Statistik rechter Gewalttaten in Brandenburg

Seit 2002 wertet die Opferperspektive registrierte rechte Gewalttaten statistisch aus.

Für das Jahr 2017 hat der Verein Opferperspektive 171 rechte Gewalttaten erfasst. Dies stellt zwar einen
Rückgang gegenüber den Vorjahren (2015: 203, 2016: 221 Angriffe) dar, allerdings ist die Gesamtzahl der
Angriffe immer noch die dritthöchste, die seit Beginn des Monitorings im Jahr 2001 durch die
Beratungsstelle dokumentiert wurde. Die Zahl der Körperverletzungsdelikte liegt sogar über der Zahl von
2015. Somit bleibt rechte Gewalt in Brandenburg ein gesamtgesellschaftliches Problem – vor allem in
Hinblick auf rassistisch motivierte Taten. Ihr Anteil (84 Prozent) an der Gesamtsumme der gezählten
Übergriffe ist höher als jemals zuvor.

Neben rassistisch motivierten Gewalttaten, die flächendeckend in sämtlichen Landkreisen in Brandenburg
die häufigste Tatmotivation bilden, wurden durch die Opferperspektive vor allem körperliche Angriffe auf
politische Gegner_innen registriert. Dabei handelt es sich oft um Taten, die sich im Umfeld von
Demonstrationen ereigneten. Auch waren in diesem Jahr Menschen von Gewalt betroffen, die sich in der
Flüchtlingsunterstützung engagieren. Hinsichtlich der 25 im Land Brandenburg verübten Übergriffe auf
Personen, denen durch die TäterInnen eine politische Gegnerschaft zugeschrieben wurde, bildet Cottbus
einen Schwerpunkt. Zu den 6 Taten, die in der kreisfreien Stadt gezählt wurden, kommen weitere 4
Übergriffe hinzu, die durch Angreifer aus dem rechten Cottbuser Hooliganspektrum in anderen Brandenburger Städten begangen wurden. Lediglich zwei Angriffe auf Nicht-Rechte und Alternative wurden
im Jahr 2017 durch die Beratungsstelle verzeichnet. In den vergangenen Jahren richteten sich die
entsprechenden Übergriffe häufig gegen Jugendliche, mit dem Ziel diese von zentralen Plätzen und aus dem
öffentlichen Raum zu vertreiben. Eine Fokusverschiebung auf junge Geflüchtete bei rechten Tätergruppen
diesbezüglich stellt aus Sicht der Opferperspektive einen Erklärungsansatz für den Rückgang bei Angriffen
auf Alternative dar. Neben den oben beschriebenen Tatmotivationen wurde ein sozialdarwinistisches
Gewaltdelikt, das sich gegen einen Menschen mit Behinderung richtete, registriert. Hier muss betont werden,
dass der Verein wie auch bei den anderen Tatmotivationen von einer hohen Dunkelziffer ausgeht.

Im Jahr 2017 waren 264 Personen direkt und 161 Personen indirekt durch rechte Gewalttaten betroffen. Dies
stellt einen Rückgang gegenüber den Vorjahren dar (2016: 335 direkt, 196 indirekt Betroffene). Entgegen des
Trends deutlich zugenommen hat allerdings die Zahl der betroffenen Kinder (vollendetes 13. Lebensjahr
oder jünger). Die Opferperspektive erlangte Kenntnis von 35 Kindern, die 2017 Opfer rechter Gewalttäter
wurden – eine deutliche Zunahme gegenüber 2016 (22) und 2015 (26). Die jüngste Betroffene, die statistisch
erfasst wurde, ein zweijähriges Kind afghanischer Herkunft, wurde gemeinsam mit ihrer sechsjährigen
Schwester am 9. Mai 2017 in Lindow (Mark) körperlich angegriffen. Diese Entwicklung ist sicherlich
besonders besorgniserregend, zeugt sie doch von einer fortschreitenden Auflösung gesellschaftlicher Tabus
bei rechten Gewalttätern.

Stand: 13. März 2018

Die Fallzahlen des Landeskriminalamts (LKA) und der Opferperspektive sind nicht direkt vergleichbar. Die Opferperspektive erfasst zusätzlich zu den vom Landeskriminalamt nach der Definition Politisch motivierte Kriminalität-rechts gezählten Delikten auch Bedrohungen, Nötigungen und Sachbeschädigungen. Bis 2005 waren, wenn man nur die nach dem Erfassungssystem PMK-rechts erhobenen Delikte betrachtet, dennoch erhebliche Abweichungen vorhanden. Seit 2006 enthält die Statistik der Opferperspektive auch Fälle, die nur dem LKA bekannt wurden. Diese werden regelmäßig den Antworten der Landesregierung Brandenburg auf Kleine Anfragen der Landtagsfraktion der Partei DIE LINKE entnommen.

Zahl rechter Gewalttaten und Geschädigter

Statistik 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009
Gewalttaten (OPP) 130 117 137 140 140 159 104 101
Gewalttaten (LKA) 78 87 105 97 90 93 71 69
Direkt Geschädigte (OPP) 171 152 179 196 206 262 174 138
Statistik 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Gewalttaten (OPP) 108 87 95 85 98* 203 221 171
Gewalttaten (LKA) 66 39 58 48 73 129 167
Direkt Geschädigte (OPP) 149 158 146 113 124 415 335 264

*mit Nachmeldungen

Zahl rechter Straftaten nach Tatmotiven

Motiv 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Rassismus 50 67 30 49 49 35 46 39 58 138 175 143
Antisemitismus 8 2 2 3 2 2 0 1 1 4 1 0
Homophobie 0 0 2 0 0 1 1 1 1 2 2 0
gegen Menschen mit Behinderung 1 1 1 0 0 0 0 2 0 1 1 1
gegen sozial Benachteiligte 0 1 1 1 0 1 2 2 2 4 0 0
gegen politische Gegner 30 39 34 26 25 25 31 30 19 36 24 25
gegen nicht Rechte 42 38 32 18 27 23 15 10 11 9 14 2
Sonstiges 1 0 0 0 0 0 0 0 0 9 4 0
Unklar 8 11 2 4 5 0 0 0 0 0 0 0

Stand: 13..März 2018

Die Situation bleibt landesweit besorgniserregend. Zwar ist punktuell ein Rückgang rechter Gewalttaten festzustellen (in Frankfurt (Oder), Havelland, Ostprignitz-Ruppin, Spree-Neiße und Märkisch-Oderland). In den meisten Landkreisen ist jedoch ein weiterer Anstieg bzw. gleichbleibend hohe Angriffszahlen zu verzeichnen.

Besonders bedrohlich ist die Situation in Cottbus. In Cottbus zeugen 32 rechte Angriffe im Jahr 2017 davon, dass eine militante rechte Szene versucht, den öffentlichen Raum der Stadt zu dominieren.

Insbesondere der hohe Anteil rassistischer Gewalttaten lässt sich auf einen enthemmten Vertreibungswillen bei den TäterInnen zurückführen. Die Opferperspektive ruft Zivilgesellschaft, Kommunalverwaltungen und Landesregierung auf, alles dafür zu tun, die rechte Gewaltwelle zu beenden. Dazu ist es notwendig rassistischer Hetze entschieden entgegenzutreten, Diskriminierungen abzubauen und ein gewaltfreies Zusammenleben aller Menschen in Brandenburg zu fördern.

Zahl rechter Gewalttaten nach Landkreisen und kreisfreien Städten

Landkreis/Kreisfreie Stadt 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Barnim 10 6 3 6 7 5 2 3 2 4 6 6 8 6 5 11
Brandenburg an der Havel 1 1 2 2 1 1 3 0 2 2 3 4 2 5 5 5
Cottbus 13 9 9 9 7 13 5 13 19 10 7 5 10 28 41 32
Dahme-Spreewald 12 3 7 9 13 6 4 4 3 3 4 0 4 10 4 4
Elbe-Elster 1 2 1 5 1 10 1 2 3 1 0 1 4 5 5 5
Frankfurt (Oder) 5 7 6 2 13 9 5 5 0 11 6 2 3 8 16 5
Havelland 14 18 24 17 11 13 6 10 2 2 3 0 4 9 11 2
Märkisch-Oderland 4 7 15 6 3 9 8 8 7 7 2 4 3 9 13 2
Oberhavel 6 6 5 7 10 12 8 1 8 4 3 1 7 17 11 12
Oberspreewald-Lausitz 7 1 4 4 2 3 2 4 2 3 6 2 5 5 6 7
Oder-Spree 3 1 12 15 7 9 6 3 3 5 5 2 6 7 9 9
Ostprignitz-Ruppin 9 6 7 9 7 8 6 7 15 13 9 4 3 16 21 16
Potsdam 12 15 15 27 22 14 17 12 7 7 10 12 8 13 9 11
Potsdam-Mittelmark 2 6 7 8 9 8 2 4 3 3 2 2 3 5 6 7
Prignitz 4 5 1 3 2 3 4 3 4 1 2 3 3 7 5 8
Spree-Neiße 15 5 1 0 7 13 10 8 16 4 10 20 9 29 27 8
Teltow-Fläming 3 4 10 5 10 9 4 6 7 2 8 4 4 8 11 14
Uckermark 8 15 8 6 8 14 9 6 5 5 10 6 6 16 16 13

Stand: 13. März 2018

Diese Daten geben die regionale Verteilung rechter Gewalttaten in Brandenburg nach Verwaltungsgebieten wieder. Die Landkreise und Städte können nicht direkt verglichen werden. Enthalten sind nur Daten, die der Opferperspektive bekannt wurden, und die Quellenlage ist unterschiedlich gut. In der Größe, Einwohnerzahl und Sozialstruktur gibt es zudem erhebliche Unterschiede.

Pressemitteilungen

Einmal im Jahr gibt die Opferperspektive eine Pressemitteilung heraus, in der die statistische Entwicklung rechter Gewalt dargestellt und analysiert wird. Auf Grund von Nachmeldungen weichen die dort publizierten Zahlen von der auf dieser Seite wiedergegebenen Statistik ab.

2017: Anzahl rechter Gewalttaten in Brandenburg ungebrochen hoch

2016: Rechte Gewalt in Brandenburg auf unverändert hohem Stand

2015: Rechte und rassistische Gewalt in Brandenburg eskaliert

2014: Rassistische Gewalt steigt auch in Brandenburg

2013: Keine Entwarnung in Brandenburg: Anzahl rechter Angriffe bleibt auf gleichem Niveau

2012: Zunahme rassistischer Angriffe in Brandenburg

2011: Anzahl rechter Angriffe in Brandenburg weiterhin hoch

2010: Rechte Gewalt in Brandenburg stabilisiert sich auf hohem Niveau

2009: Rechte Gewalt in Brandenburg weiter auf hohem Niveau

2008: Weniger rechte Gewalttaten in Brandenburg

2007: Zahl rechter Gewalttaten unverändert hoch und Mehr rechte Gewalttaten

2005: Mehr rechte Angriffe auf alternative Jugendliche

2004: Rechte Gewalt erreicht Höchststand

2003: Gewaltige Abweichungen bei Angriffszahlen

2002: Mehr rechte Gewalt in Brandenburg

, ,