Pressemitteilung: Prozessbeginn gegen Mitglieder der rechtsterroristischen Gruppe „Letzte Verteidigungswelle“


Am 5. März 2026 beginnt vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg der Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder der rechtsterroristischen Gruppe „Letzte Verteidigungswelle“. Zwei Beschuldigten wird unter anderem der Brandanschlag auf die Gaststätte „Kultberg“ im brandenburgischen Altdöbern im Oktober 2024 vorgeworfen. Die Generalbundesanwaltschaft hat gegen sie und sechs weitere Jugendliche Anklage wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung, versuchten Mordes und weiterer Delikte erhoben.

In der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober 2024 wurde die Gaststätte „Kultberg“ in Altdöbern angezündet. Das Gebäude brannte komplett nieder. Zwei Jugendliche aus der unmittelbaren Nachbarschaft werden beschuldigt, diesen Anschlag aus einer rechtsextremen Ideologie verübt zu haben. Sie werden der rechtsterroristischen Gruppe „Letzte Verteidigungswelle“ zugerechnet. Außerdem soll die Gruppe einen Kugelbombenanschlag auf eine Geflüchtetenunterkunft in Senftenberg vorbereitet und zahlreiche weitere rechtsmotivierte Straftaten begangen haben.
Die Opferperspektive begleitet seit dem Anschlag die betroffene Familie und unterstützt sie bei der Bewältigung der materiellen, psychischen und sozialen Folgen des rechtsextremen Anschlags.

Anne Brügmann, Beraterin bei der Opferperspektive, erklärt:
„Aus heutiger Sicht bedeutet der Anschlag für die Betreiberfamilie eine vollständige Veränderung ihrer Lebensumstände und einen hohen finanziellen Schaden, der sie noch viele Jahre belasten wird. Nach dem Schock, Opfer eines rechten Anschlags geworden zu sein, war die mangelnde Solidarität vor Ort eine zusätzlich Belastung: Zwar wollten viele zunächst den Kulturort retten, es gab sogar hohe private Spenden für den Wiederaufbau des für das Gemeinwesen so wichtigen Treffpunktes. Doch niemand von den Verantwortlichen sprach mit den Betroffenen oder bezog sie in die Planungen ein. Selbst vom Abrissbeschluss durch den Gemeinderat erfuhren sie nur indirekt. Zum rechtsextremen Motiv der Jugendlichen aus der unmittelbaren Nachbarschaft wurde sich gleichfalls ausgeschwiegen.“

Besonders alarmierend ist das sehr junge Alter der teilweise minderjährigen Angeklagten. Seit mehreren Jahren gewinnen extrem rechte Einstellungen unter Jugendlichen an Zustimmung – befördert durch entsprechende Inhalte in sozialen Medien, kontinuierliche rechte Mobilisierungen seit 2015 und die zunehmende Normalisierung demokratie- und migrationsfeindlicher Positionen im politischen Diskurs. Das junge Alter der Beschuldigten ist deshalb ein deutliches Warnsignal.

Mit Blick auf den Prozess ergänzt Anne Brügmann:
„Der Prozess allein wird die langfristigen Folgen für die Betroffenen nicht auflösen. Er muss aber deutlich machen: Wie kann es sein, dass sehr junge Menschen rechtsextrem motiviert zu Gewalt bereit sind, und warum fehlen vielerorts stabile Präventionsstrukturen? Gerade in ländlichen Regionen sind Bildungs-, Beratungs- und Kulturangebote zentrale Schutzfaktoren. Kürzungen in diesen Bereichen senden das falsche Signal. Betroffene erwarten eine konsequente rechtsstaatliche Aufarbeitung – und dass die Gesellschaft aus solchen Taten präventive Konsequenzen zieht.“

Für Rückfragen steht Ihnen Anne Brügmann von der Opferperspektive zur Verfügung:
Tel: 0151-59100085
E-Mail: a.bruegmann@opferperspektive.de

Die Opferperspektive – Solidarisch gegen Rassismus, Diskriminierung und rechte Gewalt e.V. ist die Brandenburger Fachberatungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Der Verein berät Betroffene, deren Angehörige, Freund*innen und Zeug*innen rechter Gewalt. https://www.opferperspektive.de/

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