Beispiel Potsdam: Rechte Gewalt im Dunkelfeld

In der Waldstadt wohnen viele aktive Potsdamer Neonazis, immer wieder kommt es zu Übergriffen auf alternative Jugendliche. Alleine im März dieses Jahres wurden der Potsdamer Antifa vier rechte Gewalttaten bekannt. So etwa am 5. März 2011: Kurz vor Mitternacht stellt sich eine Gruppe Neonazis einem linken Jugendlichen in den Weg. Einer aus der Gruppe versetzt dem jungen Mann einen Schlag ins Gesicht. Dann wollen sie ihn von seinem Fahrrad zerren. In letzter Minute gelingt es dem Jugendlichen, seinen Angreifern zu entkommen.

In Statistiken tauchen diese Überfälle nicht auf. Die Statistik der Opferperspektive, ebenso wie entsprechende polizeiliche Angaben, enthält nur angezeigte Gewalttaten. Nach diesen Angaben gehen in Potsdam rechte und rassistische Straftaten zurück. Doch diese Zahlen spiegeln nur einen Teil der Realität wider.

Das Dunkelfeld bei rechter Gewalt ist hoch. Nach einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen gaben Jugendliche, die rassistische Gewalttaten verübt hatten, in über 76 Prozent der Fälle an, dass sie anschließend keinen Kontakt zur Polizei hatten. Etwa 80 Prozent der Jugendlichen, die Opfer von Körperverletzungen werden, stellten keine Anzeige; nur eines von hundert Opfern wendete sich an eine Beratungsstelle. Am geringsten ist die Anzeigebereitschaft, wenn das Opfer ausländischer und der Täter deutscher Herkunft ist.

Für das laufende Jahr hat die Opferperspektive alleine in Potsdam sieben rechte Gewaltstraftaten gezählt, die nicht bei der Polizei angezeigt wurden. Für die lokale Zivilgesellschaft ist diese Entwicklung problematisch: Nur wenn rechte Gewalt Eingang in Statistiken findet, kann sie öffentlich thematisiert werden – zum Beispiel durch uns, die Opferperspektive.

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