stadt wie Cottbus muss man sicherlich auch den hier ans&auml;ssigen Verein Energie Cottbus in die Pflicht nehmen, aktiver gegen neonazistische Umtriebe vorzugehen. Fu&szlig;ball ist ein Anziehungsmagnet f&uuml;r viele junge Menschen und das Stadion ist definitiv ein Rekrutierungsfeld von Nachwuchs f&uuml;r die rechte Szene. Seit Jahrzehnten geht der Verein diesem Konflikt mit einem Teil der eigenen Fans aus dem Weg, beschwichtigt und spricht von Ausnahmen. Und anstatt dass die Landesregierung oder die Stadt den Finger in die Wunde legt und eben Konsequenzen vom Verein einfordert, wird dar&uuml;ber beraten, das Stadion aus &ouml;ffentlichen Mitteln zu modernisieren. Das kann nicht der richtige Weg sein, denn diesen gehen wir seit Jahrzehnten.</p>
<p>Bei ermittelten Gewalttaten und Gewaltt&auml;ter:innen schl&auml;ft bisher und seit jeher auch die Justiz. Eine angedachte abschreckende Wirkung, gerade auf jugendliche T&auml;ter:innen, ist hier in der Region nicht m&ouml;glich, da Verfahren verschleppt, Ermittlungen eingestellt oder wenn, dann minimalste Urteile gef&auml;llt werden. Als quasi erzieherische Ma&szlig;nahme muss sich, wenn man dies denn ernst nehmen will, etwas grundlegend im Justizapparat ver&auml;ndern. Vor allem auch im Mindset bei Staatsanwaltschaft und Richter:innen.</p>
<p>Der Diskurs in den sozialen Medien wie TikTok oder Instagram ist h&ouml;chstwahrscheinlich noch einmal eine komplett andere Herausforderung, die eine Neuaufstellung und Strategieentwicklung von Politik, aber auch kulturellen und gesellschaftspolitischen Akteur:innen erfordert.</p>
<p><em><strong>Wie bewertet ihr die Unterst&uuml;tzung, die ihr von offiziellen Stellen bekommen habt?</strong></em></p>
<p>Wir waren erstaunt, dass sich der Oberb&uuml;rgermeister und der neue Innenminister von Brandenburg zu Wort gemeldet haben. Das passiert leider viel zu selten und ist vermutlich auf die &ouml;ffentliche Berichterstattung zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, denn normalerweise wird das Thema in der Stadt eher totgeschwiegen. Da half der &ouml;ffentliche Druck von vielen Seiten. Wie lange sich das h&auml;lt und ob die Idee von Tobias Schick, die eines Runden Tisches, tats&auml;chlich nachhaltig ist, bleibt abzuwarten. Wir sind da, auch und vor allem aufgrund der Vergangenheit, eher skeptisch, lassen das aber einmal auf uns zukommen. Es ist schlie&szlig;lich nicht der erste runde Tisch, der hier initiiert wurde. Auch was sich die Landesregierung &uuml;berlegen wird, ist bisher unklar.<br />
Wir speichern alles, was von politischer Seite aus bisher kam, erst einmal als wohlige Worte ohne nennenswerten Impact ab. Es ist zumindest positiv, dass sich &uuml;berhaupt ge&auml;u&szlig;ert wird und man sich zusammen setzen will.</p>
<p>In die Arbeit der Staatsanwaltschaft und die der Polizei haben wir keinerlei Einblicke. Fest steht, dass Spuren aufgenommen wurden, bisher jedoch keine T&auml;ter ermittelt werden konnten. Weder beim jetzigen Brandanschlag, noch bei den Taten davor. Aufgrund der &Ouml;ffentlichkeit gehen wir davon aus, dass die so entstandenen Ermittlungen ernst genommen werden, aber auch hier muss man sehen, wie nachhaltig dies am Ende ist.</p>
<p><strong><em>Wie k&ouml;nnen euch Menschen unterst&uuml;tzen, auch au&szlig;erhalb der Region?</em></strong></p>
<p>Schafft &Ouml;ffentlichkeit. In eurer Stadt, in eurem Kiez, in eurer lokalen Zeitung, im Podcast, im Internet. Macht auf die Leute in der Provinz und in den Kleinst&auml;dten aufmerksam, die die Fahne hochhalten, teilt ihre Geschichten und seid solidarisch mit- und untereinander. Organisiert Demonstrationen, veranstaltet Soli-Abende.<br />
Soligr&uuml;&szlig;e sind immer willkommen und Spenden nat&uuml;rlich auch. Nur zusammen werden wir die bessere Gesellschaft erk&auml;mpfen.</p>
<hr>
<p>Dies ist die Langfassung des Interviews, das in gek&uuml;rzter Form in der Ausgabe Juni 2025 der <a href="https://www.opferperspektive.de/schattenberichte" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="schattenberichte (&ouml;ffnet in neuem Tab)"><strong>Schattenberichte</strong></a> erschienen ist.</p>
<p>Infos vom Hausprojekt <strong>Zelle 79</strong> in Cottbus gibt es u.a. auf <a href="https://www.instagram.com/zelle79_cb/" aria-label="zelle79 cb">Instagram</a></p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/interview_zelle_cottbus_2025">„Es brennt an allen Ecken und Enden“ Interview mit Bewohner*innen des Hausprojekts Zelle 79 in Cottbus</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Aufhören ist keine Option“ &#8211; Interview mit Maica Vierkant vom Aktionsbündnis Brandenburg</title>
		<link>https://www.opferperspektive.de/materialien/schattenberichte/aufhoeren-ist-keine-option-interview-mit-maica-vierkant-vom-aktionsbuendnis-brandenburg</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robin Herz]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Dec 2024 14:55:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Rundbrief “Schattenberichte”]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.opferperspektive.de/?p=46919</guid>

					<description><![CDATA[<p>Maica Vierkant leitet die Gesch&#228;ftsstelle des Aktionsb&#252;ndnis Brandenburg gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Rassismus. Dies ist die Langfassung des Interviews, das in gek&#252;rzter Form in der Dezemberausgabe der Schattenberichte erschienen ist. Opferperspektive:Ihr wart mit eurer Kampagne &#8222;Sch&#246;ner Leben ohne Nazis&#8220;dieses Jahr viel in Brandenburg unterwegs. Gibt es ein Ereignis, das euch besonders im Ged&#228;chtnis geblieben ist [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/schattenberichte/aufhoeren-ist-keine-option-interview-mit-maica-vierkant-vom-aktionsbuendnis-brandenburg">„Aufhören ist keine Option“ – Interview mit Maica Vierkant vom Aktionsbündnis Brandenburg</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><?xml encoding="UTF-8"><strong>Maica Vierkant</strong></p>
<p> leitet die Gesch&auml;ftsstelle des <a href="https://aktionsbuendnis-brandenburg.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Aktionsb&uuml;ndnis Brandenburg gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Rassismus</strong></a>.<br />
Dies ist die Langfassung des Interviews, das in gek&uuml;rzter Form in der Dezemberausgabe der <a href="https://www.opferperspektive.de/schattenberichte" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="schattenberichte (&ouml;ffnet in neuem Tab)"><strong>Schattenberichte</strong></a> erschienen ist.</p>
<hr>
<p><span style="color: #bf0f0f"><strong>Opferperspektive:</strong></span><em>Ihr wart mit eurer Kampagne &bdquo;Sch&ouml;ner Leben ohne Nazis&ldquo;dieses Jahr viel in Brandenburg unterwegs. Gibt es ein Ereignis, das euch besonders im Ged&auml;chtnis geblieben ist oder euch beeindruckt hat?</em><strong>Maica Vierkant:</strong></p>
<p> Davon gibt es total viele! In dieser Saison verlief die &bdquo;Sch&ouml;ner Leben ohne Nazis&ldquo;-Tour unter ganz besonderen Bedingungen. Im Vergleich zu den Vorjahren besuchten wir im Zeitraum von Mai bis Oktober sehr viel mehr Orte in Brandenburg &ndash; insgesamt waren es 30. An fast jedem Tour-Tag gab es beeindruckende, herausfordernde und auch sehr ber&uuml;hrende Momente. Am &bdquo;Sch&ouml;ner Leben ohne Nazis&ldquo;-Stand gibt es zum einen unsere spielerische Mitmachaktion, zum anderen ist es ein Raum, in dem die vornehmlich jungen Besucher:innen ihre Erfahrungen und Sorgen mitteilen. Dadurch entstehen sehr pers&ouml;nliche Gespr&auml;che. Es ist vor allem die Vielf&auml;ltigkeit der Herausforderungen, die uns im Kopf geblieben ist. Je nach Wohnort oder individueller Lebensrealit&auml;t variieren die Berichte, auch die Berichte dar&uuml;ber, wie es ist, sich im Rahmen einer Initiative zu positionieren und sich dadurch leider oftmals rechtsextremen Bedrohungen auszusetzen. Besonders beeindruckt hat uns daher das vielf&auml;ltige Engagement und der unersch&uuml;tterliche Mut der Brandenburger:innen, sich auf Demokratiefesten, CSDs oder in Jugendclubs gegen Nazis im eigenen Ort stark zu machen.</p>
<p><i>Was sind eurer Einsch&auml;tzung nach die gr&ouml;&szlig;ten Herausforderungen f&uuml;r die Menschen in Brandenburg, die sich gegen Rechts engagieren?</i></p>
<p>Zuallererst muss man leider sagen, dass es wirklich erschreckend ist, wie aggressiv die Stimmung in den letzten Monaten &uuml;berall in Brandenburg geworden ist. Sehr viele berichten von rechten Bedrohungen, Anfeindungen und auch &Uuml;bergriffen. Im Fokus der Angriffe stehen sowohl von Rassismus betroffene Menschen als auch jene, die auch nur im weitesten Sinne &sbquo;im Verdacht stehen&lsquo;, sich f&uuml;r Vielfalt einzusetzen. Besorgniserregend ist zudem, dass LGBTQ+ Personen sehr stark ins Visier der extremen Rechten geraten sind. Sich in dieser Stimmung f&uuml;r eine offene Gesellschaft stark zu machen, erfordert viel Mut und viel Ausdauer. Hier sind wir alle gefragt und m&uuml;ssen dar&uuml;ber sprechen, wie wir diesen Menschen den R&uuml;cken st&auml;rken und wie wir sie vor allem auch sch&uuml;tzen k&ouml;nnen. Das wird auch in absehbarer Zeit noch eine gro&szlig;e Herausforderung sein. Eine Herausforderung etwas anderer Art ist die immer weiter fortschreitende Normalisierung rechtsextremer Narrative, rechtsextremer Personen und Positionen. Das ist deutlich zu sp&uuml;ren, wenn wir zum Beispiel &uuml;ber Brandmauern reden. Das merken wir auch an den Stimmungslagen in den kommunalen Vertretungen. Und selbst unter den Aktiven werden zuweilen Stimmen laut, die fordern, man m&uuml;sse alle Meinungen zu Wort kommen lassen, die sich in demokratischen Wahlen abbilden. Wir brauchen dringend wieder eine Diskussion dar&uuml;ber, wo wir rote Linien ziehen und vor allem auch dar&uuml;ber, wie wir diese halten k&ouml;nnen.</p>
<p><i>2024 war das Jahr der vielf&auml;ltigen Proteste gegen Rechts und gleichzeitig gab es einen gro&szlig;en Wahlerfolg f&uuml;r die AfD. Wo seht ihr Erfolge und was hat eurer Ansicht nach in dieser Zeit nicht geklappt?</i></p>
<p>Wir haben noch nie so viele Aktionen, Demonstrationen, Demokratiefeste, Stra&szlig;enkonzerte etc. in Brandenburg gesehen wie in diesem Jahr. Das war wirklich beeindruckend! Wir haben aber in Gespr&auml;chen &ndash; zum Beispiel nach der Kommunalwahl im Juni &ndash; gemerkt, dass viele Engagierte frustriert waren: Sie haben unglaublich viel auf die Beine gestellt und dann kommt es zu diesem Wahlergebnis. Ich denke aber, es ist falsch, diese beiden Dinge miteinander in einen direkten kausalen Zusammenhang zu stellen. Das Ziel der vielen Aktionen war es doch vor allem, unseren Einsatz f&uuml;r eine solidarische, demokratische und offene Gesellschaft sichtbarer zu machen, zu zeigen, dass wir mit unserer Haltung nicht alleine sind, uns st&auml;rker und besser zu vernetzen und gegenseitig zu unterst&uuml;tzen. Und dieses Ziel wurde eindeutig erreicht. Dass sich St&auml;rkung demokratischen Engagements nicht direkt in Wahlergebnisse &uuml;bertr&auml;gt, finde ich alles andere als verwunderlich. Und vor allem schm&auml;lert es in keiner Weise das, was die Menschen in diesem Jahr alles geschafft haben. Wir sollten aufh&ouml;ren zu versuchen, AfD-W&auml;hler:innen &sbquo;zur&uuml;ckzugewinnen&lsquo;. Wir sehen das immer wieder: Die Demokrat:innen suchen best&auml;ndig den Dialog, aber die Demokratiefeind:innen haben gar kein Interesse daran, in ein konstruktives Gespr&auml;ch zu gehen. Da kann man sich schon irgendwann fragen, ob man die Energie, die das kostet, nicht vielleicht sinnvoller einsetzen k&ouml;nnte.</p>
<p><i>Als Gesch&auml;ftsstelle des Aktionsb&uuml;ndnisses Brandenburg seid ihr verantwortlich f&uuml;r Vernetzung und Unterst&uuml;tzung unterschiedlicher Initiativen im ganzen Land. Mit welchen Themen sind Initiativen auf euch zugekommen, was besch&auml;ftigt sie momentan?</i></p>
<p>Neben der Frage, wie wir auf die wachsende Bedrohung durch die extreme Rechte reagieren sollten, drehen sich viele Anliegen um das Stichwort Brandmauer. Viele drehen sich auch um den Umgang mit der AfD auf der einen, und um das sogenannte Neutralit&auml;tsgebot und Fragen der Gemeinn&uuml;tzigkeit auf der anderen Seite. Die AfD und andere extreme Rechte versuchen ja schon seit Jahren, die Erz&auml;hlung zu etablieren, Demokratieprojekte m&uuml;ssten sich &bdquo;politisch neutral&ldquo; verhalten. Das ist nat&uuml;rlich Unsinn: Das Einstehen f&uuml;r Grundrechte, die Werte der Verfassung kann nie &bdquo;neutral&ldquo; sein. Es gibt das Gebot der Chancengleichheit politischer Parteien, vor allem f&uuml;r staatliche Akteure. Aber das meint eben nicht, dass man sich nicht politisch &auml;u&szlig;ern d&uuml;rfte. Das suggeriert die AfD aber immer wieder und das wiederum verunsichert viele. Eng verwoben damit ist das Feindbild, dass die AfD schon vor Jahren konstruiert hat und jetzt neu auflegt: der angeblich &bdquo;staatlich finanzierte Linksextremismus&ldquo;. Beides ist in erster Linie eine Kommunikationsstrategie, es geht darum, Menschen einzusch&uuml;chtern. Inhaltlich ist das meiste, was da ins Feld gef&uuml;hrt wird, unhaltbar, da wird mit falschen Tatsachenbehauptungen hantiert, die aber so oft wiederholt werden, bis dann doch irgendwas h&auml;ngen bleibt. Sich hier nicht kirre machen zu lassen, sondern weiter f&uuml;r demokratische Werte einzustehen und sich zugleich gut auf etwaige Anfeindungen vorzubereiten, wird eine sehr schwierige Aufgabe sein. Und eine, die einen langen Atem erfordert.</p>
<p><i>Ihr habt viele Gespr&auml;che gef&uuml;hrt in dieser Wahlkampfzeit. Was schildern euch die Aktiven vor Ort: Welche Erfahrungen haben sie gemacht, wenn sie sich &ouml;ffentlich gegen Rechts engagieren?</i></p>
<p>Das ist sehr unterschiedlich. Wie bereits geschildert, gibt es vielerorts eine sehr aggressive Stimmung und die Aktiven stehen da zum Teil wirklich im Sturm. Mancherorts gibt es auch Probleme mit der Verwaltung, vor allem wegen verschiedener Missverst&auml;ndnisse bez&uuml;glich eines angeblichen Neutralit&auml;tsgebots. Selbstverst&auml;ndlich verst&ouml;&szlig;t es gegen kein Neutralit&auml;tsgebot, politische Veranstaltungen auf &ouml;ffentlichen Pl&auml;tzen oder in st&auml;dtischen Einrichtungen abzuhalten. Es gibt zuweilen eine Tendenz dazu, lieber die F&uuml;&szlig;e still zu halten, als einen Fehler zu machen. Aber das ist ja genau das, worauf die extreme Rechte abzielt &ndash; wenn das passiert, haben die quasi gewonnen. Umso sch&ouml;ner ist es, dass wir wirklich auch aus vielen Orten h&ouml;ren, dass den Menschen das Engagement in diesem Jahr Kraft gegeben hat, dass zum Beispiel eine neue Initiative entstanden ist, die zu mehr Lebendigkeit im Ort und zu mehr Gespr&auml;chen am Gartenzaun gef&uuml;hrt hat, dass Menschen sich neu oder anders kennengelernt haben und auch neue Kontakte gekn&uuml;pft haben. Zusammengenommen ist eins sehr auff&auml;llig: &Uuml;berall wird davon berichtet, dass Vernetzung neuerdings einen h&ouml;heren Stellenwert eingenommen hat, und alle sind sich einig, dass wir daran weiterarbeiten m&uuml;ssen. Es gibt durchaus auch die Stimmung: &bdquo;Die Zeiten sind schwierig, aber wir packen das jetzt gemeinsam an.&ldquo;</p>
<p><i>Die n&auml;chste Wahl steht bevor. Was muss jetzt aus eurer Sicht passieren, um sich als demokratische Zivilgesellschaft gut vorzubereiten?</i></p>
<p>Es stimmt schon, Wahlkampfzeiten sind besondere Zeiten. Aber wir sollten uns nicht zu stark darauf fokussieren. Vor uns liegen gro&szlig;e Aufgaben und die reichen weit &uuml;ber die n&auml;chste Wahl hinaus. Daher w&auml;re es wichtig, die n&auml;chste Zeit zu nutzen, um uns gemeinsam zu &uuml;berlegen, wo wir in drei oder auch f&uuml;nf Jahren stehen wollen und was es braucht, um das zu erreichen. Da denke ich vor allem daran, wie wir uns gut aufstellen k&ouml;nnen, um auf Anfeindungen und Angriffe vorbereitet zu sein. Wie k&ouml;nnen wir uns, auch &uuml;ber Differenzen hinweg, besser vernetzen? Wie k&ouml;nnen wir miteinander und voneinander lernen? Wie k&ouml;nnen wir f&uuml;reinander da sein, wenn einigen von uns ganz einfach die Puste ausgeht? Wie k&ouml;nnen wir noch besser aufeinander achten? Denn die Bedingungen f&uuml;r demokratisches Engagement werden vermutlich auf absehbare Zeit nicht besser werden. Aber wir sind uns hoffentlich alle einig, dass Aufh&ouml;ren keine Option ist.</p>
<hr>
<p>Die geht es zur aktuellen Ausgabe der <a href="https://www.opferperspektive.de/schattenberichte" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="schattenberichte (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Schattenberichte &ndash; Neuigkeiten aus der Opferperspektive</a>.</p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/schattenberichte/aufhoeren-ist-keine-option-interview-mit-maica-vierkant-vom-aktionsbuendnis-brandenburg">„Aufhören ist keine Option“ – Interview mit Maica Vierkant vom Aktionsbündnis Brandenburg</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Orazio Giamblanco</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Opferperspektive e.V.]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Mar 2024 14:50:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Orazio Giamblanco]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 30. September 1996 wurde Orazio Giamblanco in Trebbin, einer Kleinstadt s&#252;dlich von Berlin, Opfer eines rassistischen Angriffs. Der T&#228;ter schlug ihm mit einem Baseballschl&#228;ger mit voller Wucht gegen den Kopf und nahm dabei seinen Tod in Kauf. Orazio &#252;berlebte den brutalen &#220;berfall schwer verletzt und war seitdem pflegebed&#252;rftig. Seine Lebenspartnerin Angelica Stavropolou und deren [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<?xml encoding="UTF-8"><p class="wp-block-paragraph">Am 30. September 1996 wurde Orazio Giamblanco in Trebbin, einer Kleinstadt s&uuml;dlich von Berlin, Opfer eines rassistischen Angriffs. Der T&auml;ter schlug ihm mit einem Baseballschl&auml;ger mit voller Wucht gegen den Kopf und nahm dabei seinen Tod in Kauf. Orazio &uuml;berlebte den brutalen &Uuml;berfall schwer verletzt und war seitdem pflegebed&uuml;rftig. Seine Lebenspartnerin Angelica Stavropolou und deren Tochter Efthimia Berdes begleiteten und unterst&uuml;tzen Orazio bis zu seinem Tod am 27. Mai 2024.</p><p class="wp-block-paragraph">Seit 1997 hat der Journalist Frank Jansen vom Tagesspiegel Orazio und seine Familie begleitet und in seinen Artikeln &uuml;ber ihr Schicksal und ihren t&auml;glichen Kampf gegen die Folgen der rechten Gewalttat berichtet. F&uuml;r seine Reportagen wurde Frank Jansen mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Mit freundlicher Genehmigung des Tagesspiegel d&uuml;rfen wir diese auch auf unserer Webseite ver&ouml;ffentlichen.</p><div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div><h3 class="wp-block-heading">Alle Reportagen &uuml;ber Orazio Giamblanco</h3><p class="wp-block-paragraph">01.10.2025 <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/reportage_orazio_giamblanco_2025" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="reportage orazio giamblanco 2025 (&ouml;ffnet in neuem Tab)">&bdquo;Ganz viel Hochachtung und Respekt&ldquo;: Partnerin von Orazio Giamblanco mit 73 Jahren verstorben</a></p><p class="wp-block-paragraph">01.12.2024 <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/reportage_orazio_giamblanco_2024-1-2" aria-label="reportage orazio giamblanco 2024 1 2">Nach dem Tod von Orazio Giamblanco: &bdquo;Ich bin Schrott&ldquo; &ndash; auch die Hinterbliebenen sind ein Leben lang Opfer rechter Gewalt</a></p><p class="wp-block-paragraph">03.12.2023 <a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/reportage_orazio_giamblanco_2023" aria-label="reportage orazio giamblanco 2023">Ein t&auml;glicher Kampf: Trebbins B&uuml;rgermeister besucht Opfer Orazio Giamblanco 27 Jahre nach Neonazi-Angriff</a></p><p class="wp-block-paragraph">27.11.2022 <a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/reportage-orazio-giamblanco-2022" aria-label="reportage orazio giamblanco 2022">Zur&uuml;ck in den aufrechten Stand: Der Kampf des Orazio Giamblanco &ndash; 26 Jahre nach einem Nazi-Angriff</a></p><p class="wp-block-paragraph">26.11.2021 <a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/reportage-orazio-giamblanco-2021" aria-label="reportage orazio giamblanco 2021">Opfer eines Nazi-Angriffs: 25 Jahre Qualen &ndash; das Leid von Orazio Giamblanco und seiner Familie</a></p><p class="wp-block-paragraph">29.11.2020 <a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/spendensammlung-fuer-orazio-giamblanco" aria-label="spendensammlung fuer orazio giamblanco">Wie Orazio Giamblanco 24 Jahre nach einem rassistischen Angriff leidet</a></p><p class="wp-block-paragraph">30.11.2019 <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/lebenslanglich-opfer-rechter-gewalt" title="" aria-label="lebenslanglich opfer rechter gewalt">Lebensl&auml;nglich Opfer rechter Gewalt</a></p><p class="wp-block-paragraph">02.12.2018 <a href="/aktuelles/spenden-fuer-orazio-giamblanco-2" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="spenden fuer orazio giamblanco 2 (&ouml;ffnet in neuem Tab)">&raquo;Dieses Jahr war ganz schlecht&laquo;</a></p><p class="wp-block-paragraph">09.12.2017 <a href="/aktuelles/orazio-giamblanco-nur-noch-durchhalten" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="orazio giamblanco nur noch durchhalten (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Nur noch durchhalten</a></p><p class="wp-block-paragraph">30.11.2016 <a href="/aktuelles/orazio-giamblanco-weiterleben-einige-monate-so-und-einige-monate-so" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="orazio giamblanco weiterleben einige monate so und einige monate so (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Weiterleben. Einige Monate so, und einige Monate so.</a></p><p class="wp-block-paragraph">27.11.2015 <a href="/aktuelles/spendenaufruf-fuer-orazio-giamblanco-3" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="spendenaufruf fuer orazio giamblanco 3 (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Und Orazio k&auml;mpft und k&auml;mpft und &hellip;</a></p><p class="wp-block-paragraph">02.12.2014 <a href="/aktuelles/spendenaufruf-fuer-orazio-giamblanco-2" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="spendenaufruf fuer orazio giamblanco 2 (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Orazio k&auml;mpft sich durchs Leben</a></p><p class="wp-block-paragraph">01.12.1013 <a href="/aktuelles/spendenaufruf-fuer-orazio-giamblanco" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="spendenaufruf fuer orazio giamblanco (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Orazio Giamblancos Familie lebt mit der Last</a></p><p class="wp-block-paragraph">02.12.2012 <a href="/aktuelles/mit-letzter-kraft-2" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="mit letzter kraft 2 (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Orazio Giamblanco k&auml;mpft mit dem Alter</a></p><p class="wp-block-paragraph">02.12.2011 <a href="https://www.tagesspiegel.de/politik/rechtsextremismus/neonazi-opfer-orazio-giamblanco-will-seinen-peiniger-einladen/5916418.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer" aria-label="5916418 (&ouml;ffnet in neuem Tab)">Orazio Giamblanco will seinen Peiniger einladen</a></p><p class="wp-block-paragraph">12.12.2010 <a href="/aktuelles/jede-bewegung-kostet-kraft" aria-label="jede bewegung kostet kraft">Jede Bewegung kostet Kraft</a></p><p class="wp-block-paragraph">14.12.2009 <a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/ich-konnte-mir-das-nicht-vorstellen" aria-label="ich konnte mir das nicht vorstellen">&raquo;Ich konnte mir das nicht vorstellen&laquo;</a></p><p class="wp-block-paragraph">14.12.2008 <a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/jede-stufe-kostet-kraft" aria-label="jede stufe kostet kraft">Jede Stufe kostet Kraft</a></p><p class="wp-block-paragraph">09.12.2007 <a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/Das-Jahr-elf-danach/" aria-label="Das Jahr elf danach">Das Jahr elf danach</a></p><p class="wp-block-paragraph">11.12.2006 <a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/Ich-verzeihe-ihm-jetzt/" aria-label="Ich verzeihe ihm jetzt">&raquo;Ich verzeihe ihm jetzt&laquo;</a></p><p class="wp-block-paragraph">18.12.2005 <a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/die-hoffnung-wird-schwaecher" aria-label="die hoffnung wird schwaecher">Die Hoffnung wird schw&auml;cher</a></p><p class="wp-block-paragraph">12.12.2004 <a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/der-taegliche-kampf-um-jeden-schritt" aria-label="der taegliche kampf um jeden schritt">Der t&auml;gliche Kampf um jeden Schritt</a></p><p class="wp-block-paragraph">24.12.2003 <a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/siziliens-sonne" aria-label="siziliens sonne">Siziliens Sonne</a></p><p class="wp-block-paragraph">03.12.2002 <a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/reue-von-rechts" aria-label="reue von rechts">Reue von rechts</a></p><p class="wp-block-paragraph">18.12.2001 <a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/einmal-noch-nach-sizilien" aria-label="einmal noch nach sizilien">Einmal noch nach Sizilien</a></p><p class="wp-block-paragraph">10.12.2000 <a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/ein-kleines-wunder" aria-label="ein kleines wunder">Ein kleines Wunder</a></p><p class="wp-block-paragraph">17.10.1999 <a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/im-herbst-ist-die-qual-am-groessten" aria-label="im herbst ist die qual am groessten">Im Herbst ist die Qual am gr&ouml;&szlig;ten</a></p><p class="wp-block-paragraph">29.10.1998 <a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/dem-koerper-zentimeterweise-fortschritte-abringen" aria-label="dem koerper zentimeterweise fortschritte abringen">Dem K&ouml;rper zentimeterweise Fortschritte abringen</a></p><p class="wp-block-paragraph">30.09.1997 <a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/lebenslaenglich-opfer" aria-label="lebenslaenglich opfer">Lebensl&auml;nglich Opfer</a></p><p class="wp-block-paragraph">06.04.1997 <a href="https://www.opferperspektive.de/aktuelles/verletzt-verarztet-vergessen" aria-label="verletzt verarztet vergessen">Verletzt, verarztet &ndash; vergessen?</a></p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/artikel_interviews/orazio-giamblanco-reportagen">Orazio Giamblanco</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Brandenburg 2023: Bedrohliche Demos, starke AfD und massive Gewalt</title>
		<link>https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/jahresrueckblick_2023_brandenburg</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Opferperspektive e.V.]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jan 2024 15:11:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles & Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel & Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Belltower News]]></category>
		<category><![CDATA[Jahresbericht]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zuletzt erschienen bei Belltower News (11. Januar 2024). Der Jahresr&#252;ckblick 2023 f&#228;llt in Brandenburg d&#252;ster aus. Die AfD scheint immer mehr Unterst&#252;tzer*innen zu gewinnen. Das zeigt sich auch auf den Stra&#223;en. Joschka Fr&#246;schner, der beim Verein Opferperspektive Betroffene rechter Gewalt ber&#228;t, zieht eine ern&#252;chternde Bilanz f&#252;r das vergangene Jahr. Denn Worten folgen Taten: In Brandenburg [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/jahresrueckblick_2023_brandenburg">Brandenburg 2023: Bedrohliche Demos, starke AfD und massive Gewalt</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><?xml encoding="UTF-8"></p>
<p>Zuletzt erschienen bei <a href="https://www.belltower.news/brandenburg-2023-bedrohliche-demos-starke-afd-und-massive-gewalt-154977/" aria-label="brandenburg 2023 bedrohliche demos starke afd und massive gewalt 154977">Belltower News (11. Januar 2024)</a>.
</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Der Jahresr&uuml;ckblick 2023 f&auml;llt in Brandenburg d&uuml;ster aus. Die AfD scheint immer mehr Unterst&uuml;tzer*innen zu gewinnen. Das zeigt sich auch auf den Stra&szlig;en.</strong></p>
<p style="text-align: justify">Joschka Fr&ouml;schner, der beim Verein Opferperspektive Betroffene rechter Gewalt ber&auml;t, zieht eine ern&uuml;chternde Bilanz f&uuml;r das vergangene Jahr. Denn Worten folgen Taten: In Brandenburg kommt es regelm&auml;&szlig;ig zu &Uuml;bergriffen aus rechten Demos heraus, Gegendemonstrant*innen werden angegriffen. Vor allem nicht-wei&szlig;e Menschen werden wieder immer &ouml;fter Opfer massiver Gewalt.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Belltower.News: Was waren in Brandenburg die wichtigsten Ereignisse rechtsau&szlig;en 2023?</strong><br />
Das weitere Erstarken der AfD, mit immer h&ouml;heren Umfragewerten, die Pr&auml;senz, die sie auch in kleineren Orten entfaltet, ist aktuell pr&auml;gend f&uuml;r die Stimmung in Brandenburg. In einigen Landkreisen gab es im vergangenen Jahr Wahlen, bei denen Kandidat*innen der AfD in die Stichwahlen gekommen sind. Es gab B&uuml;rgermeister*innenwahlen mit aussichtsreichen AfD-Kandidaten, die es knapp nicht geschafft haben. Die Bedrohungssituation und die Gefahr f&uuml;r Leute, die sich gegen die AfD stellen, kann man vergleichen mit der bei NPD-Demonstrationen in der Vergangenheit oder bei solchen aus dem Kameradschaftsspektrum.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Als Beratungsstelle schaut die Opferperspektive in erster Linie auf konkrete Gewalttaten und unterst&uuml;tzt die Betroffenen. Gab es die im Zusammenhang mit der AfD auch?</strong><br />
Es kam am Rande von mehreren AfD-Kundgebungen zu &Uuml;bergriffen auf Gegendemonstrant*innen. <a href="https://www.opferperspektive.de/rechte-angriffe/chronologie-rechter-angriffe/mittenwalde-2" aria-label="mittenwalde 2">Zum Beispiel in Mittenwalde im April</a>, dort wurde ein Gegendemonstrant niedergeschlagen, um ihm eine Fahne zu rauben. In Luckenwalde gab es im September eine sehr unangenehme Demonstration, wo Gegendemonstranten eine bedrohliche Stimmung beschrieben haben, die sie so schon lange nicht mehr erlebt h&auml;tten. Ein rechter Demonstrationsteilnehmer hat versucht, eine Demonstrantin mit einem Laserpointer zu blenden. Ein weiterer Rechter ist mit seinem Fahrrad in die Gegenkundgebung gefahren und hat eine teilnehmende Person geschlagen. Diese Kundgebungen sind ein Indikator daf&uuml;r, dass die AfD in Brandenburg ganz eindeutig eine extrem rechte Partei ist, die eine aggressiv k&auml;mpferische Anh&auml;ngerschaft um sich schart. Mit Sorge blicken wir jetzt schon auf die Situation in 2024, wenn Wahlen anstehen, denn das hei&szlig;t die Kundgebungen werden sich h&auml;ufen und die Situation wird sich zuspitzen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gibt es in der Brandenburger AfD noch Auseinandersetzungen zwischen vermeintlich gem&auml;&szlig;igten und radikalen Stimmen?</strong><br />
Es gibt zwar immer wieder interne Konflikte, aber die entz&uuml;nden sich nicht zwischen einer gem&auml;&szlig;igteren und einer extrem rechten Haltung, sondern das sind Grabenk&auml;mpfe innerhalb des extremen rechten Milieus, die da ausgefochten werden. Das wird schon am Personal deutlich. Christoph Berndt, der Fraktionsvorsitzende der Partei im Landtag, ist eng mit dem von ihm gegr&uuml;ndeten Verein &bdquo;Zukunft Heimat&rdquo; verkn&uuml;pft, der seit 2015 rassistische Demos veranstaltet und von Anfang an den Schulterschluss mit extremen rechten Kr&auml;ften, auch jenseits der AfD gesucht hat.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wie macht sich der Einfluss der Partei abseits von Demonstrationen bemerkbar?</strong><br />
Wenn es Berichterstattung zu rechten Vorf&auml;llen oder rassistischen &Uuml;bergriffen gibt, ist die AfD immer wieder ein Sprachrohr f&uuml;r diejenigen, die T&auml;ter-Opfer-Umkehr betreiben und das Vorkommen von rassistischer Gewalt in Frage stellen. Beispielhaft wird das an Steffen Kotr&eacute; sichtbar, der &uuml;ber die Brandenburger Landesliste in den Bundestag gew&auml;hlt wurde und der immer wieder mit extrem rechten &Auml;u&szlig;erungen auff&auml;llt. <a href="https://www.belltower.news/rechtsextremer-alltag-in-brandenburg-149885/" aria-label="rechtsextremer alltag in brandenburg 149885">Als im Mai eine Sch&uuml;ler*innengruppe aus Berlin in seinem Wahlkreis Dahme -Spreewald von Rechten bedroht und angegriffen wurde</a>, war er einer von denen, die die Geschehnisse in Frage gestellt und gesagt haben, es sei vielleicht auch ganz anders gewesen. &Auml;hnliches haben wir als Beratungsstelle auch in vergleichbaren F&auml;llen erlebt, beispielsweise als in Lieberose, ebenfalls im Landkreis Dahme-Spreewald, <a href="https://www.opferperspektive.de/rechte-angriffe/chronologie-rechter-angriffe/lieberose" aria-label="lieberose">eine bosnische Familie drangsaliert, angegriffen und zum Teil verletzt wurde</a>, sodass sie den Ort wieder verlassen haben. Auch da haben wir gemerkt, dass wir uns damit auseinandersetzen m&uuml;ssen, dass Erfahrungsberichte von Betroffenen immer st&auml;rker in Frage gestellt werden und dabei spielt die AfD eine wichtige Rolle.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Welche Themen waren 2023 sonst noch wichtig?</strong><br />
Sowohl politisch als auch beraterisch haben wir uns verst&auml;rkt mit Vorf&auml;llen in Schulen besch&auml;ftigt. Da gab es zum Beispiel in Burg im Spreewald einen offenen Brief, den Lehrer*innen verfasst haben, nachdem eine gr&ouml;&szlig;ere Gruppe von Sch&uuml;ler*innen durch extrem rechte Parolen aufgefallen ist, den Hitlergru&szlig; gezeigt haben und nicht-rechte Sch&uuml;ler*innen eingesch&uuml;chtert und bedroht hat. Gegen dieses Engagement der Lehrer*innen gab es massiven Widerstand. Unter anderem wurden im Ort rechtsextrem Sticker geklebt, die beiden Lehrer*innen sind im Alltag bedroht und angefeindet worden. Jean-Pascal Hohm, Vorsitzender der AfD in Cottbus hat diese Hetze gegen die beiden Lehrer*innen immer weiter befeuert und als die beiden am Ende deswegen die Schule verlassen haben, hat er das als erfolgreiches b&uuml;rgerschaftliches Engagement bezeichnet.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Wart ihr &uuml;berrascht von den Geschehnissen in Burg?</strong><br />
Zu Beginn der Berichterstattung &uuml;ber den Vorfall hie&szlig; es ja lediglich, dass es sich um eine Schule in S&uuml;d-Brandenburg handelt. Zu diesem Zeitpunkt sind viele Leute davon ausgegangen, dass ihre eigene Schule gemeint sein k&ouml;nnte. Das ist ein deutliches Zeichen, dass wir hier mitnichten von Einzelf&auml;llen sprechen, wenn es um rechte Umtriebe im Schulumfeld geht. Wir sind beraterisch in Schulen in ganz Brandenburg unterwegs und verzeichnen eine enorm hohe Zahl von Betroffenen. Wir gehen davon aus, dass sich die Zahl der angegriffen Kinder im Vergleich zum Vorjahr auf jeden Fall mehr als verdoppeln wird. Dabei geht es um Angriffe im schulischen Umfeld durch Gleichaltrige, aber auch um Angriffe von Erwachsenen auf Kinder. Das ist ein weiteres Zeichen von Enthemmung rechter und vor allem rassistischer Ideologie.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gibt es auch noch andere Rechtsau&szlig;en-Akteure, au&szlig;er der AfD, die in Brandenburg aktiv sind?</strong><br />
Der &bdquo;III. Weg&rdquo; ist auf jeden Fall nach wie vor in Brandenburg relevant und hat auch versucht, an dieses Schulthema anzudocken und hierzu eigene Flyer produziert. Die Neonazis legen den Fokus aber eher auf interne Organisierung als auf &ouml;ffentlichkeitswirksame Aktion. Zum Beispiel im Raum M&auml;rkisch-Oderland bis ins Berliner Umland merkt man, dass sich da Kameradschaftsstrukturen wie die Kameradschaft MOL, die noch 2022 sehr auff&auml;llig war, mit dem &bdquo;III. Weg&rdquo; verbinden. Die NPD, jetzt die Heimat, ist in Brandenburg aktuell tats&auml;chlich nicht mehr relevant. Es kommt immer noch zu Gewalttaten aus diesem Milieu, aber der Gro&szlig;teil der rechten Gewalttaten wird nicht von Personen ver&uuml;bt, die eindeutig zu rechten Szenestrukturen geh&ouml;ren, sondern es sind h&auml;ufig Gelegenheitstaten.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Was ist aus den &bdquo;Querdenker*innen&rdquo; geworden?</strong><br />
In Frankfurt an der Oder ist nach wie vor eine Gruppe aus dem verschw&ouml;rungsideologischen Corona-Leugnungs-Spektrum aktiv und h&auml;lt weiterhin Demos ab: die &ldquo;Freigeister&rdquo;. Personen, die sich an einer Sitzblockade beteiligt haben, um einen dieser Aufm&auml;rsche zu blockieren, wurden k&ouml;rperlich angegriffen, und die &ldquo;Freigeister&rdquo; treten zum Teil auch an Schulen offensiv auf und versuchen dort ihr Material zu verteilen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gibt es einen besonderen ideologischen Fokus aktuell?</strong><br />
Ein zentraler Fokus rechter Ideologiebildung und Vernetzung zwischen unterschiedlichen Szenen ist LGBTQ*-Feindlichkeit und Antifeminismus im weiteren Sinne. Und das hat leider auch einen Einsch&uuml;chterungseffekt f&uuml;r die queere Community in Brandenburg. Im Vergleich zu den Vorjahren haben queerfeindliche &Uuml;bergriffe deutlich zugenommen.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Im Juni sind Kommunalwahlen in Brandenburg und im Herbst Landtagswahlen. Wie ist die Stimmung?</strong><br />
In der engagierten Zivilgesellschaft hat das Bedrohungsgef&uuml;hl zugenommen. Die AfD hat sich derma&szlig;en etabliert, dass Leute vor allem in den kleineren Orten und St&auml;dten gar nicht mehr wissen, wo die politischen Gegner*innen sind, weil sie einen umgeben und keine klare Abgrenzung mehr da ist. Verunsicherung ist aktuell weit verbreitet. Aber: An vielen Orten in Brandenburg gibt es Menschen, die sich Gedanken machen und &uuml;berlegen, was man gerade jetzt in diesem Wahljahr tun kann.</p>
<p style="text-align: justify">Ich komme nochmal auf Burg zur&uuml;ck, denn da hat es Bewegung gegeben. Die Lehrer*innen haben ein B&uuml;ndnis gegr&uuml;ndet, so ist das &bdquo;Netzwerk f&uuml;r mehr Demokratie an Schulen&ldquo; entstanden und f&uuml;r das Thema wurde Aufmerksamkeit hergestellt. Leute haben sich zusammengefunden, sich dazu ge&auml;u&szlig;ert und sich aus der Deckung gewagt und nicht geschwiegen. Das wiederum macht auch die Bedrohungslage deutlich: Denn diese Positionierungen f&uuml;hren zu Reaktionen von den Rechten. Ein Beispiel ist der <a href="https://www.opferperspektive.de/rechte-angriffe/chronologie-rechter-angriffe/spremberg-28" aria-label="spremberg 28">Brandanschlag auf die Spremberger Kirchengemeinde im Juni 2023</a>. Sie hatte eine Regenbogenfahne am Geb&auml;ude befestigt, die mit einem Molotowcocktail in Brand gesetzt werden sollte. Der Anschlag ist zwar gescheitert, aber in dem Geb&auml;ude haben Leute geschlafen. Die Gefahr, dass Menschen sterben, war also durchaus gegeben. In dem Ort haben sich auch einige zu den Vorg&auml;ngen in Burg positioniert und Rechtsextremismus verurteilt. Wie geht man damit um? Sich zu engagieren kann bedeuten, dass man selber angegriffen und angefeindet wird.</p>
<p style="text-align: justify"><strong>Gab es 2023 neue Trends, die ihr beobachtet habt?</strong><br />
Sozialdarwinismus. Da gehen wir von einem gro&szlig;en Dunkelfeld aus, weil Zug&auml;nge f&uuml;r wohnungslose Menschen oder Menschen mit Suchterkrankungen schwer zu schaffen sind und die Betroffenengruppen h&auml;ufig nicht in Hilfe-Systeme eingebunden sind. Aber da haben wir 2023 einige F&auml;lle, die zum Teil mit massiver, Gewalt, Erniedrigung und &auml;hnlichem einhergehen. <a href="https://www.opferperspektive.de/rechte-angriffe/chronologie-rechter-angriffe/prenzlau-89" aria-label="prenzlau 89">Mitte des Jahres wurde etwa ein wohnungsloser Mann in Prenzlau durch mehrere Jugendliche angegriffen</a>, die ihn nicht nur l&auml;nger drangsaliert, sondern die Tat auch noch gefilmt und ins Internet gestellt haben.</p>
<p style="text-align: justify">Und wir hatten 2023 einige rechte Gewalttaten mit sehr schweren Tatfolgen. Das waren rassistisch motivierte Taten im direkten Wohnumfeld, die nicht zuletzt dazu f&uuml;hren, dass die Betroffenen das Sicherheitsgef&uuml;hl verlieren. <a href="https://www.opferperspektive.de/rechte-angriffe/chronologie-rechter-angriffe/wittstock-12" aria-label="wittstock 12">Zum Beispiel der Angriff auf einen jungen schwarzen Mann in Wittstock</a>, der schon seit langer Zeit von einer rechten Gruppe in seiner Nachbarschaft bedroht und drangsaliert wurde. Im Juni 2023 haben die ihn vom Fahrrad gerissen und mit einem Messer auf seinen Kopf eingestochen. Seither traut er sich kaum noch alleine auf die Stra&szlig;e. Oder die polnische Familie, die in einem Wohnblock in der Uckermark von der gesamten Nachbarschaft rassistisch gemobbt wird. Der Vater wurde, in Begleitung seines Sohnes, auf der Stra&szlig;e angegriffen. Die T&auml;ter haben ihm gegen den Kopf getreten, als er schon am Boden lag. Von den Folgen dieses Angriffs wird der Mann sich f&uuml;r den Rest seines Lebens nicht mehr erholen.</p><p>The post <a href="https://www.opferperspektive.de/materialien/aktuelles_termine/jahresrueckblick_2023_brandenburg">Brandenburg 2023: Bedrohliche Demos, starke AfD und massive Gewalt</a> first appeared on <a href="https://www.opferperspektive.de">Opferperspektive e.V. Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Brandenburg</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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